14.07.2009 - 18:30 Uhr

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"Mit virtuellen Waffen ist noch nie ein Mensch getötet worden"

Text: dirk-vongehlen - Foto: privat

Niemand lernt einen Amoklauf, weil er Computer spielt, sagt der Baumaschinentechniker Peter Schleußer. Der 38-Jährige ist Hauptpetent der Online-Petition gegen ein Verbot von Action-Spielen. Ein Interview über den Erfolg seiner Eingabe und verständnislose Politiker

jetzt.de: Du hast eine Petition für Computerspiele eingereicht. Vermutlich spielst du ziemlich viel? Peter Schleußer: Wenn du einen der Innenminister - gegen deren Beschluss sich meine Petition in erster Linie richtet - fragst, ab wann man viel spielt, wird der wahrscheinlich sagen: ab einer Stunde täglich. Wenn du jetzt einen richtigen Computerfreak fragst, kommt der vermutlich zu einer ganz anderen Einschätzung. Und du? Sagen wir mal so: Ich spiele häufiger. Und zwar genreübergreifend. Sehr gerne Rollenspiele. Ich spiele auch Guild Wars und immer mal wieder Egoshooter und gerne auch Militärsimulationen. Hast du das Gefühl, dass die dich aggressiver machen? Im Gegenteil. Ich geb dir ein Beispiel: Der Film "Der Soldat James Ryan" wird doch auch als Anti-Kriegsfilm geführt, obwohl die erste halbe Stunde nichts anderes als reines Gemetzel ist. Und gerade bei Militärsimulationen habe ich noch mehr das Gefühl, dass da eine Anti-Kriegswirkung erzielt wird. Man denkt sich: ein gutes Spiel, aber im realen Leben bin ich froh, dass ich nie bei einem echten Kampfeinsatz dabei sein mußte. Solche Spiele sind nicht so verherrlichend wie so mancher Spielfilm.
Über Computerspiele wird anders debattiert als zum Beispiel über Filme. Woran liegt das? Zum einen gibt es Spiele noch nicht so lang, da kennen viele sich nicht richtig aus. Zum anderen sind Spiele interaktiv. Deshalb glauben Politiker, die hätten eine größere Wirkung. Du glaubst das aber nicht. Ganz und gar nicht. Als ich noch mehr Zeit hatte, habe ich selber mal in einem Clan gespielt und unser Motto war immer: 'Wir spielen lieber Krieg, als einen zu führen.' Es gibt Politiker, die Egoshooter auch für Amokläufe verantwortlich machen. Wie reagierst du auf solche Vorwürfe? Empört. Es gibt einfach kein Computerspiel, in dem du mit einer Waffe in der Hand auf wehrlose Menschen schießt. Niemand lernt einen Amoklauf, weil er Computer spielt. Den Umgang mit Waffen lernt man eher im Schützenverein, wenn man auf irgendwelche Pappfiguren schießt. Mit virtuellen Waffen ist noch nie ein Mensch getötet worden. Wenn man etwas zur Prävention von Amokläufen tun will, sollte man das Waffenrecht verschärfen. Denn nach dem Amoklauf von Winnenden habe ich mir schon die Frage gestellt: Wie konnte der an eine scharfe Waffe kommen? Da kann der noch so viel Counterstrike gespielt haben - ohne eine scharfe Waffe hätte der nie jemanden getötet. Deshalb hast du die Petition gestartet? Genau. Das Thema regt mich schon sehr auf. Jugendschutz ist gut und richtig. Aber irgendwann sollte man in diesem Land doch das Recht haben, die Spiele zu spielen, die man möchte und sollte wie ein mündiger Bürger behandelt werden und nicht wie ein Kleinkind von der Politik gegängelt werden. Wie kam es dann zu der Petition? Der Text der Petition stammt zum größten Teil von einer Aktion der Zeitschrift Gamestar und ist eine Reaktion auf die Innenministerkonferenz. Die Idee war, dass man diesen Text dem Parlamentarier seines Wahlkreises zuschickt. Ich dachte mir: Warum so umständlich - und habe eine Online-Petition daraus gemacht. Du hast mittlerweile über 50.000 Mitzeichner gewonnen. Nicht schlecht. Man sollte ja eigentlich meinen, dass man informiert wird, wenn die eigene Petition online gestellt wird - dass man vielleicht eine E-Mail bekommt. War aber nicht so. Ein Journalist hat mich darüber informiert, dass die Petition im Netz steht. Erst ein paar Tage später hatte ich einen Brief in meinem Briefkasten. Da stand die Petition schon bei 30.000 Mitzeichnern. Wie geht es jetzt weiter? Mein Ziel war es, die 50.000 Mitzeichner zu erreichen. Dann bekommt man zehn Minuten Redezeit im Deutschen Bundestag, um das eigene Anliegen vorzutragen. Dann fährst du jetzt also nach Berlin. Glückwunsch. Was wirst du sagen? Die Rede habe ich noch nicht geschrieben, aber mein Hauptargument ist, dass man unter dem Deckmantel des Jugendschutzes nicht jegliche Erwachsenen-Unterhaltung verbieten kann. Genau wie die Jugend ein Recht auf Jugendschutz hat, haben Erwachsene ein Recht auf Erwachsenen-Unterhaltung. Ich glaube, es muss einen Punkt geben, wo wir als mündige Bürger selber entscheiden können. Mehr zum Thema auf jetzt.de: Mit dem Amoklauf in Winnenden befassen sich mehrere Texte, Interviews und Kommentare, die du hier in der Übersicht findest. Außerdem auf jetzt.de: Ein Interview mit Matthias Dittmayer, der sich gegen die Berichterstattung über Computerspiele wehrt.


