29.06.2009 - 11:51 Uhr

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Von unvernünftigen Entscheidungen, schlechtem Wetter und der Qual des Gehens

Text: MountMcKinley

27.06.2009: Die Wolken hingen tief. Viel zu tief, um darüber nachzudenken, den Gleitschirm mitzunehmen, weshalb ich ihn, ohne auch nur einen Gedanken an ihn zu verschwenden, im Keller stehen ließ. Stattdessen rüstete ich mich mit Regenklamotten aus, nem Wechsel-T-Shirt, Brotzeit und fuhr zum Treffpunkt „Talstation-Grainbach“. Der Gleitschirmwettkampf „Crossalps-Wendepunkt am Limit“ wurde nicht abgesagt, obwohl der Wetterbericht für beide Tage, Samstag und Sonntag, mehr als nur bescheidene Bedingungen angesagt hatte. Warum die Veranstalter keinen Ausweichtermin festgelegt haben, obwohl sie ja wissen müssten, dass Gleitschirmfliegen kein All-Wetter-Sport, sondern nun mal Schön-Wetter-Sport ist, konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Aber man vertraute wohl auf die Vernunft der Teilnehmer. Ziel dieses Wettkampfes ist es, soweit vom Anfangspunkt wegzukommen wie möglich – bestenfalls fliegend, ansonsten zu Fuß – jedoch nur soweit, um schließlich am nächsten Tag wieder mehr oder weniger problemlos zurück zu kommen – natürlich auch wieder nur fliegend und/oder zu Fuß. Da meine Fluglaune zurzeit eh nicht besonders hoch ist und eben das Wetter auch wirklich nicht zum Fliegen eingeladen hat, ich mich aber bewegen wollte, hab ich eine gute Freundin begleitet, die sich der Herausforderung auf jeden Fall stellen wollte. Zusammen mit ihr und ca. 65 weiteren Teilnehmern fiel um 8.00 Uhr der Startschuss. Allerdings sind Gleitschirmflieger zum Teil ein sehr gemütliches Volk, weshalb sich erklären lies, dass nach dem Startschuss noch immer gut die Hälfte am Start herumlungerten, Sachen packten und es einfach gemütlich angingen ließen. Auf Thermik war ja eh nicht zu hoffen und somit konnte man sich auch etwas mehr Zeit lassen. Nachdem wir schließlich losgegangen waren, Nina, Dani, Sepp und ich, fing es auch endlich an zu Regnen. Es war eh verwunderlich, dass er sich so lange zurückgehalten hatte. Auf dem Weg von Grainbach über die Kräuterwies’n zur Hofalm tröpfelte es mehr oder weniger gemütlich vor sich hin, was unser aller Laune allerdings keinen Abbruch tat. Im Gegenteil...es entwickelten sich schöne Gespräch, ein netter Typ aus dem Allgäu gesellte sich nach einer Zeit zu uns und nach gut 2,5 Stunden waren wir schließlich in Aschau, wo uns der Allgäuer auch wieder verließ, da wir eine kleine Pause einlegten, er jedoch weiter wollte. Es hatte tatsächlich aufgehört zu regnen und die nassen Klamotten, die uns am Leib klebten, fingen langsam an, wieder trocken zu werden – dank Funktionswäsche. Bei meinen drei Flugbegleitern keimte sogar schon etwas Hoffnung auf, doch noch in die Luft zu kommen, aber schon eine viertel Stunde später, nachdem wir Aschau Richtung Maisalm verlassen hatten, ergoss sich wieder ein kühles Nass von oben über uns und schwemmte die aufkeimende Euphorie mit sich. Der Regen, manchmal stärker, manchmal schwächer, wurde je näher wir der Hochplatte kamen, dem vielleicht ersten Abflugspunkt, immer weniger und schließlich hörte er tatsächlich auf. Die Wolken hoben sich, gaben den Blick auf Marquartstein und den Hochgern frei und danach war für Nina, Dani und Sepp kein halten mehr. Rauf zum Startplatz und wenigstens ein Abgleiter ins Tal. Für mich hieß es deshalb wieder ab nach Hause und zwar zu Fuß. Eine Horrorvorstellung, denn die einfache Strecke bis zur Hochplatte waren schon gut 20 Kilometer. Die hieß es jetzt wieder zurück zu laufen. Allerdings hatte ich vor, den größten Teil zu trampen. Ich bin jedoch auf einen schönen Höhenweg gekreuzt, der wunderbar am Hang entlang bis fast nach Bernau führte. Kurz nach Bernau konnte ich mich aber fast nicht mehr auf den Beinen halten, da meine Fußsohlen unglaublich brannten. Das Wetter hatte sich sehr gebessert und die Straßen waren schon wieder trocken, deshalb legte ich mich kurz nach Bernau auf den Radlweg, machte die Augen zu und hatte fast das Gefühl, kurz weggetreten zu sein, denn ein älteres Ehepaar fragte mich aus dem nichts, ob sie den Rettungswagen holen sollten. Ich hatte diese beiden sehr netten Herrschaften überhaupt nicht bemerkt, obwohl sie mit dem Auto direkt neben mir geparkt hatten. Konnte sie aber schnell beruhigen, dass es mir eigentlich ganz gut ginge, ich aber irgendwie nach Aschau kommen müsste, um schließlich über Frasdorf wieder nach Grainbach zu kommen, da dort mein Auto stünde.
Rot: zu Fuß Grün: Auto Beide haben sie die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, nachdem ich ihnen erzählt hatte, welche Runde ich bisher gegangen war. Umso mehr freute es mich, dass sie mich ohne zu überlegen in ihren BMW packten und mich mit nach Aschau nahmen. Nach dieser kleinen Pause und den gefahrenen 6 Kilometern gings mir wieder einigermaßen gut, bedankte mich herzlich für die führsorgliche Art und Weise und quälte mich auf dem Radweg im Laufschritt nach Frasdorf. In Fradsdorf angekommen machte ich wieder eine Pause auf einer Bank unter einer großen, einsam stehenden Linde. Es hatte wieder zu Nieseln begonnen, die Schwalben flogen tief über den Wiesen umher und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als endlich an meinem Auto anzukommen. Allerdings lagen noch gute 5 Kilometer und etliche Höhenmeter zwischen mir und der ersehnten Erlösung. Bei jedem Auto, das an mir nun vorüber fuhr, hoffte ich inständig, dass mich jemand mitnehmen würde...allerdings wollte ich meinen Daumen nicht raushalten und deshalb hielt auch niemand an. Es kam mir jedoch kurz nach Frasdorf Ninas Freund entgegen. Er war gerade auf dem Weg zum einkaufen. Wie gut, dass er mich erkannt hatte. Zuerst wollte ich nicht, dass er mich hochfährt, nach dem zweiten Mal fragen seinerseits wurde ich aber doch schwach und war unendlich froh, sitzen zu dürfen. Danke Hannes, dass Du mich hochgefahren hast...was Besseres konnte mir an diesem Tag wirklich nicht passieren! :)


