Wann sprechen wir von Krieg, Herr Münkler?
In Afghanistan nehmen die Auseinandersetzungen zwischen Taliban und Bundeswehr zu, deutsche Soldaten fallen den Gefechten zum Opfer. Ist das nun "Krieg"? Vier Fragen an Politikprofessor Herfried Münkler
Immer massiver werden die deutschen Soldaten im Norden Afghanistans angegriffen und sie lassen sich auf Gefechte ein. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte unlängst: "Wer uns angreift, wird bekämpft." Während sich Jung vehement sträubt, die Gefechte als "Krieg" zu bezeichnen, ist für den Wehrbeauftragten des Bundestages Reinhold Robbe (SPD) die Sache klar: "Ich frage mich: Wo bleibt das klare Wort der Kirchen, der Gewerkschaften, der Wirtschaft. Ein klares Bekenntnis zum Krieg wäre ein Zeichen menschlicher Zuwendung." Wann werden "Kampfhandlungen" zum "Krieg"? Und was würde es bedeuten, wenn der Nato-Einsatz als "Krieg" bezeichnet würde? jetzt.de sprach mit Herfried Münkler*, Politikprofessor an der Humboldt-Universität in Berlin.
jetzt.de: Herr Münkler, Herr Jung nimmt vehement Abstand davon, bei den Vorkommnissen in Afghanistan von Krieg zu sprechen. Warum?
Herfried Münkler: Die Tradition des deutschen Verständnisses von Krieg ist bei uns in hohem Maße mit der Erinnerung an den Ersten und Zweiten Weltkrieg verbunden. Auch wenn man die Kriege selbst nicht miterlebt hat, ist die Fülle der Bilder und Erzählungen präsent. In diesem Sinne kann man in Afghanistan nicht von einem Krieg sprechen. Es ist deshalb wichtig, mit dem Begriff nicht zu hausieren, sondern auf Ausweichbezeichnungen wie "Kampfhandlungen" zurückzugreifen. Würde man das unter dem gegeben Umstand unserer Assoziationen in Deutschland nicht tun, wäre die Reaktion noch viel stärker als bisher diese: "Dann lasst uns nachhause gehen." Das heißt: Jung möchte die politische Unterstützung für den Afghanistan-Einsatz nicht noch mehr schwächen und außerdem bestimmte Assoziationen beim deutschen Volk vermeiden.
Wie definiert man in Deutschland Krieg?
Nicht einheitlich. Ich habe zum Beispiel vorgeschlagen, den Begriff der "neuen Kriege" einzuführen und damit eine Abgrenzung zu unserer herkömmlichen Vorstellung zu ziehen. Damit könnte man eine moderne Art der Kriege bezeichnen, bei denen es kein Aufeinandertreffen größerer Gruppen mehr gibt, sondern sich alles in kleinen Hinterhalten und Scharmützeln abspielt. Der "große Krieg" ist schließlich ein historisches Auslaufmodell.
Warum spricht Herr Robbe von Krieg?
Sagen wir mal so: Herr Robbe ist nicht gerade ein Experte für präzise Begriffsverwendung. Und da man Krieg entweder als Sammelbegriff für jede Form der kämpferischen Auseinandersetzung oder eben eine bestimmte Form von Krieg, ähnlich der beiden Weltkriege, verwenden kann, hat er sicherlich ersteres gemeint. Wenn man bei ihm nachfragen würde, was er denn gemeint hat, käme bestimmt: "Sicherlich nicht so was wie den Zweiten Weltkrieg."
Handelt es sich bei dem, was gerade in Afghanistan passiert, um Krieg?
Man kann es als Kleinkrieg bezeichnen - in unterschiedlichen Gebieten und mit unterschiedlicher Intensität. In meinem Sinn wäre es ein neuer Krieg, aber kein klassischer Krieg, wie man ihn in Deutschland versteht. Wenn wir uns aber darauf einigen, dass Krieg eine Form des Aufeinandertreffens von bewaffneten Akteuren ist, die vom Hinterhalt bis zur großen Schlacht reichen kann, dann kann man auch hier von Krieg sprechen.

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Das geht mir derbe auf den Wecker.
Was ist denn mit dem Dafur-Konflikt? Ist das auch Krieg? Oder ein Konflikt? Oder was anderes? Äthiopien? Ach, die Liste könnt' man endlos fortsetzen.
Bei dem schönen, wolkenlosen Wetter so sinnlose Diskussionen.
Ach ja, ich vergas, bin ja hier im Süddeutschen Raum. Da ist das Wetter ja beschissen^^
24.06.2009 - 21:12 Uhr
Die_Eintagsfliege
Ob Kampfhandlungen, Konflikt, oder Krieg. Ändert nichts an der Situation.
global war on terror koennte man egtl auch als 3. weltkrieg definieren: globale kampfhandlungen.
und warum meine freiheit am hindukusch verteidigt wuerde, konnte mir bisher noch niemand schluessig erklaeren.
25.06.2009 - 08:54 Uhr
Freiheitsliebe
25.06.2009 - 08:55 Uhr
Freiheitsliebe
;)
25.06.2009 - 12:37 Uhr
__xxx__
Das ist ja klar, weil es auch keine plausible Erklärung gibt oder je geben wird.
