Friedemann Karig erzählt von minimalem Techno, maximaler Disco und noch mehr geilem BummBumm.
Umek - Heat Mode
Gleich zu Beginn reiche ich einen Aperitif von Slowene Umek, der in regelmäßigen Intervallen modernen Techno vom allerfeinsten produziert. „Heat Mode“ ist in bestem Sinn hart, kompromisslos und schnell. Seine Myspace-Seite sollte man also grundsätzlich im Blick haben.
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Nathan Fake - Hard Islands
Nathan Fake ist ein für die musikalische Sozialisation des Autors nicht unwichtiger Name. Sein Monstertrack „And the sky was pink“ ist ein moderner Klassiker und verantwortlich für einige Sternstunden unter Gänsehaut, der Rest des Werkes bis heute fällt kaum dagegen ab.
„Hard Islands“ ist ein Mini-Album mit sechs Tracks, denen eine sehr dichte Produktion zu Eigen ist, ganz wie man es von Fake gewöhnt ist. Ansonsten jedoch macht es Nathan uns nicht ganz so einfach: Die sechs Songs brauchen ihre Zeit, bis man immer mehr Nuancen heraushört, die Spaß machen. „The Turtle“ ist vielleicht am zugänglichsten, lässt durchblicken, warum man sich auf diese Mini-LP so gefreut hat, verblüfft jedoch immer wieder durch unkonventionelle Rhythmus-Sprünge. „Castle Rising“ treibt beim vierten Hören deutlich mehr als andere Songs beim ersten, was Hoffnung macht.
Insgesamt ein schöner Release, der den Verdacht aufkommen lässt, dass hier ein großer Künstler im Umbruch begriffen ist. Es braucht also, wie so oft, vielleicht nur ein wenig Geduld.
The Turtle (mit süßen Fotos von Wuschelkopf NF):
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Collison Course - The Best Of Luscious Sounds
Eher so aus der funkigen Etage kommt dieser Sampler von Azzido da Bass, dessen Megahit „Dooms Night“ jedem zweiten Menschen auf diesem Planeten bekannt vorkommen müsste. Für diesen Release hat selbiger das Beste seines Labels „Luscious Sounds“ zusammengepuzzelt, und dabei mit Malente, Play Paul und Booka Shade einige (vornehmlich deutsche) Prominenz auffahren können.
Mit verspielten, oft etwas überproduzierten, aber immer schwingenden Tracks kriegt man mich gerne, wenn ich solche Mucke auch schnell etwas anstrengend finde. Highlights sind ganz klar die Nummern des Chefs persönlich, wie zum Beispiel die Kollaboration mit Digitalism bei „Stroblightz“. Oder eben die Zusammenarbeit mit Booka Shade, die am subtilsten von allen Tracks zu gefallen weiß:
Dazu gleich noch Malente mit seinem neuen Track „Music Forever“, einer recht spritzigen Geschichte:
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Kiki - Kaiku
Zu einem meiner absoluten Lieblingslabels hat sich das hier frequent vertretene BPitch Control (Stichwort: Berlin, Ellen Allien, Moderat, Paul Kalkbrenner ) gemausert. Wieso denn bloß?
Ganz einfach: Weil selbst beste Veröffentlichungen in diesem Kontext gar nichts mehr besonderes mehr sind. Und das meine ich, man kann es erraten, dezidiert positiv. Kiki ist so ein typisches, alltäglich-außergewöhnliches Beispiel inklusive aller BPC-Assets, die da wären: Lupenreine, tiefe Produktion mit klanglichem Mehrwert, da viele Sounds noch wochenlang durch den Kopf schwirren. Wunderschöne Songideen, die typisch technoide Tracklängen um die sechs, sieben Minuten füllen als wäre dieser Zeitabschnitt eine evolutionäre Determinante. Rhythmen und Klicks und Klacks und alles, was bewegt. Wie diese eingestreuten Vocals jenseits von Eden, wie diese lustvolle Repetition aufmerksamkeitsstarker Einfälle.
Konkreter?
„Immortal“ feat. Pirica könnte Steine erweichen, „Living on FFWD“ ist ruckzuck zu einer meiner Hymnen geworden, „Autumn leaves“ verdient einen Preis für die subtilste Anmache zum Tanzen ever. Doch genug der Schwärmerei. Es ist ja gar nichts besonderes. Es ist vielleicht nur wieder mal das beste Album diesen Monat.
