30.07.2009 - 18:30 Uhr

0 29 Über Twitter weiterempfehlen

Real-Life-Spam lässt sich nicht wegklicken

Text: jana-heinicke - www.photocase.de/m.mart

Wer sich über Twitter und Statuszeilen aufregt, hat etwas am Internet nicht kapiert, findet Jana Heinicke.

Vor kurzem habe ich die Kolumne einer deutschen Tageszeitung gelesen. Der Verfasser, ein Angehöriger der Generation 50 plus, beklagte sich über die Sinnfreiheit der Internetkommunikation. Dieses ganze Bloggen und Chatten sei nicht nur eine grobe Umweltverschmutzung sondern vor allem: schlimmer noch als das nervige TV-Programm privater Sender. Zwei Dinge sind mir dazu durch den Kopf gegangen. Zum einen die Frage, was es für Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft hätte, würde man die gesamte Kommunikation vía Internet über den Briefverkehr abwickeln. Die Antwort liegt auf der Hand. Zum anderen teile ich die Meinung des älteren Herrn bezüglich der Erträglichkeit diverser TV-Programme. Aus diesem Grund besitze ich keinen Fernseher.
Dass sich die Generation 50 plus im Klaren über ihre Bedürfnisse ist, freut mich wirklich, schließlich bildet sie auch die Mehrheit der deutschen Staatsbürger –wenn man der Alterspyramide trauen möchte. Und das Internet, mit all seinen Features, wird von dieser Generation zum Älterwerden nicht benötigt. Denn worauf es ankäme, wäre immer noch das „echte Leben“. Aber da gibt es auch noch die ebenfalls in Deutschland lebende Minderheit U30-Jähriger und wir haben zum Teil andere Bedürfnisse. Gerne als „Generation Praktikum“ bezeichnet, wurde uns früh anerzogen, flexibel zu sein, mindestens zwei Fremdsprachen fließend zu beherrschen, einen Haufen globalen Know-how und natürlich jede Menge Lebenserfahrung zu sammeln. Aber die liegt nicht auf den Straßen unserer Heimatstadt. Heißt im Klartext, wir wechseln häufiger den Wohnort als manche unserer älteren Mitbürger ihre Winterreifen. Hier ein unbezahltes Praktikum in Köln, da eine Sprachreise nach Spanien, dort eine Weiterbildung in den USA. Das ist eine ganze Menge Real-Life, gerade wenn man nicht weiß, wie man sich diesen Lebenserfahrungsbonus finanzieren soll. Ohne das Internet wäre unsere Flexibilität gar nicht möglich. Das fängt bei einfachen Kommunikationsprogrammen wie Skype oder dem Mail-Account an. Ein Telefongespräch von Panama nach Deutschland ist nahezu unbezahlbar, Skypen ist hingegen kostenlos. Dann gibt es da noch diese praktischen Blogs. Ich habe positive Erfahrungen gemacht mit solchen Programmen, denn sie ermöglichen einem, egal, von welchem Ort der Welt, Familie und Freunde am eigenen Leben Teil haben zu lassen. Und wahrscheinlich haben wir - die so genannte Jugend von heute - in den letzten Jahren mehr soziale Kontakte in Übersee geknüpft, als unsere Eltern und Großeltern in ihrem ganzen Leben. Und solche Kontakte sollten gepflegt werden – nicht nur, weil wir heute nicht mehr so genau wissen, ob wir nicht schon morgen im Flieger Richtung Hongkong sitzen könnten und vor Ort dringend einen Schlafplatz bräuchten, sondern auch der Freundschaft wegen. In diesem Zusammenhang halte ich die bekannten Social Networks für gar nicht mal so unpraktisch. Klar geht es da auch um Selbstdarstellung, aber die ist kein Generations-, sondern ein Gesellschaftsproblem. Natürlich gibt es eine Menge Unsinn im Internet, aber den gibt es auch in der realen Welt. Der Unterschied zwischen digitalem Spam und dem im echten Leben ist leicht erklärt: der im Internet lässt sich einfach wegklicken. Real-Life-Spam hingegen nicht. Man stelle sich einmal vor, in einer überfüllten S-Bahn zu sitzen und das Gespräch zweier Teenie-Girls über lila Lidschatten mit anhören zu müssen, oder das zweier Damen um die 70, die über Inkontinenz oder die Dritten klagen. Da hilft dann nur noch: Ohren zu halten und leise vor sich hin summen: „Always look on the bright side of life“. Mehr zum Thema auf jetzt.de: >>> Die digitale Kluft: Die Jungen verlagern ihr Leben ins Web, Eltern und Lehrer verlieren an Einfluss: Wie das Internet die Gesellschaft spaltet >>> Das Facebook-Paradox: Freunde ohne Freunde - und nie allein sein


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uther_the_puter
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Mag ich Mag ich nicht

-1

31.07.2009 - 18:47 Uhr
uther_the_puter

Hätte nicht gedacht, dass so ein Thema derartig emotionale Reaktionen hervorruft....weiter so! :D

Aporia
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.07.2009 - 19:07 Uhr
Aporia

Danke für den Link, Jana! Das, was ich da bei der taz lese, klingt eher nach einer verunglückten Glosse denn nach einer ernstgemeinten Kolumne. So oder so, verunglückt... :-)

silanea
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.07.2009 - 21:14 Uhr
silanea

Auch von mir herzlichen Dank. Da klärt sich einiges auf. Die Glosse ist sogar ganz gut gelungen, wenn man die Kommentare dort liest.