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MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

-3

15.07.2009 - 00:20 Uhr
MorbusBahlsen

Übrigens, @Artikelüberschrift:
http://www.computerbase.de/news/software...

bernweich
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Mag ich Mag ich nicht

2

15.07.2009 - 00:24 Uhr
bernweich

MorbusBahlsen sagte:
Übrigens, @Artikelüberschrift:
[link=http://www.computerbase.de/news/software...
]http://www.computerbase.de/news/software...

hahaha.
toller plan. anstatt mal rauszufinden WARUM sie süchtig sind, lieber mal strafen einführen, wie man es mit kleinen kindern tut. super lösung!

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

-3

15.07.2009 - 00:35 Uhr
MorbusBahlsen

Mir gings eigentlich um die Toten. Dass ich dann halt einfach zwei- oder dreimal das Spiel kaufen kann, um 3 Accounts zu bekommen, tja. Kurz gedacht wa... und es gibt ja auch noch eine Welt abseits des Kaufens...

Sendmoreparamedics
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.07.2009 - 01:36 Uhr
Sendmoreparamedics

Ich bin bei Quake schon mal virtuell getötet worden.
Zählt das?

laubenpiepersdelight
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Mag ich Mag ich nicht

-1

15.07.2009 - 01:41 Uhr
laubenpiepersdelight

Wenn die Spiele nicht die Schießhemmschwelle senken würden, dann würde das amerikanische Militär die wohl nicht zu diesem Zweck einsetzen.
In der heutigen "Wissenschaft" wird man sowieso jede Behauptung aufstellen und mit irgendwelchen Statistiken belegen, können, die einem für die eigene Meinung passen.
Wenn man keinen Begriff und Blick mehr von/für seelische(r) Gesundheit hat, wird man ihren Verlußt und eintreten von Verrohung auch garnicht mehr bemerken. Oder es lustig finden. Wenn Leute, deren kulturelles Niveau es ihnen erlaubt maßvoll mit den Spielen umzugehen, das dann meinen da allgemeine Aussagen über Auswirkungen machen zu können, finde ich das denjenigen gegenüber, die das nicht können zynisch gegenüber.
Bei diesem Thema, wie auch bei anderen pädagogischen Fragen ist es besonders krass wie sehr eine Blindheit gegenüber den Folgen der extreme Konsum von Computerspielen hat. Die Suchtgefahr spricht doch schon für sich. Wenn man das akzeptiert, dann kann man vielleicht auch Wege finden, einen freiwilligen maßvollen Umgang zu üben. Dann braucht man auch keine Verbote.

Kolossos
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.07.2009 - 02:09 Uhr
Kolossos

Ich sehe Online spielen als eine art hobby an, ich tue es, immer wieder, weil es mir spaß macht, aber leider wird dieses hobby seltsamerweise gar nicht von der gesellschaft akzeptiert, man gilt sofort als süchtig, asozial, aggresiv, etc. ich möchte aber auch ganz klar sagen, das ich von einem pc spiel KEIN amokläufer werde, schaut euch das soziale umfeld der Amokläufer an! Oder hat euch Gott keine 2 Augen gewährt, lasst euch nicht von medien blenden! vlt benutzen amokläufer auch gerade diese spiele um für einige Augenblicke aus ihrem sozialen umfeld zu verschwinden.

