Gelöbnis vs. Gelöbnix
Am Donnerstagnachmittag wurden auf dem Münchener Marienplatz junge Bundeswehrrekruten vereidigt - und alte Feindbilder gepflegt.
Es sind die nicht die linken Demonstranten, deren Farben auffallen. Es sind die Mützen der Soldaten in Blau, Rot, Hellrot und Schwarz. Und es sind die Uniformen der Polizei: Hellgrün, Dunkelgrün und Schwarz. 1300 Polizisten haben sich am Donnerstagnachmittag auf dem Münchner Marienplatz versammelt, um ein paar Rekruten vor ein paar Demonstranten zu schützen. Mit Gittern ist der Platz weiträumig abgesperrt, seit dem Morgen sieht man nichts als Polizeiwagen, in denen Beamte aus dem ganzen Freistaat nach München gebracht wurden. Rundherum sammeln sich Passanten – vor allem Rentner und Schüler -, um dem Gelöbnis beizuwohnen.
Um 13.45 Uhr trappeln die Gleichschritte der Soldaten auf dem Asphalt, eine Ausbilderin schreit die jungen Männern mit einem Satz an, der nach „Links, zwo, drei, vier“ klingt. Jemand pfeift. Uli, 21, von der Roten Hilfe sagt: „Viele von uns haben sie nicht hereingelassen. Bloß, weil sie Trillerpfeifen haben.“ Links, rechts und vor dem schmalen Punk mit Iro stehen große Männer in schwarzen Uniformen und Schlagstöcken. Hinter ihm tragen sechs Zivilpolizisten einen schreienden Demonstranten davon. Ab und zu fliegt ein Stapel kleiner, neongrüner Zettel in die Luft. Auf ihnen steht „Gelöbnix“ und andere antimilitaristische Parolen. Ein älterer Herr schreit immer wieder den Satz „Bundeswehr raus aus Afghanistan“ über den Platz.
Seit Gründung der Bundeswehr, seit 54 Jahren also, gibt es Gelöbnisse. Die Zeremonie dient dazu, Wehrdienstleistende auf die Bundesrepublik zu vereidigen. Die Soldaten sprechen den Satz: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“ Bis 1980 fanden solche Veranstaltungen ausschließlich innerhalb von Kasernen statt. Als am 6. Mai 1980 im Bremer Weserstadion zum ersten Mal Wehrdienstleistende öffentlich vereidigt wurden, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei den 260 Personen verletzt wurden; es kam außerdem zu einem Sachschaden von über 1.000.000 DM.
Das letzte öffentliche Gelöbnis in München fand vor neun Jahren statt. Viele Politiker, darunter auch Horst Seehofer und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude verteidigten die Veranstaltung, da es die Bundeswehr in der Gesellschaft verankere. Wahrscheinlich ist genau dies gerade notwendig: Auch in Deutschland wird zunehmend klar, dass die Afghanistan-Strategie des Westens gescheitert ist und dass der „Friedenseinsatz“ der Bundeswehr letztlich ein Euphemismus für Krieg ist. Ein Bündnis aus 25 linken und pazifistischen Münchner Gruppen hat zu Protesten aufgerufen, eine Gegendemonstration wurde nicht genehmigt.
Samuel, 33, klatscht genau in dem Moment, als das Gegröle der Demonstranten wieder anschwillt. Er findet das öffentliche Gelöbnis gut: „Wir müssen uns nicht mehr verstecken. Bei der WM 2006 hat sich ein neues Gefühl in Deutschland breit gemacht, wir haben wieder Verantwortung in der Welt und dazu sollten wir auch stehen. Von mir aus sollen sie dagegen demonstrieren, das ist ihr gutes Recht. Aber während der Nationalhymne zu pfeifen, ist respektlos.“
Nach einer Stunde ist die Veranstaltung vorüber. Ein Mann bezeichnet die vielen kleinen Zettel am Boden als „Schweinerei“. Während die Polizeibeamten und Feldjäger bereits dabei sind, die Sperrgitter zu entfernen, verteilt ein junger Mann mit Seitenscheitel immer noch Zettel. Auch darauf steht: „Raus aus Afghanistan“. Wendet man das Flugblatt, liest man „Verteidigt die Ehre unserer Soldaten“. Der junge Mann heißt Philipp Hasselbach und „Bürgerinitiative Ausländerstopp“, eine der NPD nahe stehenden Gruppierung.
