Ganz klarer Aufwärtstrend
Text: jetzt-Redaktion
Höhen und Tiefen gibt es nicht nur an der Börse, sondern auch im Leben - jetzt.de-Autoren beschreiben ihre Stimmungskurve von der Geburt bis heute
Die Kurve von max-scharnigg
(1) Den Kindergarten habe ich mit denkbar günstigem Erfolg abgeschlossen. Die Kindergärtnerin nennt mich „unseren kleinen Professor“. Ahnung von großer Zukunft. (2) Meine Eltern ziehen um und ich mit, in eine andere sechste Klasse. Dort wegen Nicki-Pullis und meiner Frage „Spielen wir Fangen?“ ausgelacht. Fortan anhaltende Eintrübung des Selbstbewusstseins, starke Verliebtheiten und akute Matheschwäche. Niemand sagt mehr Professor, dafür kauft mir meine Mutter nach halbjährigem Widerstand eine grüne Levis 501. (3) Zivildienst, eine Zeit lethargischer Dummheit. Ich fahre einen alten Volvo und bettle beim Koch des Altenheims um Extraportionen, sonst passiert nichts. (4) Kurze Wonnigkeit: Umzug in Deutschlands Mitte, Journalistenschule, fühle mich schaumgeboren und klug, gebärde mich aber eher frühreif. Dann gleich wieder Niederungen, anhaltendes Gefühl im falschen Körper zu leben, er müsste schöner und weniger müde sein. Haare schwarz gefärbt - Katastrophe. Rockkarriere begraben. Stattdessen halbes Jahr Nachtschichten beim Privatfernsehen, Hölle, Hölle. (5) Alles wird netter: die Stadt, die Kollegen, die Aufgaben. Ich lade meine Mutter zum Essen ein. Die Kindheitskatze stirbt. Ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung und war schon einmal beim Notar. Vermutung, dass der Zenith überschritten ist und es jetzt wieder ganz langsam bergab geht.