Rebel Rebel
Witzig schlechte resignierte Welt. Gäbe es doch nur, ja wäre doch nur. Aber es ist ja anders, oder wird anders sein irgendwann im September, aber auf keinen Fall wie man selber will. Es wird gewählt in diesem Jahr, Bundestag, und es scheint sehr langweilig zu werden. Keine großen Konflikte, keine interessanten Kandidaten, keine Visionen und keine Möglichkeiten. Dabei ist gerade jetzt der Zeitpunkt für etwas anderes, für radikales Gedankengut und stürmische Geister. Denn, wie man es auch wendet, mit unter 35, kann man mit gutem Gewissen dieses Jahr keine der Parteien wählen. Denn keine der Parteien denkt an uns. Sie denken an unsere Väter und Mütter und Großväter und Großmütter, nicht an uns oder gar unsere hypothetischen Kinder, oder deren hypothetischen Kinder. Nein, wir sind nun auf uns gestellt. Wir zahlen unsere Studiengebühren, während die Renten erhöht werden. Wir rennen nach den unbezahlten Praktikumsstellen, nach den langen Stunden, nur im vielleicht einen Lebenslauf zu haben, den dann jemand haben will. Und Opel wird Staatsgeld gerettet und es wird so getan, als ob es da um Arbeitsplätze geht. Mit Millionen wird da gesichert, was sich Jahrzehnte nicht bewährt hat, nur damit in Zukunft weniger Geld da ist, für das was sich noch bewähren könnte. Für etwas was wir als Jugend eines Landes noch vorhaben könnten. Und wir, als Jugend dieses Landes, lassen es mit uns manchen, passen uns ein und halten den Mund. Das wird gesagt und geschrieben, nicht nur in letzter Zeit. Woher kommt das? Vielleicht weil wir resignieren in Anbetracht der Katastrophen, die kommen, an dieser einen Stimme die wir nur haben. Und an dem jahrelangen politischen Training, das uns beigebracht hat, dass wir mit dieser einen Stimme nicht weit kommen, weil sie keiner hören will, weil die anderen, die Alten, mehr Stimmen haben und lauter sind und länger im Geschäft. Vielleicht sind wir leise, weil es kein klares Feindbild mehr gibt und man mit allem gelernt hat zu leben. Vielleicht sind wir leise, weil die Dinge nicht einfach sind, es keine klaren Antworten mehr gibt und die meisten Ideologien sich als reine Hirngespinste enttarnt haben. Weil die Zeit der Slogan vorbei ist, dafür ist es ein wenig zu ernst geworden um uns. Denn wenn man hinschaut, hindurch durch den Konsens und die Marktschreierei der Interessengruppen und den unbrechbaren Wiederwahlwillen der Politiker muss man erkennen, dass das hier eine radikale Zeit. Und dass in 50 Jahren, plus minus ein paar Jahrzehnte, die Menschen auf diese Zeit zurückschauen werden und fragen werden: Ihr habt es doch gesehen, ihr habt es doch gewusst, warum habt ihr nicht getan? Oder sie werden den Vorwurf noch weiter führen und aus der Frage eine Feststellung machen: Ihr habt nichts getan. Ihr habt die Umwelt zerstört, das Wasser verseucht, alles Öl verbraucht und an nicht gearbeitet, dass das wieder aufwiegen kann. Ihr habt still gesessen und es ist passiert und heute ist fast schon zu spät. Das ist was uns angehen muss, denn die Alten, die Politiker von heute, werden diese Fragen nicht beantworten müssen, sie werden nicht dafür gerade stehen, sie werden nicht mehr da sein. Wir jungen Menschen werden noch da sein, wir werden für das was kommt zur Verantwortung gezogen werden. Das Problem dieser Zeit ist, dass es nicht mehr einfach ist, dass es keine schmerzfreien Lösungen mehr gibt, sondern dass es hart werden muss, soll es besser werden. Und es ist eine der Unverschämtheiten der Politiker, und zwar durch alle Parteien, dass sie sagen: Es wird doch noch einfach werden. Es ist eine komplexe Zeit, in der alles ein wenig zusammenhängt und es keine einfachen Antworten mehr gibt. In der es laut geworden ist, so dass einem die eigene Stimme unbedeutend vorkommen kann. Aber wir müssen laut werden. Wir müssen schreien. Wir müssen sagen: Wir können keinen von euch wählen und wir streichen lieber unsere Wahlzettel durch, als einen von euch zu unterstützen. Zeigt uns erst, dass wir auch etwas zurückbekommen, für unsere Arbeit, für unser Engagement. Beweist, dass wir euch wählen können, wenn auch wir eine gute Zukunft haben wollen. Gebt unser Geld nicht aus, zerstört nicht unsere Wiesen. Fangen wir damit an, dann lasst uns reden. An uns: Ich weiß wir wollen keine Generation sein, wir sträuben uns dagegen. Aber lasst doch mal den Aufstand üben. Ein wenig störrisch sein, ein bisschen dagegen, oder am Besten sehr. Reden wir und finden unsere Möglichkeiten anstatt nur zu fressen, was man uns vorsetzt. Lesen wir über Politik und Umweltzerstörungen und finden unsere Argumente, werden wir doch bitte wütend, oder lasst uns unsere Wut, die uns zuweilen Nachts an Küchentischen überkommt, in den nächsten Tag tragen, in die nächste Woche. Hören wir nicht mehr auf mit dem Wütendsein und lasst uns sehen, wohin wir damit kommen. Denn auch wir sind wer, Zeit das zu erkennen.
Wie sprach es gestern Abend: das nächste Semester wird ein Aufstandssemester.
Jippie.








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19.07.2009 - 16:57 Uhr
jane_lane