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Artikel: "Bis 1980 fanden solche Veranstaltungen ausschließlich innerhalb von Kasernen statt. Als am 6. Mai 1980 im Bremer Weserstadion zum ersten Mal Wehrdienstleistende öffentlich vereidigt wurden, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei den 260 Personen verletzt wurden; es kam außerdem zu einem Sachschaden von über 1.000.000 DM."
Wiki: "1980 wurde zum ersten Mal nach Kriegsende ein öffentliches Gelöbnis außerhalb des Kasernenbereiches durchgeführt. Bei gewalttätigen Ausschreitungen wurden am 6. Mai 1980 am Weserstadion in Bremen 260 Personen verletzt und viele Dienstfahrzeuge gingen in Flammen auf. Die Sachschäden wurden mit 1.000.000 DM beziffert."
30.07.2009 - 19:50 Uhr
gynt
iwer müsste auch ca eine millionen fotos haben als die netten herren in der uniform angefangen haben harmlose jugendliche udn studenten rauszuschmeißen....
Purcell sagte:
Ist das hier Zufall, Herr Mattheis?
Artikel: "Bis 1980 fanden solche Veranstaltungen ausschließlich innerhalb von Kasernen statt. Als am 6. Mai 1980 im Bremer Weserstadion zum ersten Mal Wehrdienstleistende öffentlich vereidigt wurden, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei den 260 Personen verletzt wurden; es kam außerdem zu einem Sachschaden von über 1.000.000 DM."
Wiki: "1980 wurde zum ersten Mal nach Kriegsende ein öffentliches Gelöbnis außerhalb des Kasernenbereiches durchgeführt. Bei gewalttätigen Ausschreitungen wurden am 6. Mai 1980 am Weserstadion in Bremen 260 Personen verletzt und viele Dienstfahrzeuge gingen in Flammen auf. Die Sachschäden wurden mit 1.000.000 DM beziffert."
Lieber Herr Purcell,
Internetrecherche kann man es auch nennen. Ich bin mir über die Probleme die eine Recherche bei Wikipedia mit sich bringt durchaus bewusst. Solange die Informationen - wie in diesem Fall - belegt sind, sehe ich bei einer Übernahme in Form einer Paraphrasierung aber keine Probleme. Natürlich wäre es noch toller, diese Informationen direkt und exklusiv zu recherchieren. Nur, wenn das Ereignis um ca. 15.30 Uhr zu Ende ist und danach maximal zwei Stunden Zeit bleiben, einen Text zu schreiben, ist das leider sehr unrealistisch. Falls in deinem Posting ein versteckter Vorwurf enthalten sein sollte, dann müsstest du auch bereit sein, ein größeres FAss aufzumachen: Dann geht es um Geld, um zusätzliche Stellen, um den Wunsch des Lesers nach Aktualität und um Arbeitsbedingungen von Journalisten. Ich will darüber nicht jammern, aber so ist es nunmal - in keiner tagesaktuellen Produktion wird das anders gehandhabt. Und - wie gesagt - solange die Informationen eines Wikipedia-Artikel ausreichend belegt sind, sehe ich da auch keine Probleme.
Gruß
MorbusBahlsen sagte:
Freie Meinungsäußerung = Stören anderer Veranstaltungen?
Außer, Du störst eine Antiglobalisierungsentglasung - das ist dann "Faschismus".
MorbusBahlsen sagte:
Freie Meinungsäußerung = Stören anderer Veranstaltungen?
Und das auch noch in der Öffentlichkeit! Früher hätt's das nicht gegeben!
30.07.2009 - 22:53 Uhr
Crushed_on_You
und warum sollte man bei der hymne nicht pfeifen? dachte zu nem liedchen kann man immer pfeifen? mir bedeutet die hymne rein gar nichts... na gut, denken andere anders drüber...
philipp-mattheis sagte:
Lieber Herr Purcell,
Internetrecherche kann man es auch nennen. [...]
Vielen Dank für die Antwort. Ich habe viel Verständnis für den Job und wollte eigentlich tatsächlich nur wissen, ob es ein Zufall war (auch, weil genau für diese Fakten bei Wikipedia eben keine Quellen angegeben sind - hätte ja sein können, daß Du eben solche genutzt hast, bei denen dann wiederum der Wiki-Autor geklaut hätte, ohne es anzugeben). Reines Interesse.
