Real-Life-Spam lässt sich nicht wegklicken
Wer sich über Twitter und Statuszeilen aufregt, hat etwas am Internet nicht kapiert, findet Jana Heinicke.
Vor kurzem habe ich die Kolumne einer deutschen Tageszeitung gelesen. Der Verfasser, ein Angehöriger der Generation 50 plus, beklagte sich über die Sinnfreiheit der Internetkommunikation. Dieses ganze Bloggen und Chatten sei nicht nur eine grobe Umweltverschmutzung sondern vor allem: schlimmer noch als das nervige TV-Programm privater Sender.Zwei Dinge sind mir dazu durch den Kopf gegangen. Zum einen die Frage, was es für Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft hätte, würde man die gesamte Kommunikation vía Internet über den Briefverkehr abwickeln. Die Antwort liegt auf der Hand. Zum anderen teile ich die Meinung des älteren Herrn bezüglich der Erträglichkeit diverser TV-Programme. Aus diesem Grund besitze ich keinen Fernseher.

Dass sich die Generation 50 plus im Klaren über ihre Bedürfnisse ist, freut mich wirklich, schließlich bildet sie auch die Mehrheit der deutschen Staatsbürger –wenn man der Alterspyramide trauen möchte. Und das Internet, mit all seinen Features, wird von dieser Generation zum Älterwerden nicht benötigt. Denn worauf es ankäme, wäre immer noch das „echte Leben“. Aber da gibt es auch noch die ebenfalls in Deutschland lebende Minderheit U30-Jähriger und wir haben zum Teil andere Bedürfnisse. Gerne als „Generation Praktikum“ bezeichnet, wurde uns früh anerzogen, flexibel zu sein, mindestens zwei Fremdsprachen fließend zu beherrschen, einen Haufen globalen Know-how und natürlich jede Menge Lebenserfahrung zu sammeln. Aber die liegt nicht auf den Straßen unserer Heimatstadt. Heißt im Klartext, wir wechseln häufiger den Wohnort als manche unserer älteren Mitbürger ihre Winterreifen. Hier ein unbezahltes Praktikum in Köln, da eine Sprachreise nach Spanien, dort eine Weiterbildung in den USA. Das ist eine ganze Menge Real-Life, gerade wenn man nicht weiß, wie man sich diesen Lebenserfahrungsbonus finanzieren soll. Ohne das Internet wäre unsere Flexibilität gar nicht möglich. Das fängt bei einfachen Kommunikationsprogrammen wie Skype oder dem Mail-Account an. Ein Telefongespräch von Panama nach Deutschland ist nahezu unbezahlbar, Skypen ist hingegen kostenlos. Dann gibt es da noch diese praktischen Blogs. Ich habe positive Erfahrungen gemacht mit solchen Programmen, denn sie ermöglichen einem, egal, von welchem Ort der Welt, Familie und Freunde am eigenen Leben Teil haben zu lassen. Und wahrscheinlich haben wir - die so genannte Jugend von heute - in den letzten Jahren mehr soziale Kontakte in Übersee geknüpft, als unsere Eltern und Großeltern in ihrem ganzen Leben. Und solche Kontakte sollten gepflegt werden – nicht nur, weil wir heute nicht mehr so genau wissen, ob wir nicht schon morgen im Flieger Richtung Hongkong sitzen könnten und vor Ort dringend einen Schlafplatz bräuchten, sondern auch der Freundschaft wegen. In diesem Zusammenhang halte ich die bekannten Social Networks für gar nicht mal so unpraktisch. Klar geht es da auch um Selbstdarstellung, aber die ist kein Generations-, sondern ein Gesellschaftsproblem.
Natürlich gibt es eine Menge Unsinn im Internet, aber den gibt es auch in der realen Welt. Der Unterschied zwischen digitalem Spam und dem im echten Leben ist leicht erklärt: der im Internet lässt sich einfach wegklicken. Real-Life-Spam hingegen nicht. Man stelle sich einmal vor, in einer überfüllten S-Bahn zu sitzen und das Gespräch zweier Teenie-Girls über lila Lidschatten mit anhören zu müssen, oder das zweier Damen um die 70, die über Inkontinenz oder die Dritten klagen. Da hilft dann nur noch: Ohren zu halten und leise vor sich hin summen: „Always look on the bright side of life“.
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30.07.2009 - 19:18 Uhr
synthie_und_roma
fuck!