Als Aufhänger für einen Kommentar zum vermeintlichen Generationenkonflikt im Internet taugt sie jedenfalls nicht, zumindest nicht in der hier zu sehenden Form.

CommodoreSchmidtlepp
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Mag ich Mag ich nicht

0

01.08.2009 - 11:33 Uhr
CommodoreSchmidtlepp

Das Problem an diesen Artikel ist immer, dass sich Menschen aufgrund ihres Alters zu Vertretern einer Generation oder Gruppe auserkoren fühlen, zu der sie eigentlich gar nichts zu sagen haben. Ganz nach dem Motto "Ich mach ja auch Twitter, Skype und Email, ich war ja im Deutsch LK und würd gern was mit Journalismus machen, da schreib ich mal ein paar Sätze von denen ich selbst sehr überzeugt bin, sie hören sich klug an."

Es ist ein unterschied ein Medium zu nutzen oder Allgemeingültige Aussagen über es treffen zu können.


Cheers!

Der Commodore

Humpty
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Mag ich Mag ich nicht

2

01.08.2009 - 18:56 Uhr
Humpty

Wenn die Kommunikation, die heute elektronisch abgewickelt wird, (wieder) per Post/Fax/Telefon abgewickelt würde, würden sich sicher manche überlegen, ob das, was sie sagen wollen, wirklich das Porto/die Telefongebühr wert ist. Außerdem würden sich zahlreiche Austausche viel stärker konzentrieren und nicht in ein stundenlanges Hin und Her ausarten. Auch fiele das überflüssige "Ins CC setzen" weg, so dass die Post nur noch den erreicht, den es angeht; damit entfällt auch die Verschieberei/das Streuen von Verantwortung. Ich möchte auf E-Mail und viele Blogs nicht verzichten, aber die Masse überflüssiger Schrott, die prodiziert wird, geht mir schon mächtig auf den Sa**.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

3

01.08.2009 - 20:31 Uhr
MorbusBahlsen

Damals, als man Briefe schicken konnte, musste man gar nicht mehr reisen, um jemand zu sehen. Das Porto war viel günstiger als die Reise, und man konnte auch zwei oder dreißig Brieflein schreiben und konnte so wunderbar hin und her erörtern. Und - hats uns, der Menschheit, geschadet?

Wenn wir nun alles konzentriert, ohne große Umschweife und präzise formulieren könnten, wenn das jeder könnte, dann wäre das doch für uns alle normal, oder? Und wir würden drüber meckern, dass nur so wenige es besser machen. Die Spirale endet da nämlich nicht... :)

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

3

01.08.2009 - 22:26 Uhr
Digital_Data

"Was wirklich zählt, ist das REALE Leben. Wir Älteren wissen das längst."

Was ist denn das reale Leben ? Ist Leben deshalb real, weill man eine Nachricht mit Tinte auf Papier schreibt oder ist es deshalb nicht real, weil Bits durch Netzwerke saußen ? Im Prinzip ist an einer Wirtshaus- oder Hausgangratscherei auch nicht mehr reales, als an einer Diskussion hier in den Kommentaren. Und im Endeffekt ist die Wirtshausratscherei mindestens genauso schnell aus dem Gedächtnis verschwunden, wie der Internet-Chat.

Also ein Null-Argument.

Digital_Data

Gargoyle
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Mag ich Mag ich nicht

1

02.08.2009 - 00:41 Uhr
Gargoyle

@Commodore: Das Problem an solchen Kommentaren ist immer, dass sie unverbindlich formuliert sind und sich an niemanden direkt wenden. Man mag sich angesprochen fühlen oder auch nicht. So hält man sich immer ein Hintertürchen offen, wenn es mal brenzlig wird. Auch werden in solchen Kommentaren selten echte Argumente gebracht, sondern nur subjektive Behauptungen in den Raum gestellt. Deshalb kann man da auch ganz schnell die Luft rauslassen, indem man mal konkret nachfragt und die Behauptung auf die Substanz abklopft. Meine Frage zum Beispiel: Nach welchen Kriterien legst du fest, welche Generation oder Gruppe etwas zum Internet/Twitter/Chats zu sagen hat? Dürfen sich an solchen Diskussionen nur Menschen unter 30 beteiligen? Müssen ältere Internet-User draußen bleiben, weil sie deiner Meinung nach sich dazu kein Urteil erlauben dürfen? Warum soll die eine User-Gruppe mehr zu dem Thema sagen können als die andere? Woran machst du das fest? Oder ist es vielleicht doch nur deine persönliche Sympathie und Antipathie? Ich bin gespannt auf deine konkreten sachlichen Argumente.

Und übrigens, falls du mich gemeint haben solltest: ich nutze weder Twitter noch Skype, aber E-Mail und ICQ, ich hatte nicht LK Deutsch, sondern Musik und Physik und ich mache tatsächlich beruflich seit ca. 20 Jahren "was in Medien".

Cheers

Gargoyle

dietah
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Mag ich Mag ich nicht

0

26.11.2009 - 09:55 Uhr
dietah

ok, ok, alles klar.
Icht dachte die Globalisierungs, Flexibilisierungs und huih Indanädd Sache wäre langsam ausgestanden.
Genau wie diese total authentischen "Ich-sitz-grad-im-Flieger-nach-Hongkong-und-schreibe-den-Artikel-mit-meinen-Fussnägeln" während ich mit meinen endlos mächtig vielen Freunden in Übersee twittere Artikel.

Keine Chance, was. Ich finden diese Reklametexte immer noch langweilig.

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