Ich will auch nicht weiter über den konkreten Fall diskutieren (oder daß man sich generelle Informationen ja eigentlich als Vorbereitung, nicht als Nachbereitung beschaffen könnte) ... ich finde es ja fast sympathisch ehrlich, wenn Du Deine Paraphrasierung aus Wikipedia - was, wie Du selber sagst, zum Usus mancher Kollegen gehören mag - kaum kaschierst ... ;-)
Purcell sagte:
philipp-mattheis sagte:
Lieber Herr Purcell,
Internetrecherche kann man es auch nennen. [...]
Vielen Dank für die Antwort. Ich habe viel Verständnis für den Job und wollte eigentlich tatsächlich nur wissen, ob es ein Zufall war (auch, weil genau für diese Fakten bei Wikipedia eben keine Quellen angegeben sind - hätte ja sein können, daß Du eben solche genutzt hast, bei denen dann wiederum der Wiki-Autor geklaut hätte, ohne es anzugeben). Reines Interesse.
Ich will auch nicht weiter über den konkreten Fall diskutieren (oder daß man sich generelle Informationen ja eigentlich als Vorbereitung, nicht als Nachbereitung beschaffen könnte) ... ich finde es ja fast sympathisch ehrlich, wenn Du Deine Paraphrasierung aus Wikipedia - was, wie Du selber sagst, zum Usus mancher Kollegen gehören mag - kaum kaschierst ... ;-)
Hi,
danke für deine Antwort. Prinzipiell würde ich sagen, ja es ist Usus und ja, es ist ein Problem. Aber nur dann, solange solche Quellen unreflektiert übernommen werden. Über die Qualität von Wikipedia und anderen - genauso auch von Print-Lexika wie Brockhaus - könnte man lange diskutieren. Ich persönliche sehe darin weniger Probleme als manche - meist ältere - Kollegen. Schließlich gewährleistet ein Print-Produkt, blow weil es gedruckt ist, nicht, dass darin nichts falsches steht.
@ silanea: Es ist bei journalistischen Artikeln schlicht und einfach nicht Usus, Quellenangaben zu machen. Diese Praxis kann man kritisieren. Manche Medien wie zum Beispiel Le Monde Diplomatique handhaben das anders, aber dann musst du halt auch mit einer ganzen Menge Fußnoten vorlieb nehmen. Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Arbeiten wird die korrekte Wiedergabe von Informationen schlicht vorausgesetzt. Und ganz ehrlich: Ein solcher Text ist weder eine wissenschafttliche Arbeit, noch werde ich dafür den Kisch-Preis gewinnen. Jetzt auch noch mit Quellenangaben daher zu kommen - auch wenn das prinzipiell eine berechtigte Forderung ist - würde einfach dem Format nicht gerecht werden.
phlow sagte:
ich hab mir heute eher durch zufall diesen ganzen aufmarsch in muc angeschaut und muss,abgesehen von meiner generellen ablehnung der bundeswehr, schon die frage stellen, ob dieser wahsinnge aufwand wirklich notwendig ist..... wenn sich die ganze republick an ein paar tausend euro für diesen dienstwagenscheiss aufreibt, würde mich wirklich mal interessieren, wieviele steuergelder für den gestrigen polizeieinsatz draufgegangen sind.....
endlich sagts mal jemand. ich finde es eine absolute frechheit den ganzen marienplatz abzusprerren auf dem täglich hundert tausende von leuten und touristen laufen. und das ganze nur um den leuten "aufmerksamkeit aufzuzwingen".
weiters die über tausend polizisten, die extra da hingeschafft und bezahlt werden + die ganzen polizeibusse. totales chaos gestern in der innenstadt und wofür? sollen sie das doch auf der theresienwiese machen, wenns schon unbegingt in der Stadt sein muss. da stören sie wenigstens keinen, und die dies interessiert die können immernoch hingehn und zuschaun. aber die tausend anderen leute bleiben wenigstens ungestört.
Rosa1918 sagte:
"Seit Gründung der Bundeswehr, seit 49 Jahren also, gibt es Gelöbnisse. " Das ist schonmal falsch. Zur Gründung der Bundeswehr gab es keine solchen Gelöbnisse, weil es gab auch keine Armee. Erst 1955 wurde (gegen breiten Widerstand der Bevölkerund, die keinen neuen Krieg wollte) die Bundesrepublik wiederbewaffnet.
