It's Funkyzeit! Muss man Brüno sehen?
Text: jetzt-redaktion - Bild: ap, afp
Nach monatelanger Werbung kommt "Brüno" heute endlich in die Kinos. Der Film wird das Kinoereignis 2009, finden die einen. Die anderen sagen: Man kennt schon alle Witze.
Deshalb klärt der jetzt.de "Fall für Zwei" die Frage: Muss man Brüno sehen?
Dagegen: christina-waechter wird nicht in "Brüno" gehen
Ich hätte mir „Brüno“ angeschaut, wirklich, das hatte ich vor. Bis vor ungefähr vier Wochen, als ich die gefühlte zwanzigste virale Marketingaktion der Verleihfirma in irgendeinem der aberdutzend Blogs rund um die Popkultur zu sehen bekam. In genau dem Augenblick war ich satt. Ach was satt. Ich hatte ein solches Völlegefühl, dass mir seitdem jede Begegnung mit dem schwulen Modereporter Übelkeit bereitet.
Jedes Kind weiß seit gut einem Jahr, dass „Brüno“ ins Kino kommt. Seit spätestens sechs Monaten kennen wir die Handlung in groben Umrissen und dank der dutzendfach erhältlichen Trailer, Ausschnitte, Fotos und Beschreibungen haben wir alle schon mal über die witzigsten Szenen des Films gelacht. Ich gehe mal davon aus, dass vor einigen Jahren so ein aggressives Marketing vielleicht noch Sinn gemacht hat. Doch spätestens seit das Internet wirklich überall angekommen ist (und das ist es nun auch schon seit einigen Jahren), sollte eigentlich jedem Werbestrategen klar sein, dass virales Marketing sich nicht dadurch auszeichnet, dass man das Internet mit Fotos, Videos und Ausschnitten vollmüllt.
Das Problem bei dieser allgegenwärtigen Bewerbung ist ja auch: Man kann nun mal nur ungefähr zwei Mal darüber lachen, wenn Sasha Baron Cohen seinem Baby den Namen „O.J“ gibt. Ab dann wird es ein bisschen fade. Vor allem Witze der Marke „besonders provokant“ nutzen sich ziemlich schnell ab. Die Aussicht, diese Szene noch einmal im Kino vorgesetzt zu bekommen – noch dazu als Highlight – ist da nicht besonders verlockend.
Und deshalb verstehe ich die „Brüno“-Werbestrategie kein bisschen. Meinen die denn, man müsste auch noch in Zeiten des Internets jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten einzeln erreichen? Muss Cohen in rosa Fleischanzug vor dem Brandenburger Tor stehen, wo er doch schon einen Tag vorher in Spanien als Stier verkleidet vor den Pressefotografen herumstolziert ist – und die ganze Welt hat es gesehen?
Egal, wie gut „Brüno“ auch sein mag, ich werde mir den Film nicht anschauen. Immerhin habe ich über die besten Szenen schon gelacht, mehr wird mich im Kino auch nicht erwarten. Und weil ich dank der aggressiven Werbemaschinerie so bis obenhin angefüllt bin mit „Brüno“, habe ich eh das Gefühl, den Film schon gesehen zu haben – und mir ein paar Euro gespart.
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