20.07.2009 - 18:30 Uhr

0 16 Über Twitter weiterempfehlen

Unser Leben aus Koffern

Text: evi-lemberger - Fotos: el

Ausländische Studenten in München sprechen über ihre Heimat, die Sehnsucht nach den Eltern und Dinge, die sie mitgebracht haben

In München studieren rund 7 000 Studenten aus 125 Ländern. Von Zuhause haben sie Heimweh und Erinnerungen mitgebracht. jetzt.muenchen sprach mit einigen von ihnen über ihre Heimat.
Michael Simpson, 20, aus Ohio, USA, studiert New Media und ist seit gut zwei Wochen in München. „Meine Hochschule hat eine Partnerschaft mit der Münchner Uni. Es ist mein erstes Mal so lange und so weit weg von Zuhause. Ich bin zwar schon einmal für drei Wochen weggewesen und während meines ersten Jahres im College lebte ich nicht zu Hause – aber das war nur 50 Minuten von meinem Zuhause entfernt. Aber wenn man weiß, dass man wieder nach Hause kommt, ist das nicht so schlimm. Auszupacken gibt es nicht so viel. Kleidung, Geld, Computer und Bücher – das sind die einzigen Sachen, die ich mitgenommen habe. Mein persönlichstes Mitbringsel ist mein Koffer. Der wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Wahrscheinlich wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts gekauft. Er erinnert mich an Zuhause, an meine Heimat. Heimat ist für mich meine Mutter und ihr Essen. Nein, das stimmt nicht. Heimat ist meine Mutter im Generellen.“ ***
Raisa Garvin, 21, aus Ohio, USA, studiert ebenfalls New Media und ist seit zwei Wochen in Deutschland. „Es ist das erste Mal, dass ich so lange weg bin von Zuhause. Am Anfang war es schwierig und ich musste oft weinen. Aber jetzt nach zwei Wochen ist es schon etwas besser. Das Wetter ist nicht so toll, aber die Stadt ist richtig schön und ich weiß: Es gibt Einiges zu sehen. Das einzig Besondere in meinem Gepäck ist meine Decke, die ich immer mitnehme, wenn ich ins Ausland gehe. Meine Großmutter hat sie extra für mich in Auftrag gegeben. Außerdem ist da die Halskette, die mir mein Freund schenkte und die ich immer bei mir habe – aber nie trage. Weil ich Angst habe, dass sie kaputt geht.“ ***
Emad Timiz, 21, studiert Elektrotechnik und kommt aus Palästina. „Ich bin seit zwei Jahren hier und noch nicht nach Hause gefahren. Als ich damals Palästina verließ, habe ich vor allem Fotos von meiner Familie mitgenommen. Und den Koran, da ich Moslem bin. Mir ist die Religion wichtig, um mich an Zuhause zu erinnern. Den Beschluss, nach Deutschland zu gehen, fasste ich schon in der 10. Klasse. Wann ich wieder heimfahren kann, weiß ich aber nicht. Die politische Lage ist schwierig. In zehn Tagen wäre die Hochzeit von meinem Bruder und ich kann leider nicht kommen. Das tut schon weh. Sehr weh.“
Weiter Seite 1 2 3


Neue Magazin-Texte:
Textoptionen
Mehr Texte von
evi-lemberger
Mehr Texte zum Label
jetztgedruckt
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
Kommentar

speichern

Jetzt-Mitglied

evi-lemberger offline

evi-lemberger

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.