Sorry, stimmt natürlich!
philipp-mattheis sagte:
Rosa1918 sagte:
"Seit Gründung der Bundeswehr, seit 49 Jahren also, gibt es Gelöbnisse. " Das ist schonmal falsch. Zur Gründung der Bundeswehr gab es keine solchen Gelöbnisse, weil es gab auch keine Armee. Erst 1955 wurde (gegen breiten Widerstand der Bevölkerund, die keinen neuen Krieg wollte) die Bundesrepublik wiederbewaffnet.
Sorry, stimmt natürlich!
WAS stimmt natuerlich? "Zur Gründung der Bundeswehr gab es ... keine Armee."??? nochmal durchlesen bitte. der urspruengliche text war schon korrekt.
philipp-mattheis sagte:
in keiner tagesaktuellen Produktion wird das anders gehandhabt. Und - wie gesagt - solange die Informationen eines Wikipedia-Artikel ausreichend belegt sind, sehe ich da auch keine Probleme.
Gruß
wird es wohl. dennoch verständnisvolle, zum teil zustimmende grüße aus ner nordischen tageszeitung.
was ich untersützenswert finde und was nicht würde ich mir nämlich ungerne von nem unterbelichteten offizier/unteroffizier vorschreiben lassen..
phlow sagte:
ich hab mir heute eher durch zufall diesen ganzen aufmarsch in muc angeschaut und muss,abgesehen von meiner generellen ablehnung der bundeswehr, schon die frage stellen, ob dieser wahsinnge aufwand wirklich notwendig ist..... wenn sich die ganze republick an ein paar tausend euro für diesen dienstwagenscheiss aufreibt, würde mich wirklich mal interessieren, wieviele steuergelder für den gestrigen polizeieinsatz draufgegangen sind.....
das ist doch absolut kein argument. in unserer verfassung wird meinungs- und versammlungsfreiheit garantiert. die begründung "für die paar leute sind 1000 polizisten viel zu teuer!" würde bei so gut wie jeder demo passen, aber es geht dabei nunmal nicht um eine kosten/nutzen rechnung, sondern um die garantie der verfassungsmäßigen rechte (bei gleichzeitiger wahrung der öffentlichen sicherheit).
Das öffentliche Gelöbnis ist nichts anderes als solch ein Kundgebung, organisiert von der jeweiligen Stadt um zu sagen "die bundeswehr gehört zu uns und steht in unserer mitte". genauso dürfen auch am rand diejenigen protestieren, die anderer meinung sind.
Renaissance_Man sagte:
phlow sagte:
ich hab mir heute eher durch zufall diesen ganzen aufmarsch in muc angeschaut und muss,abgesehen von meiner generellen ablehnung der bundeswehr, schon die frage stellen, ob dieser wahsinnge aufwand wirklich notwendig ist..... wenn sich die ganze republick an ein paar tausend euro für diesen dienstwagenscheiss aufreibt, würde mich wirklich mal interessieren, wieviele steuergelder für den gestrigen polizeieinsatz draufgegangen sind.....
das ist doch absolut kein argument. in unserer verfassung wird meinungs- und versammlungsfreiheit garantiert. die begründung "für die paar leute sind 1000 polizisten viel zu teuer!" würde bei so gut wie jeder demo passen, aber es geht dabei nunmal nicht um eine kosten/nutzen rechnung, sondern um die garantie der verfassungsmäßigen rechte (bei gleichzeitiger wahrung der öffentlichen sicherheit).
Das öffentliche Gelöbnis ist nichts anderes als solch ein Kundgebung, organisiert von der jeweiligen Stadt um zu sagen "die bundeswehr gehört zu uns und steht in unserer mitte". genauso dürfen auch am rand diejenigen protestieren, die anderer meinung sind.