riesenherz
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Mag ich Mag ich nicht

2

15.07.2009 - 08:28 Uhr
riesenherz

Vermutlich sind die vermittelten Subtexte, die wir über unsere Freizeitbeschäftigungen - und selbstredend über unser berufliches Tun mit "eingeschrieben" bekommen, eher entscheidend, wie wir uns verhalten. Die plakativ geführte Auseinandersetzung zwischen "Herabsetzung der Tötungshemmung" und "Freiheitseinschränkung" führt da m.E. am Eigentlichen vorbei.
Gibt es einen kultursoziologischen Zusammenhang zwischen der Vorliebe für bestimmte Computerspiele, bestimmter Musik und der abgrenzenden Kleidung/dem Aussehen? Logo, aber meist reagieren Menschen darauf mit Schubladendenken, anstatt zu fragen, was sich an Weltbildern und -aussagen da äußert.
Ich sehe da sehr oft die wesentliche Abgrenzung zwischen gesellschaftlich affirmativen Haltungen und den daraus sich ergebenden Erwartungen an den einzelnen Menschen auf der einen Seite, und der Ablehnung und Verweigerung von als verlogen und menschenverachtendengesellschaftlichen Rollenerwartungen andererseits. Bloß daß diese lost generation eben keine Blumen in Gewehrläufe steckt, sondern ihre Verweigerungshaltung mit anderen Formen ausdrückt.
Ich habe jedenfalls weniger Angst davor, von den Teilnehmern eines reallife-Treffens einer wow-Gilde zusammengeschlagen zu werden, als von der (gesellschaftlich und wirtschaftlich marginalisierten) Anhängerschaft eines Fußballvereins. Und jene Hooligans werden mitunter auch die PC-"Baller- und Killer"-Spiele mögen, sie aber sicher nicht in der Form beherrschen.

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Mag ich Mag ich nicht

1

15.07.2009 - 08:31 Uhr
riesenherz

Und so verhindert die schlicht geführte Diskussion um ein Verbot von PC-Spielen eher die Erforschung und Reflexion von Fragen wie bspw. jener, ob das "gesellschaftliche" Distinktionsmodell eines Spieles wie WoW nicht als sozial erworbene (!) Attitüde einer elitären und durchaus konservativen Gesinnung in Weltbilder und normative Haltungen einfließt, die wir schon längst überwunden zu haben glaubten.

Ikarus_ncsp
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.07.2009 - 09:33 Uhr
Ikarus_ncsp

@ MorbusBahlsen

Du musst das ein bißchen anders sehen. Die Frage ist eigentlich, hätte es mehr Amokläufe gegeben, wenn das Waffenrecht nicht so streng wäre wie es heute ist ? Denn genau da liegt der Kern dieser Problematik - keine Waffe, kein Amoklauf -
Und wenn es ein Gesellschaftverstörter dennoch durchzieht, ist dessen "Effizienz" mit einem Messer bei weitem nicht so hoch.

Kommentarschreiber3
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-4

15.07.2009 - 09:47 Uhr
Kommentarschreiber3

Der Polizeibericht vom Amoklauf in Erfurt liest sich schon sehr stark wie ein Walkthrough durch ein Computerspiel:

der Amokläufer ist erst mal durch die Szene durchgehetzt, und hat alles totgemacht, noch bevor sich irgendwelche Gegenwehr regen konnte. Dann stand er ganz oben, und wußte nicht, wie's weitergeht. Als nächstes kam dieser Lehrer und hat mit ihm geredet. Im Spiel hätte er ihm jetzt gesagt, wie's weitergeht und was er als nächstes tun muss. Aber der Lehrer hat ihn ja eingesperrt, und im echten Leben kann man ja zum Glück verschlossene Türen doch nicht so einfach aufschiessen. Anschliessen saß er alleine in dem Raum und war praktisch am Ende. Im Computerspiel würde er dann einen alten Spielstand neu laden und es nochmal versuchen...

Also ich glaube schon, dass Computerspiele da was ausmachen. Es kommen wahrscheinlich 90% der Leute, oder 99% der Leute damit klar. Vielleicht kommt Herr Peter Schleußer auch damit klar, obwohl er für meinen Geschack in seinem Aussehen schon etwas Gewaltpotential ausstrahlt. Aber es reicht ja schon, wenn 10% oder 1% der Leute nicht damit klar kommen. Es reicht ja schon eine sehr kleine Zahl von Amokläufern, damit es für die anderen Leute extrem unangenehm und lebensgefährlich wird.

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