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5 Kommentare

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coolfire
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Mag ich Mag ich nicht

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29.06.2009 - 12:53 Uhr
coolfire

Den anderen zusehen wie sie abgleiten und selbst per pedes absteigen - Gemeine Vorstellung.

Du hast einfach immer noch zu viele Hemmungen zu deinen Daumen zu benutzen - trampen ist grad in Oberbayern echt kein Thema, wenn man nicht zu abgerissen aussieht. Naja einfach auf die Strasse legen scheint auch große Erfolgsaussichten zu haben. :)

emmy44
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Mag ich Mag ich nicht

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29.06.2009 - 13:08 Uhr
emmy44

du bist ja irre!

virginja
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Mag ich Mag ich nicht

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29.06.2009 - 14:34 Uhr
virginja

klar ist er irre. ich finds klasse.
dominik, i like you and your passion!

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Mag ich Mag ich nicht

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29.06.2009 - 14:35 Uhr
virginja

but: take care of you. please!

frau_liebe
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2009 - 11:49 Uhr
frau_liebe

ohla, da hast du aber wieder was erlebt.


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„De Dosis macht`s, vastehst! Wennst da a Überdosis Leb`n gibst, vareckst. Und wennst da z’wenig gibst, vareckst a. Du muaßt genau des Mittelmaß da'wischen und dann muaßt as genießen!“ (Hans Söllner)