Hat ja auch keiner gesagt, dass sie es nicht dürfen. Es geht ja nur um die Verhältnismäßigkeit der Bürgerreaktion auf ein bisserl Dienstwagen fahren wos nicht erlaubt ist und fette Massenevents, die kein Mensch braucht, der ich nicht das Hirn vernagelt hat.
uther_the_puter sagte:
Es geht ja nur um die Verhältnismäßigkeit der Bürgerreaktion auf ein bisserl Dienstwagen fahren wos nicht erlaubt ist und fette Massenevents, die kein Mensch braucht, der ich nicht das Hirn vernagelt hat.
das "bisserl dienstwagen fahren" war ja erlaubt, es wird nur von politikerInnen erwartet, dass sie aus irgendwelchen verschwurbelten moralbegriffen heraus dieses recht nicht wahrnehmen.
alcofribas sagte:
uther_the_puter sagte:
Es geht ja nur um die Verhältnismäßigkeit der Bürgerreaktion auf ein bisserl Dienstwagen fahren wos nicht erlaubt ist und fette Massenevents, die kein Mensch braucht, der ich nicht das Hirn vernagelt hat.
das "bisserl dienstwagen fahren" war ja erlaubt, es wird nur von politikerInnen erwartet, dass sie aus irgendwelchen verschwurbelten moralbegriffen heraus dieses recht nicht wahrnehmen.
Ja, richtig. Verzeihung! ;)
Als Wissenschaftler kann ich euch sagen, dass Quellenangaben nicht dazu dienen, nachzuweisen, dass man nicht lügt, sondern um bei verwendeten Fremdinformationen denjenigen zu würdigen, der sich die Mühe gemacht hat, diese Info zu generieren.
Journalisten, die bloß recherchieren und schreiben, generieren keine Information. Davon gibt es natürlich immer mehr... Mir tut also nur leid, dass die armen Schweine, die wirklich Information erheben, im Journalismus nicht gewürdigt werden bzw. nicht zu unterscheiden sind von den reinen Schreiberlingen. Aber das ist ja nicht mein Problem.
Zu Deinem zweiten Punkt aber: Was bitte soll ein Journalist denn noch machen, außer zu recherchieren und zu schreiben? Was meinst Du mit "Informationen generieren", soll er Ausgrabungen tätigen, um festzustellen, wieviele Panzer 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens waren? Wenn man Fakten zusammenträgt, die ein paar Jahrzehnte zurückliegen, besteht die Recherche natürlich immer v.a. im Rückgriff auf ältere Berichte, Nachschlagewerke, Chroniken, Kompendien etc. - auch bei "traditionellem" Journalismus ist der Gang ins Redaktionsarchiv nichts anderes. Wäre ja überhaupt nicht durchführbar, für jeden beiläufigen Abschnitt aufwendigere Methoden heranzuziehen und jedes Detail zu überprüfen. Prinzipiell muß man bei der Diskussion auch unterscheiden zwischen Berichten zum aktuellen Tagesgeschehen oder Artikeln, die z.B. investigativ sind oder einen Aspekt beleuchten, dem bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde (und die entsprechend länger vorbereitet werden konnten).
Wikipedia, wo jeder alles ändern kann, würde ich auch gegenüber anderen Informationsmedien kritisch betrachten. Letztere sind tendentiell (natürlich auch nicht immer, und nicht immer objektiv) von Fachleuten erstellt und vor dem Druck sorgfältig geprüft worden. Und selbst in den Fällen, wo ein Wiki-Artikel auf eine Quelle verweist, sind diese oft nichts anderes als Hyperlinks zu Online-Artikel in Tageszeitungen, man dreht sich also im Kreis.
@Gargoyle (vorheriger Beitrag): Auch mir fällt aber immer häufiger auf, wie sich Artikel - z.B. im Vergleich von sueddeutsche.de und spiegel.de - nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch sprachlich ähneln. Da wird wohl häufig eine dpa-Meldung oder Pressemitteilung gleich ins Netz gestellt (auch wegen dem Druck der Leser, die blitzaktuelle Meldungen lesen wollen), und es stellt sich wirklich die Frage, wie seriös man das flüchtige Neu-Arrangieren von Textmaterial in solchen Fällen nennen kann.
Und wo ist jetzt der Unterschied, ob ich mir geschichtliche Fakten bei Wikipedia oder sonstwo hole? Ist doch schön, dass das heute per Internet schneller geht als früher. Man sollte sicher bei Wikipedia die Quellenabgaben auch nochmal überprüfen, aber im Prinzip seh ich da nichts Verwerfliches dran.
1.) daß Übernahmen häufig eben nicht gekennzeichnet sind (via "dpa" oder so)
2.) daß kaum jemand scheinbare "Fakten" überprüft, die bei Wikipedia stehen. Oder daß einfach direkt copy&paste benutzt wird. Es gab doch in den letzten Wochen etliche Fälle, wo das nur durch Zufall aufgefallen ist (z.B. der Fehler bei den Guttenberg-Vornamen, hat sich in fast alle renommierten Medien reingeschlichen).
