Wann sprechen wir von Krieg, Herr Münkler?
In Afghanistan nehmen die Auseinandersetzungen zwischen Taliban und Bundeswehr zu, deutsche Soldaten fallen den Gefechten zum Opfer. Ist das nun "Krieg"? Vier Fragen an Politikprofessor Herfried Münkler
Immer massiver werden die deutschen Soldaten im Norden Afghanistans angegriffen und sie lassen sich auf Gefechte ein. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte unlängst: "Wer uns angreift, wird bekämpft." Während sich Jung vehement sträubt, die Gefechte als "Krieg" zu bezeichnen, ist für den Wehrbeauftragten des Bundestages Reinhold Robbe (SPD) die Sache klar: "Ich frage mich: Wo bleibt das klare Wort der Kirchen, der Gewerkschaften, der Wirtschaft. Ein klares Bekenntnis zum Krieg wäre ein Zeichen menschlicher Zuwendung." Wann werden "Kampfhandlungen" zum "Krieg"? Und was würde es bedeuten, wenn der Nato-Einsatz als "Krieg" bezeichnet würde? jetzt.de sprach mit Herfried Münkler*, Politikprofessor an der Humboldt-Universität in Berlin.
jetzt.de: Herr Münkler, Herr Jung nimmt vehement Abstand davon, bei den Vorkommnissen in Afghanistan von Krieg zu sprechen. Warum?
Herfried Münkler: Die Tradition des deutschen Verständnisses von Krieg ist bei uns in hohem Maße mit der Erinnerung an den Ersten und Zweiten Weltkrieg verbunden. Auch wenn man die Kriege selbst nicht miterlebt hat, ist die Fülle der Bilder und Erzählungen präsent. In diesem Sinne kann man in Afghanistan nicht von einem Krieg sprechen. Es ist deshalb wichtig, mit dem Begriff nicht zu hausieren, sondern auf Ausweichbezeichnungen wie "Kampfhandlungen" zurückzugreifen. Würde man das unter dem gegeben Umstand unserer Assoziationen in Deutschland nicht tun, wäre die Reaktion noch viel stärker als bisher diese: "Dann lasst uns nachhause gehen." Das heißt: Jung möchte die politische Unterstützung für den Afghanistan-Einsatz nicht noch mehr schwächen und außerdem bestimmte Assoziationen beim deutschen Volk vermeiden.
Wie definiert man in Deutschland Krieg?
Nicht einheitlich. Ich habe zum Beispiel vorgeschlagen, den Begriff der "neuen Kriege" einzuführen und damit eine Abgrenzung zu unserer herkömmlichen Vorstellung zu ziehen. Damit könnte man eine moderne Art der Kriege bezeichnen, bei denen es kein Aufeinandertreffen größerer Gruppen mehr gibt, sondern sich alles in kleinen Hinterhalten und Scharmützeln abspielt. Der "große Krieg" ist schließlich ein historisches Auslaufmodell.
Warum spricht Herr Robbe von Krieg?
Sagen wir mal so: Herr Robbe ist nicht gerade ein Experte für präzise Begriffsverwendung. Und da man Krieg entweder als Sammelbegriff für jede Form der kämpferischen Auseinandersetzung oder eben eine bestimmte Form von Krieg, ähnlich der beiden Weltkriege, verwenden kann, hat er sicherlich ersteres gemeint. Wenn man bei ihm nachfragen würde, was er denn gemeint hat, käme bestimmt: "Sicherlich nicht so was wie den Zweiten Weltkrieg."
Handelt es sich bei dem, was gerade in Afghanistan passiert, um Krieg?
Man kann es als Kleinkrieg bezeichnen - in unterschiedlichen Gebieten und mit unterschiedlicher Intensität. In meinem Sinn wäre es ein neuer Krieg, aber kein klassischer Krieg, wie man ihn in Deutschland versteht. Wenn wir uns aber darauf einigen, dass Krieg eine Form des Aufeinandertreffens von bewaffneten Akteuren ist, die vom Hinterhalt bis zur großen Schlacht reichen kann, dann kann man auch hier von Krieg sprechen.