30.07.2009 - 19:21 Uhr
synthie_und_roma
30.07.2009 - 19:21 Uhr
synthie_und_roma
30.07.2009 - 19:22 Uhr
synthie_und_roma
30.07.2009 - 19:36 Uhr
synthie_und_roma
@Gargoyle Wer sagt denn, dass U50 spießig sei? Kann ich nicht ganz nachvollziehen. Hinsichtlich dieser "Einteilung" Generation 50, Generation U30 oder was auch immer, stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Das ist bescheuert. Aus meiner Sicht wird diese "Trennung" seitens der Medien, der Politik und vielen weiteren suggeriert. Hier werden Konflikte projiziert, die es so eigentlich gar nicht gibt. Und ich bin davon überzeugt, dass wir besser miteinander können als viele das glauben. Ihr Kommentar schlägt jedoch in exakt dieselbe Richtung. Darüber sollten Sie vielleicht mal nachdenken... Und wem dieses ganze Twitter und Blog-Zeugs auf die nerven geht, der muss es ja nicht lesen und kann stattdessen Fern schauen :)
1.) Wenn du in deinem Untertitel so polemisch Twitter und Statuszeilen aufgreifst, solltest du im folgenden Text dann auch irgendwann mal auf sie eingehen.
2.) "Der Verfasser, ein Angehöriger der Generation 50 plus, beklagte sich über die Sinnfreiheit der Internetkommunikation. Dieses ganze Bloggen und Chatten [...]
Zwei Dinge sind mir dazu durch den Kopf gegangen. Zum einen die Frage, was es für Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft hätte, würde man die gesamte Kommunikation vía Internet über den Briefverkehr abwickeln."
Entweder hast du den Beitrag des Herren falsch wiedergegeben, oder du legst ihm Worte in den Mund, die er nie gesagt hat. Blogs, Chats, Twitter usw. kann man durchaus kritisch oder ablehnend gegenüberstehen ohne das Internet im Ganzen zu verdammen.
3.) "Dann gibt es da noch diese praktischen Blogs. Ich habe positive Erfahrungen gemacht mit solchen Programmen, denn sie ermöglichen einem, egal, von welchem Ort der Welt, Familie und Freunde am eigenen Leben Teil haben zu lassen.", "In diesem Zusammenhang halte ich die bekannten Social Networks für gar nicht mal so unpraktisch." - "X ist für alle gut, weil ich X mag." Ganz groß. Ich habe mit Blogs (den ausgefüllten Onlinetagebüchern, nicht der Software) überwiegend äusserst negative Erfahrungen gemacht. Und StudiVZ und Lokalisten, Skype und ICQ nutze ich ausschließlich, um mit Leuten, mit denen ich im realen Leben zu tun habe, komfortabel Kontakt zu halten. Und Twitter halte ich für mich persönlich für nutzlos. Darf ich nun nicht mehr mitspielen in der großen bunten Webwelt? Ich bin 23, bin ich etwa vorzeitig geistig gealtert?
4.) Wer im Internet Dinge am Alter festmacht, hat etwas am Internet nicht kapiert, um deine ganz schön arrogante Behauptung aufzugreifen. Darf ich fragen, seit wann du "online" bist? Ich komme inzwischen auf knapp 12 Jahre. BBS habe ich nicht mehr miterlebt, wohl aber die Zeit vor Wikis, Facebook und Twitter. Und es ist beileibe nicht alles besser geworden seitdem.
Mal abgesehen davon: Solange Jetzt.de keine OpenID unterstützt, würde ich die Füße mal ganz stillhalten. Die wahren Fortschritte im Web spielen sich nicht unbedingt immer da ab, wo sich die Selbstdarsteller in Scharen sammeln.
Digital_Data
1.)
die einleitenden worte "Wer sich über Twitter und Statuszeilen aufregt, hat etwas am Internet nicht kapiert, findet Jana Heinicke." wurden von der redaktion hinzugefügt - ohne rücksprache mit der verfasserin - und es ist richtig, sie stehen in absolut gar keiner relation zum text, und Jana Heinicke kann diese Meinung nicht teilen - Twitter hat sie z.B. noch nie benutzt. Traurig, dass solche Missverständnisse durch mangelnde Nachfrage/Kommunikation entstehen und sogar veröffentlicht werden.
