Wegen Klagenfurt und überhaupt: Drei Buchempfehlungen
Text: max-scharnigg
Es gibt sie noch, die guten Bücher. Diese drei deutsche Jungautoren kann man mit ihren aktuellen Werken getrost mit in ein Regenwochenende nehmen.
Michael Weins – "Delfinarium" (Mairisch Verlag)
Besagte und beklatschte Svea Kutschke steht auch im Impressum dieses Buches – und zwar als Lektorin. Zeichnet sich da eine Seilschaft begabter Jungautoren ab, eine ganze Armada? Herr Weins aus Hamburg jedenfalls, ist so jung gar nicht mehr und hat auch schon divers veröffentlicht, bekommt hier jetzt aber trotzdem noch mal Lob.
"Delfinarium" ist die Geschichte von Daniel, einem Jungen, der die postabituriellen Findungsphase schon fast zu Gunsten einer vollständigen Lethargie entschieden hat, als er einen Nebenjob annimmt. Die verwirrte Frau, auf die er dabei aufpassen soll, bringt dann zügig alles durcheinander, innen und außen. Klingt jetzt ganz fürchterlich nach Erweckungserlebnissen eines Zivis, ist aber das genaue Gegenteil. Eine nüchtern erzählte absonderliche Begebenheit, ein Abenteuer könnte man fast sagen, wenn nicht dieses Wort allein schon wieder sämiger wäre, als alles, was sich der Autor in seinem gesamten Buch an Fett erlaubt. Klar und sehr deutlich geht es hier von A nach B und C, wird Daniels Einmischen in das andere Leben seziert und werden seine Entscheidungen begleitet.
Geschichten mit Menschen die behindert, verwirrt oder sonst wie beeinträchtigt sind, enden hierzulande ja fast immer in kitschiger Verkrampfung mit Küssen im Rapsfeld. In diesem Buch nicht. Hier geht das Ganze puristisch in die Hose, so nüchtern und deutlich, dass man es beim Lesen fast nicht glauben kann und dann aber applaudiert. Es muss so sein, genau.
Eine kleine Geschichte eigentlich nur, aber eine, bei der man nichts ahnt und deswegen immer wieder umblättert, bis es irgendwann die letzte Seite war. Was dann bleibt, ist nicht Verstörung oder Wundern, sonder nur so ein ganz leises Max-Frisch-Gefühl der Ungeheuerlichkeit. Schön.