10.07.2009 - 18:30 Uhr

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Mädchen, dürfen wir eigentlich eure Kleidung kritisieren?

Text: christian-helten

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.

Die Jungsfrage zum Anhören wird präsentiert von Süddeutsche Zeitung Audio - dort gibt es auch weitere Fragen zum Anhören! Die Mädchenantwort Erstmal: Was habt ihr Jungs eigentlich alle gegen gepunktete Blusen? Gut, um auf deine Frage einzugehen: Wir Mädchen legen, glaube ich, nicht überaus viel Wert darauf, wie viel Zeit und Mühe ihr in eure Garderobe investiert. Wir freuen uns darüber, wenn ihr gut von schlecht geschnittenen Hemden unterscheiden könnt und keine Boxershorts mit Flammenmuster unter der Jeans zum Vorschein kommen. Irgendwo da draußen geistern ja angeblich Jungen des Typs „Der neue Mann“ massenweise umher, deren Kleiderschränke üppiger bestückt sein sollen als unsere, aber so viele sind uns davon noch nicht untergekommen. Und unter uns gesagt, mit dem Minderwertigkeitskomplex, neben einem besser gekleideten Typ auf der Straße zu laufen, müssten die meisten von uns auch erst noch umzugehen lernen. Ansonsten hat sich die Mehrheit doch auf ein gemütliches Arrangement geeinigt. Ihr lasst euch beim Shoppen dankbar von uns beraten, und wenn wir aus der Umkleide kommen, kommentiert ihr die Wie-seh-ich-aus-Frage im Gegenzug mit den Standardurteilen „Ja, schaut doch gut aus“ oder „Das andere gefiel mir irgendwie besser.“ Jede dieser beiden Antworten ist ein diffuses „Keine-Ahnung“-Statement, das aus der Unkenntnis, die ihm innewohnt, keinen Hehl macht. Das geht vollkommen in Ordnung, denn entscheiden wir uns für das Kleid, das ihr uns empfehlt, seid ihr sowieso zufrieden. Und nehmen wir doch die unförmige MC-Hammer-Hose mit dem ausgebeulten Schritt, können wir uns guten Gewissens einreden, dass ihr dieses topstylische Ding einfach nicht kapiert. Du hast also Recht darin, dass es keine einfache Angelegenheit ist, unsere Kleiderwahl zu bemäkeln. Auf zaghafte Suggestion gehen wir nicht ein, weil wir sie schlichtweg nicht für voll nehmen. Da wir meistens erwarten, dass ihr uns ohnehin in jedem Gewand wundervoll und bezaubernd findet, solltet ihr, wenn ihr das Bedürfnis habt, uns eure aufrichtige Meinung mitzuteilen, ruhig mal euren ganzen Mut zusammen nehmen. Solange sie gut begründet ist, können auch wir gelegentlich offene Kritik gut vertragen. Probiert es mal mit Sätzen wie diesen: „Dunkelgrün passt nicht zu deiner Haarfarbe.“ „Der Schnitt ist nicht sehr vorteilhaft für deinen Körperbau.“ Oder eben: „Tut mir leid, aber die Punktebluse lässt dich aussehen wie ein Mauerblümchen.“ Das wäre nicht unbedingt subtil und wahrscheinlich klappen wir wie ein Fisch verdattert den Mund auf und zu und schweigen die folgende halbe Stunde. Wir würden eventuell sogar so reagieren, als hättet ihr gesagt, dass wir schlecht im Bett sind, also todbeleidigt. Insgeheim würden wir uns das Gesagte aber doch ein zweites Mal durch den Kopf gehen lassen. Und uns vielleicht sogar darüber freuen, dass ihr uns zur Abwechslung einen konstruktiven Moderatschlag gebt. Denn schließlich heißt es doch: Wer schön sein will, muss leiden. Xifan Yang
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christian-helten

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