Und sorry, aber die Guttenberg-Vornamen sind doch echt Gossip, was wäre denn da deiner Meinung nach angemessen gewesen? Anrufe in seinem Sekretariat? Nachfrage beim Standesamt?
Ich stimme euch zu, dass vieles schlecht recherchiert ist, und zwar gerade auch bei Artikeln und Beiträgen, die für sich in Anspruch nehmen, "investigativ" zu sein, aber bei so unwesentlichen Dingen finde ich die Kritik kleinlich.
fraeuleiningeborg Ich kenn jemanden, der ist bei dpa
Wenn ein Posting so oder so ähnlich anfängt, braucht man meistens gar nicht weiterlesen.
31.07.2009 - 22:53 Uhr
fraeuleiningeborg
Crushed_on_You sagte:
fraeuleiningeborg Ich kenn jemanden, der ist bei dpa
Wenn ein Posting so oder so ähnlich anfängt, braucht man meistens gar nicht weiterlesen.
Nein? Warum? Dabei hab ich die Information doch von ihm persönlich und nicht irgendwo (gar bei Wikipedia, Gott bewahre!) gelesen?
Die ähnlichen Artikel (ob die von dpa oder ddp kommt, oder ob ein spiegel-Autor bei einem sueddeutsche-Autor kopiert, kann man natürlich nicht sagen): täglich mehrmals. Mußt einfach mal parallel lesen. Und bei aktuellen Meldungen ist zwar meistens "dpa" o.ä. angegeben, wenn in der zweiten Fassung (anderthalb Stunden später) vorne und hinten um zwei Sätze ergänzt wurden, dann oft nicht mehr.
Wenn es ergänzt wird, ist ja ein eigener Anteil dabei, wahrscheinlich müssen die es dann nicht mehr kennzeichnen. Finde ich aber aus den genannten Gründen auch nicht schlimm, was aktuelle Meldungen betrifft, da sind die Recherche-Möglichkeiten sowieso begrenzt.
31.07.2009 - 23:19 Uhr
fraeuleiningeborg
Gargoyle sagte:
Leute, die mit Wikipedia-Links und -Zitaten um sich werfen, um in Diskussionen zu argumentieren, kann ich grundsätzlich nicht ernst nehmen. Das ist für mich ganz typisches, zeitgeistmäßiges Dünnbrettbohrer-Gehabe.
Gut, gargoyle, dann sag mir doch mal, was du als angemessene Recherche der Geschichte von öffentlichen Gelöbinissen betrachtet hättest.
Und jetzt noch die Quellenangabe: das tolle, fantasievolle Beispiel mit dem Chirurgen hat meine Frau soeben zur Diskussion beigetragen. Ich finde den Vergleich genial, aber ich möchte mich nicht mit ihren Lorbeeren schmücken. :-)
31.07.2009 - 23:36 Uhr
Gargoyle
Vielleicht gibt es ja Streitigkeiten um das, was in Bremen vor 30 Jahren tatsächlich geschah? Erfahre ich aber wohl nicht, wenn ich nur in Wikipedia suche.
Sehr erhellend sind auch bei streitigen Themen die Diskussionsseiten, ich sehe das als einen echten Vorteil gegenüber anderen Quellen.
Und was das Abschreiben betrifft: wer sagt euch denn, dass das nicht schon immer so war? Jetzt ist es doch nur nachvollziehbarer, weil halt alles im Internet steht.
Es könnte doch ein Fortschritt sein, dass man es jetzt bemerkt.
Auf der Theresienwiese wird gerade das Oktoberfest aufgebaut, also wenn sie überhaupt irgendwo stören, dann dort;-).
@Gargoyle
Sehr richtig, wie ich gleich noch weiter ausführen werde.
philipp-mattheis sagte:
Ich will darüber nicht jammern, aber so ist es nunmal - in keiner tagesaktuellen Produktion wird das anders gehandhabt. Und - wie gesagt - solange die Informationen eines Wikipedia-Artikel ausreichend belegt sind, sehe ich da auch keine Probleme.Gruß
Daran gibt es zwei Dinge, die mir negativ aufstoßen. Wenn das in keiner tagesaktuelen Produktion anders gehandhabt wird, was soll dann der Grund für den Leser sein, genau diese tagesaktuelle Redaktion zu wählen. Und mehr wundert mich schon, dass man anscheinend nicht das Süddeutsche-Archiv nutzt. Ist das nicht verfügbar oder gab es die damals noch nicht ?