„Mogadishu“: Interview mit dem Kiki:
P.S. BPitch Control feiert am 8.8. in Berghain und Panorama Bar Geburtstag mit allen Helden. Und Kiki.
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Fever Ray - Triangle Walks
Eine Schwedin macht elektronisch verspulten Mela-Pop - kann passieren. Es ist ihr drittes Album, und ich kenne sie nur indirekt von "The Knife", worauf man mich hinweisen musste - das ist soweit noch kein Scoop. „Elektroakustik“ nennt sie ihre Musik oxymoronisch - auch das zieht keinen Hipster unter dem Sonnenschirm hervor. Und jetzt hört und schaut einfach mal:
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The Crystal Method - Divided by the night
Fast durch die Lappen gegangen wäre mir das neue Album einer der ganz großen Electronica-Bands der 90er: The Crystal Method. Und irgendwie ist das ja auch immer kritisch, wenn schon etwas älter gewordene Männer noch richtig duften Sound machen wollen. Egal ob das „die Stones“ oder The Prodigy sind.
Demenstprechend oszilliert auch der Opener „Divided by the night“ zwischen knackigem Beat und etwas überkommener Vocoder-Stimme, schönen Klängen und albernen Fiepsern. Der Songtitel „Dirty thirty“ dürfte eine selbstironische Untertreibung der Altersklasse sein, in der sich Ken Jordan und Scott Kirkland inzwischen befinden, 16 Jahre nach der Gründung des erfolgreichsten amerikanischen Elektronik-Projektes. So sehen sie und ihr Artwork auch aus (siehe oben bzw. unten). Schon immer aber verstanden die zwei Amerikaner es, diverse Stile authentisch (z.B. Ragga/Dub in „Drown in the Now“) mit ihrem eigenen Sound zu vermischen. Also klingt die Platte insgesamt absolut okay und integriert Peter Hook, den Bassisten von New Order genauso gekonnt in sich wie die anderen 673 Gäste. Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass hier mit der jungen Masse an Fans geliebäugelt wird, die man für eine weitere Dekade Karriere und satte DJ-Buchungen braucht. Der Track zusammen mit Justin Warfield ist daneben, der mit den Freaks von LMFAO bleibt ein netter Versuch, „Come back clean“ mit stimmlicher Unterstützung von Emily Haines dagegen klingt gleich doppelt so inspiriert.
Licht und Schatten also.
Ein Interview zu den einzelnen Songs mit ein wenig Musik:
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Bloc Party - Intimacy Remixed
Ein Experiment: Ein Remix-Album hören, dessen Originale mir nicht mehr wirklich im Ohr sind. Und nicht cheaten und nachhören. Im vorliegenden Falle ist das machbar, da Kele Okerekes Stimme so unvergesslich ist wie sein Name, und selbst schärfste Verfremdung ihr nicht den Boden unter den Füßen entziehen kann.
Wie aber dann remixen?
Hervé macht es konsequent und haut kraftvoll auf die Electro-House-Glocke, wie man es nicht anders von ihm gewöhnt ist. Und zack, „Mercury“ wird ein anderer Song, ohne seine Seele auf dem Weg zu verlieren. Ähnliches geschieht bei Filthy Dukes Version von „One month off“. So macht das Sinn.
„Trojan House“ hingegen wartet mit hyperaktivem, aber gutem Drum´n´Bass-Beat (John B) auf und übersetzt genug vom Original bei grundsätzlicher Totalüberholung, so dass man auch hier von einem guten Remix sprechen kann. „Your visits are getting shorter“ funktioniert auch, andere Beispiele wie „Better than Heaven“ nicht, weil zu viel Produktion, zu wenig Idee. Armand van Helden verhunzt „Signs“ total, Mogwai macht „Biko“ auf keinen Fall besser.
Insgesamt gelungen, wenn auch für meine Ohren oft zu hektisch, klingt „Intimacy Remixed eigentlich logisch. Denn dasselbe habe ich vom Original erzählt. Experiment gelungen, Patient lebt weiter.
Super Video von „Ares“ im Villains Remix, hauptsächlich Fan-induzierte Handy-Aufnahmen diverser Konzerten:Auf der nächsten Seite: Gehört Moby noch in die Elektro-Nische?