2.) die bezeichnung der generation 50plus und u30 ist der kolumne einer sehr renomierten tageszeitung entlehnt, wo der leser mit einer klischee-wucht bombadiert wird, dass einem schlecht wird - nur eben aus den augen eines herren um die mitte 50, der generell alles, was digital ist, ablehnt. Die Begriffe sind also in dieser leichten ironie zu sehen.
es geht hier um die möglichkeit der kommunikation, die zeitgemäß ist und nicht um das versacken vor sinnentleerten computerspielen. twittern und statuszeilen finde ich auch bescheuert - diese untertitelung trifft auch nicht den kern des textes, aber ich muss sagen: ohne skype und meinen mail-account wäre ich ganz schön aufgeschmissen! und da der verfasser dieser kolumne der wie schon gesagt sehr bekannten tageszeitung, allgemeingültig für eine ganze generation sprach, und witziger weise auf der webseite der zeitung von gleichaltrigen für seinen klugen artikel gelobt wurde, weil das internet wirklich nur schrecklich sei, bin ich durchaus der meinung, dass es da klare unterschiede im internetverhalten zwischen den generationen gibt.
Wieso sagt die Verfasserin nicht einfach den Namen der renommierten Zeitung?
Mit 2.) sind wir aber wieder beim Thema Journalismus und Quellen. Die Diskussion gab es erst beim Kommentar zum Bundeswehrgelöbnis auf dem Marienplatz. Sei doch bitte so gut, den Kolumnisten und die Zeitung, auf die hier Bezug genommen wird, zu nennen. Als Leser möchte man sich doch ganz gerne sein eigenes Urteil bilden, insbesondere bei Beiträgen, die nicht bloße sachliche Berichterstattung, sondern Meinungsäusserungen sind. Schon der Hinweis auf den möglicherweise ironischen Anspruch der Kolumne verschiebt die Maßstäbe nicht unwesentlich.
"Was wirklich zählt, ist das REALE Leben. Wir Älteren wissen das längst. Stellen wir uns doch einmal vor, die ganze Chat- und Bloggerei würde umgehend abgeschafft. Die Welt würde NICHTS vermissen. Milliarden von Kilowattstunden Strom könnten eingespart werden. Neue Kohlekraftwerke müssten nicht mehr gebaut und alte Atommeiler könnten sofort abgeschaltet werden"
Als Aufhänger für einen Kommentar zum vermeintlichen Generationenkonflikt im Internet taugt sie jedenfalls nicht, zumindest nicht in der hier zu sehenden Form.
Es ist ein unterschied ein Medium zu nutzen oder Allgemeingültige Aussagen über es treffen zu können.
Cheers!
Der Commodore
Wenn wir nun alles konzentriert, ohne große Umschweife und präzise formulieren könnten, wenn das jeder könnte, dann wäre das doch für uns alle normal, oder? Und wir würden drüber meckern, dass nur so wenige es besser machen. Die Spirale endet da nämlich nicht... :)
Was ist denn das reale Leben ? Ist Leben deshalb real, weill man eine Nachricht mit Tinte auf Papier schreibt oder ist es deshalb nicht real, weil Bits durch Netzwerke saußen ? Im Prinzip ist an einer Wirtshaus- oder Hausgangratscherei auch nicht mehr reales, als an einer Diskussion hier in den Kommentaren. Und im Endeffekt ist die Wirtshausratscherei mindestens genauso schnell aus dem Gedächtnis verschwunden, wie der Internet-Chat.
Also ein Null-Argument.
Digital_Data
Und übrigens, falls du mich gemeint haben solltest: ich nutze weder Twitter noch Skype, aber E-Mail und ICQ, ich hatte nicht LK Deutsch, sondern Musik und Physik und ich mache tatsächlich beruflich seit ca. 20 Jahren "was in Medien".
Cheers
Gargoyle
Icht dachte die Globalisierungs, Flexibilisierungs und huih Indanädd Sache wäre langsam ausgestanden.
Genau wie diese total authentischen "Ich-sitz-grad-im-Flieger-nach-Hongkong-und-schreibe-den-Artikel-mit-meinen-Fussnägeln" während ich mit meinen endlos mächtig vielen Freunden in Übersee twittere Artikel.
Keine Chance, was. Ich finden diese Reklametexte immer noch langweilig.








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30.07.2009 - 19:03 Uhr
MorbusBahlsen
Der Text trieft ja nur so vor Allgemeinplätzen... wieviele Leute im Bekanntenkreis machen denn wirklich einen auf zweisprachiger Praktikumsnomade? Außerdem, wie toll ist es denn, sich über die Themen "der anderen" aufzuregen, aber für die eigenen Verständnis einfordern zu wollen?