Warum Bologna sinnvolles Studieren unmöglich macht
Bologna will ein einheitliches europäisches Hochschulwesen schaffen. Robert Stockhammer, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften an der LMU München, erklärt, warum das nicht funtioniert
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.- Grundrecht auf Gratisdownload vor 20 Std.
- Der Freund der Terroristen vor 20 Std.
- Bittere Pille vor 20 Std.
- Der goldene Schnitt des Pop vor 20 Std.
- Eine Lehre für die Welt 10.02.2012
Dieser Text von jetzt.de ist in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
Es gibt ja Statistiken, die nachweisen, dass Leute aus "bildungsfernen" Schichten (was auch immer das sein soll) oder mit "Migrationshintergrund" (noch so ein Begriff), wenn sie es denn schaffen sollten, an die Uni zu kommen, in Deutschland ihr Studium überproportional oft abbrechen. Das heißt, es ist nicht nur meine persönliche Erfahrung. Im Ergebnis werden nämlich dann doch die Eliten reproduziert, egal ob absichtlich oder nicht. Ich frage mich, was ist das für ein System, das bestimmte Leute einfach so aussortiert. Begabt sind sie ja (und, behaupte ich mal ganz unbescheiden von mir selbst, bin ich auch), trotzdem schaffen sie es nicht, hier in D. einen Uni-Abschluss zu erwerben. Inzwischen weiß ich ja auch, dass es nicht weiter wild ist und dass ich es mir damals, als ich studiert habe (in den 90ern), viel zu schwer gemacht habe. Ich hab auch mit 16 Bücher gelesen, die andere mit 20 grad mal aufgeschlagen haben - das ist überhaupt nicht das Problem. Aber während ich (und viele andere) in der Schule keine Probleme hatten und sogar den Eindruck, sie hätten eine Begabung für das Fach, scheiterten wir dann an der Uni, weil diese überhaupt nicht drauf vorbereitet war (und ich behaupte mal immer noch ist), die notwendigen Fähigkeiten adäquat zu vermitteln und sich um die ihnen anvertrauten Studenten zu kümmern. Darin sehe ich eindeutig einen Systemfehler.
"Sie haben ein Tutorensystem gebraucht, also eine Art in anderen Worten Nachhilfe."
Dieses Tutorensystem ist für alle verbindlich, was es meiner Ansicht gerade nicht zur Nachhilfe macht. Nachhilfe ist etwas, was einzelne zusätzlich nehmen müssen, dort ist es aber im Studium mit integriert. Oxford oder Cambridge sind deshalb so angesehen, weil dort ein Tutor (ein Dozent, kein Student im höheren Semester) höchstens eine Handvoll Studenten betreut - in den normalen Unis ist das Verhältnis nicht ganz so gut (ca. 20), aber trotzdem noch um Längen besser als hier, wenn man in einem Massenseminar mit 100 anderen Leuten sitzt, bei einem Prof, den man einmal im Semester spricht und im nächsten Semester schon wieder vergessen hat, weil man schon wieder was anderes macht.
Ich weiß jedenfalls, was ich vorziehe und im Endeffekt habe ich es doch zu etwas gebracht, auch wenn die deutsche Uni mir den Eindruck vermittelt hat, dass ich nicht das Zeug dazu habe. Meinen Master werde ich auch wieder in England machen, auch wenn die Studiengebühren abschreckend sind. Aber die Betreuung und Offenheit der dort Arbeitenden sind es mir wert.
GUFSZ sagte:
@valerie77 "Erstaunlicherweise kamen sie alle aus Nicht-Akademiker-Familien. Ob das Zufall ist? Das alte System ist ausgerichtet darauf, dass sich die bestehenden Eliten reproduzieren."
Das ist kein Zufall, aber das alte System ist nicht dazu ausgerichtet die bestehenden Eliten zu reproduzieren. Die Sache funktioniert ganz einfach. Begabung plus Wissen erzeugen ein Ergebnis.
Ich nehme mich als Beispiel. Ich habe zwei Mediziner als Eltern. Was vielen Leuten schon bei mir im Grundschulalter auffiel, mein Fremdwörterschatz. Später ging es einfach weiter, dass ich die Literatur mit 16 schon intus hatte, die andere erst mit 20 oder später lesen. Da Zeugs lag halt bei uns zu Hause rum.
Und dieses Klima eines Akademikerhaushaltes schärft die Instinkte, worauf es in einem geisteswissenschaftlichen Studium ankommen könnte.
Sie haben ein Tutorensystem gebraucht, also eine Art in anderen Worten Nachhilfe.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie diese Diskrepanz des Backgroundes noch öfter spüren werden.
Um in ihrer Logik zu bleiben, der Bolognaprozess macht klar, das man die Massen der Eliten aus den bestehenden Eliten nicht mehr gewinnen kann und diese durch Sozialmanagment produziert werden müssen.
Die interessante Frage ist, ist es Aufgabe einer Gesellschaft jedem den geraden Weg zu ermöglichen?
deine eltern bringen also leute um!? davon abgesehen, benutzt du das wort "eliten" in inkriminierender weise haeufig..
Alle Kommentare anzeigen











-1
03.07.2009 - 10:50 Uhr
strikingback
naja um... eben seinen Abschluss zu machen, nich wahr?
Und dann hat mensch die Bildungsfabrik endlich hinter sich und darf sich glücklich schätzen, in den Arbeitsfabriken schlecht bezahlt zu werden.