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grundsätzlich bin ich auch nicht gegen eine militärische intervention um eine unhaltbare situation zu verbessern, in afgahnistan war und ist es aber nicht so, der krieg ist verlogen, schmutzig und falsch. in europa wird sich auch in 100 jahren keine mehrheit in der bevölkerung dafür finden. selbst wenn die taliban "robust" besiegt werden würden, bleiben immer noch die drogenbarone und warlords. afgahnistan ist 1:1 vergleichbar mit columbien. solange illegale drogen märchenhafte gewinne in europa und den uSA bringen, solange werden columbien und afgahnistan instabile staaten bleiben.
afgahnistan dient den USA als trittbrett für zentralasien um wenn nötig an den iran rannzukommen und um aufjedenfall näher an den resourcen zentralasiens zu sein, einen scheissdreck kümmert die die lage der frauen oder der drogenhalndel dort.
und solange es genügend arme junge männer gibt in den USA , solange werden sie auch in der lage sein diesen kleinkrieg weiterzuführen, 10-20 oder auch 30 jahre.....
Mir fällt auf, daß die Argumentation derjenigen, die für die Intervention im Falle Afghanistans sind (und auch in manchen anderen Situationen einem militärischen eingreifen das Wort reden), erstens selbst noch keine Kriegsteilnehmer gewesen sind; zweitens genau jene Argumentationsversuche bemühen, die seit ewigen Zeiten bemüht werden ("ja, aber jetzt müssen wir"). Im alltäglichen Privat- und/oder Berufsleben ließe kaum jemand solche Argumentationen in dieser Wiederholung durch. sie wären als das gebrandmarkt, was sie sind: Ausreden und die Verschleierung der Absichten. ("Ja, Herr Richter, der Diebstahl war ein Fehler, aber wo ich das Geld nun schon mal hatte, mußte ich es doch auch ausgeben.") Intellektuell unredlich und einer Wissens- und Informationsgesellschaft unangemessen.
Und im Ergebnis immer inhuman. Ich muß mit dem Nachbarn, der Kinder quält, keine positiven Deals abschließen, weil sie für mich vielleicht günstig sind. Und ich muß auch nicht unter Verweis auf Nachbarn C, der noch Deals mit dem Kinderquäler tätigt, meine eigenen Vorteile handelnd zu wahren versuchen. Aber eine solche Haltung als Staat an den Tag zu legen, erforderte zuallererst auch, den ökonomischen Preis einer ethischen und humanen Haltung zu nennen. Und diese Bereitschaft ist deutlich unterentwickelt oder bildet sich zurück, wenn man erst einmal ein Amt innehat.
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26.06.2009 - 09:52 Uhr
riesenherz
Natürlich sollten wir den Afghanen helfen, und wenn dafür Wasserleitungen nötig sind, finden sich bestimmt exzellent ausgebildete Techniker vom THW oder anderen Organisationen, die das können.
Soldaten, die in erster Linie Eigensicherung betreiben und "aufklären", helfen jedenfalls nicht.
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Wer hat denn nach den Erfahrungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts noch den Bedeutungsgehalt von Krieg als "zwei Heere, die gegeneinander auf dem Platz sich tummeln" im Kopf? Außer ein paar ewig Gestrigen, die meistens eine Uniform tragen.
Die haben dafür auch guten Grund, weil sie ihr schändliches Treiben heute angesichts veränderter Kampftechniken nicht mehr in gleicher Weise verbrämen können wie in früheren Jahrhunderten.
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Was soll eine solche vermutete Erklärung für die Verteidigung von Freiheit, wie Du, sopranina sie hier auf der Basis eines Dictums von Schröder angebotsweise postest? Man stelle sich vor, wir würden die interessengeleiteten Aussagen von Politikern zur Maßgabe der Deutung des Geltungsbereiches unseres Grundgesetzes machen. Gute Nacht, könnte man da versucht sein zu sagen.
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Ihr seid - im Gegensatz zu den meisten maßgeblichen Politikern und Militärs - Angehörige einer Generation, die die neuen Medien un dihre Möglichkeiten von kleinauf auslotet. Und auch Euch fällt nichts Besseres ein, als mit den Denk- und Handlungsstrukturen von anno dunnemals Krieg zu führen, diesen dann als Fortsetzung von Politik zu deklarieren und so diesen Verstoß gegen die Menschenwürde (für die vorgeblich dies alles ja geschieht) als ein lediglich "anderes Mittel" zu deklarieren?
Schon die "humanitäre" Aktion auf dem Balkan hätte leicht mit den Möglichkeiten PC, Computern, web und wirtschaftlicher Zielrichtung ihr Ziel besser erreichen können.