Ich habe vor 2 Jahren das damals aktuelle Thema Lufthansa Cargo Überflugrechte in Rußland durchrecherchiert und was dabei zu Tage kam, war pure Meinungsmache, weil Sachverhalte verkürzt wurden. Ich habe das damals auch deshalb gemacht, weil auf jeder Seite wortidentische Berichte standen. Wie soll man nach so was Medien grundsätzlich noch glauben ?
Das ist keine direkte Kritik an Dir philipp, aber nenne mir mal einen Grund, warum ich z.B. bei sueddeutsche.de lesen soll und nicht bei bild.de, spiegel.de oder stern.de .
Digital_Data
Der entscheidende Unterschied zwischen Wissenschaft und Presse ist nicht, wie Philipp Mattheis hier suggeriert, dass "Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Arbeiten [..] die korrekte Wiedergabe von Informationen schlicht vorausgesetzt [wird]", sondern die Quellen der freien Pressen nicht genannt werden _müssen_ um sie im Zweifelsfall zu schützen. Presse darf durchaus Lügen (solange sie nicht verleumdet).
Den Hinweis auf die Unzulänglichkeiten anderer Presseorgane finde ich dabei unglaublich lustig: weil die anderen schlecht sind, dürfen wir auch schlecht sein, wir sollten nur zusehen, dass wir nicht noch schlechter sind - unter den Blinden ist der Einäugige bekanntlich König.
Eine "Paraphrasierung" der vorliegenden Art würde in den Wissenschaften schlicht Plagiat genannt.
Das ist nicht als Vorwurf gedacht, denn ich kann auch nicht beurteilen, wann die Entscheidung gefallen ist, diesen Artikel zu schreiben und tatsächlich fehlt es den Hournalisten oft schlicht an Zeit (und den Verlagen an Geld) um sich die Kompetenz für ein Thema draufzuschaffen. Höhpunkte journalistischer Galnzleistungen sind dann Spiegeltitelthemen auf 6 Seiten (durch Werbung gestreckt auf 12), unter denen 14 Autorennamen stehen.
Schöne Grüße, Hend.
Inzwischen vertrete ich eine andere Meinung darüber (Als kleines Baby hatte ich auch keine Wahl): Unsere Soldaten sollten wir nicht verpfeifen denn sie dienen für unser Land. Sie verteidigen uns und stehen für unsere Werte im Ausland. Die deutschen Soldaten werden im Ausland respektiert und viele Menschen in Afghanistan sind dankbar, dass sie die Bevölkerung unterstützen kann. Die Befehle zu töten kommen letzendlich von oben - von der Bundesregierung. Also warum verpfeifen die linke Bewegung nicht diese Gruppe???
Renaissance_Man sagte:
prinzipiell
das ist doch absolut kein argument. in unserer verfassung wird meinungs- und versammlungsfreiheit garantiert. die begründung "für die paar leute sind 1000 polizisten viel zu teuer!" würde bei so gut wie jeder demo passen, aber es geht dabei nunmal nicht um eine kosten/nutzen rechnung, sondern um die garantie der verfassungsmäßigen rechte (bei gleichzeitiger wahrung der öffentlichen sicherheit).
Das öffentliche Gelöbnis ist nichts anderes als solch ein Kundgebung, organisiert von der jeweiligen Stadt um zu sagen "die bundeswehr gehört zu uns und steht in unserer mitte". genauso dürfen auch am rand diejenigen protestieren, die anderer meinung sind.
ich sage auch nur, daß, wenn diese veranstaltung denn unbedingt sein muss, es sicher eben auch, wei cmbsecond meint, auf der theresienwiese, in einem der zahlreichen stadien oder wo anders hätte stattfinden können.
und dann hätte man vielleicht eben nicht diesen gewaltigen aufwand gebraucht.
wäre es eine "normale demonstration" gewesen, hätten mich die kosten auch interessiert.








-27
30.07.2009 - 19:17 Uhr
jacke_wie_hose
noch schlimmer, dass die mit echtem nationalbewusstsein nicht an die richtige positionen kommen.
Beides zeigt wie stark die deutsche Identität kulturell
bereits unterwandert ist.