08.07.2009 - 18:30 Uhr

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„Die einzige Weltstadt, die nicht die Welt kostet.“

Text: sarah-stricker

Berlin hofft, als Gewinner aus der Wirtschaftskrise hervorzugehen. Eine neue Kampagne wirbt um Touristen aus Deutschland, am liebsten jung, arm und partyfreudig.

Eins muss man Berlin lassen: Mit Armut kennt es sich aus. Nicht mal die Hälfte der Bevölkerung lebt von der eignen Arbeit, die anderen haben Hartz IV, Rente oder Eltern. Man sollte meinen, die Hauptstadt würde sich wenigstens Besucher wünschen, die ein bisschen mehr Geld mitbringen. Stattdessen wirbt die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) jetzt gezielt um Besucher mit knappem Reisebudget. Unter dem Motto „Von Berlin hat man mehr“ will die Kampagne vor allem jene ansprechen, die sich in Zeiten der Wirtschaftskrise keinen Urlaub im Ausland, wohl aber einen innerdeutschen Städtetrip leisten können. „Wir machen nicht auf billig“, sagt Christian Tänzler, Pressesprecher der BTM. „Berlin wird nicht verramscht. Aber es geht darum, dass man hier Qualität zu einem sehr guten Preis bekommt.“ Oder wie Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) es nennt: „Der Slogan ist nicht Geiz ist geil, sondern Bei uns kriegen Sie für die gleiche Menge Geld mehr geboten.“
Entwickelt hat die Kampagne die Werbeagentur Matt/Spree, wobei sie sich vor allem auf junge Besucher konzentriert hat. Über einem Bild mit Männer- und Frauenbeinen vor Barhockern heißt es etwa: „So günstige Hotelzimmer. Und trotzdem geht keiner schlafen.“ Ein anderes Plakat zeigt eine Disko, darüber in Großbuchstaben: „Berlin hat viel durchgemacht. Jedes Wochenende.“ Schon jetzt sind Berlinbesucher überdurchschnittlich jung. „Die Hälfte unserer Gäste sind unter 40 Jahren alt, 33 Prozent unter 30“, sagt Tänzler. Trotzdem wolle man die Attraktivität, die Berlin auf Partygänger hat, weiter ausbauen. Aber läuft man mit Werbung fürs Durchmachen nicht Gefahr, andere, kaufstärkere Besucher zu verprellen? „Ganz bestimmt. Wenn man sich für etwas Provokatives entscheidet, gibt es immer auch Leute, denen das nicht gefällt“, so Tänzler, „aber jeder, der mit einem Schulausflug nach Berlin kommt, hat im Schnitt 80 Euro in der Tasche. Und lässt die auch hier.“ Außerdem seien einige der Plakate auch altersübergreifend, wie etwa das Bild eines Taxis mit dem Spruch: „Die freundlichsten Preise hat Berlin. Am Rest arbeiten wir noch.“ „Die Kampagne ist ganz deutlich mit einem Augenzwinkern gemacht“, sagt Tänzler. „Nicht mal die Taxifahrerinnung hat sich bisher beschwert.“ 700.000 Euro lässt die BTM sich die Plakate und Anzeigen, die in den nächsten Tagen im deutschsprachigen Raum – „überall da, wo der Wortwitz verstanden wird“ – zu sehen sind, kosten. Umso größer sind die Erwartungen. „Dieses Frühjahr waren wir neben Hamburg die einzige deutsche Großstadt, die bei den Übernachtungen zulegen konnte. Wir haben ein Plus von 1,2 Prozent“, sagt Tänzler. „Außerdem feiern wir dieses Jahr 20 Jahre Mauerfall. Im Sommer die Leichtathletik WM. Wir sind verhalten optimistisch, aber die Hoffnung, als Gewinner aus der Krise zu gehen, ist da.“


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taylorthelatteboy
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Mag ich Mag ich nicht

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08.07.2009 - 20:42 Uhr
taylorthelatteboy

Is heut Berlin-Tag oder was?

alcofribas
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2

08.07.2009 - 20:47 Uhr
alcofribas

"...die anderen haben Hartz VI..."

huch. prophetische gabe? :)

fatman
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08.07.2009 - 21:08 Uhr
fatman

alcofribas sagte:
"...die anderen haben Hartz VI..."

huch. prophetische gabe? :)


Offenbar war der Wunsch der Vater des Gedanken. Hartz IV ist ja auch eindeutig noch zuviel....

tamuna
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09.07.2009 - 08:43 Uhr
tamuna

"....Anzeigen, die in den nächsten Tagen im deutschsprachigen Raum – „überall da, wo der Wortwitz verstanden wird“ – zu sehen sind,"
Mich würde mal interessieren, wem sie das nicht zutrauen...

marphine
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09.07.2009 - 09:31 Uhr
marphine

@tamuna: wenn ich bei mir (in bamberg) son plakat finde, würde ich mich doch sehr wundern...

synthie_und_roma
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09.07.2009 - 09:38 Uhr
synthie_und_roma

wir haben auch für das thema präsentiert und sind dann in der finalen präsentation gegen die kampagne gescheitert. dabie war unser konzept viel lustiger. die marketingleiterin wollte uns auch, aber der geschäftsführer war dagegen...shitty.

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09.07.2009 - 09:47 Uhr
synthie_und_roma

übrigens heisst die agentur nicht matt/spree sondern jung v. matt/spree.

Dalien
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09.07.2009 - 11:36 Uhr
Dalien

ich find das konzept gar nicht nicht so übel ... @synthie_und_roma: wie wäre denn eure kampagne aufgebaut gewesen?

synthie_und_roma
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09.07.2009 - 12:04 Uhr
synthie_und_roma

wie das genau aussah werde ich hier nicht sagen. die idee war aber, dass wir auf generische bilder wie fernsehturm, brandenburger tor und partypeople bewusst verzichtet haben, um nicht die gängigen klischees zu bemühen.

alces
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09.07.2009 - 12:17 Uhr
alces

synthie_und_roma sagte:
wie das genau aussah werde ich hier nicht sagen. die idee war aber, dass wir auf generische bilder wie fernsehturm, brandenburger tor und partypeople bewusst verzichtet haben, um nicht die gängigen klischees zu bemühen.


Was ist den los mit euch Werbern? Immer wieder muß ich mir vorjammern lassen, daß die frischen neuen Ideen nicht genommen werden, und man ja doch so bemüht war, Klischees zu vermeiden... es ist Krise, da haben die Kunden die Hosen gestrichen voll und suchen die sichere Bank. Da ist es egal, ob man ihnen Werbung oder Facility Management oder eben Akquisitionen verkaufen möchte. Klischee ist nur deswegen Klischee, weil es die elementarsten Teile im Kommunikationsbaukasten sind. Stumpf=Trumpf. Connemara-Kampagne für Schuhe oder Leveraged Growth Strategy = vorgestern. Leider.

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