Laßt die Kameraden Jung und Co. doch mal ein paar Monate den Aufbaueinsatz selbst mitmachen, dann überlegen sie sich auch das mit den Wörtern noch.
Lieber Herr Professor Münkler, "cui bono?" sollte doch die erste Frage sein, die politikinteressierte Menschen zu stellen lernen. Wem nützt die Einführung des Begriffes "neuer Krieg"? Gestorben wird imemr noch auf die altmodische Art, ziemlich erbärmlich. Durch friendly fire, durch schlechte Ausrüstung und völlig sinnlos. Aber dann tauchen schnell die demokratischen Totengräber auf und erklären den Fortgang ihres Treibens zum Sinntuning des Obsoleten. Erbärmlich auch diese Haltung.
Freiheitsliebe sagte:
und warum meine freiheit am hindukusch verteidigt wuerde, konnte mir bisher noch niemand schluessig erklaeren.
Als ich das zum ersten Mal gelesen habe dachte ich es müsse sich dabei sicherlich um Zitat aus der Titanic Satirezeitschrift handeln (guter Witz, höhö). Leider ist dem nicht so.
25.06.2009 - 13:20 Uhr
soylentyellow
Aufgemerkt liebe Politiker: Die Partei die bei der Bundestagswahl im Herbst verspricht gegen den Krieg zu stimmen bekommt meine Stimme. Soweit ich weiß sind das nur die Linke - was soll das? Wieso kann ich nicht eine normale Partei wählen die trotzdem meine Ansicht vertritt? Wieso kann ich nicht Grün wählen? Waren die mal nicht früher Pazifisten ("Make love not war") und gegen Krieg? Wieso sind die das plötzlich nicht mehr?
Die bittere Ironie: die Politiker wissen, daß der Einsatz so fern ist, daß ihn hier nie eine Mehrheit guthieße. Und er ist fern genug, damit er jenseits der öffentlichen Empörung durchgeführt werden kann. Wobei "durchgeführt" eher metaphorisch zu verstehen ist, er wird jedenfalls scheitern.
25.06.2009 - 13:23 Uhr
riesenherz
soylentyellow sagte:
Freiheitsliebe sagte:
und warum meine freiheit am hindukusch verteidigt wuerde, konnte mir bisher noch niemand schluessig erklaeren.
Als ich das zum ersten Mal gelesen habe dachte ich es müsse sich dabei sicherlich um Zitat aus der Titanic Satirezeitschrift handeln (guter Witz, höhö). Leider ist dem nicht so.
Du hast eine gute erklärung? Her damit bitte!
mir liegt "asymmetrische kriege" wesentlich besser in den ohren, weil es schon viel über das wesen der kämpfe aussagt. ob man das nun auf die technik, die taktik, die soldatenzahlen, die art der kämpfer oder die motive bezieht.
und wer krieg sagt, muß auch clausewitz sagen: die fortsetzung der politik mit anderen mitteln. c. mag das noch auf die kabinettskriege und ähnlich geordnete auseinandersetzungen bezogen haben, aber es stimmt unter anderen vorzeichen noch immer.
Die "Freiheit am Hindukusch" lässt sich damit nicht aus der NATO erklären, eben weil diese kein Werte- sondern ein Sicherheitsbündnis ist. Das mit den Werten kam dann allerdings auf, als die NATO-Mitglieder auf nationaler Ebene Art und Umfang ihrer Unterstützung beschließen mussten. Nachdem das Grundgesetz einen "Angriffskrieg" verbietet und man sich sonst noch schwerer getan hätte, die nötige Unterstützung zusammen zu kriegen, hat Schröder halt dann die Anschläge nicht nur als "Angriffe aus die Werte (...), nach denen sich die Amerikaner politisch konstituieren" gewertet, "sondern auch (als) Angriffe auf jene Werte, die für uns politisch konstitutiv sind, nämlich die Werte des Grundgesetzes."
Wenn man jetzt das Grundgesetz als Basis unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sieht, ist das die Grundlage für die Argumentation, warum unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt werden muss.
(das ist jetzt nur die offizielle Argumentation, nach der hier ja gefragt wurde, nicht meine persönliche Meinung)
@ Begriffsdefinition "Krieg": Das hängt wohl vor allem mit Diplomatie zusammen... mich erinnert das sehr an diese "Begriffsakrobatik" im Zusammenhang der Anerkennung der DDR als Staat, wo Willy Brandt dann von "zwei Staaten, die füreinander nicht Ausland sind" spricht, was dann jede Seite so auslegen kann, wie sie will und der eine sich anerkannt fühlen kann und der andere dann wieder sagen kann, dass das alles SO ja nicht gesagt war.
@Demonstrationen: Das Problem ist doch, dass diese Demonstrationen JETZT ein bisschen spät kommen... ich finde es auch sehr fragwürdig, was die NATO da in Afghanistan angefangen hat und auch Schröders Argumentation, mit der er das alles rechtfertigt. Die Frage ist aber doch, was wäre, wenn die NATO plötzlich alle Truppen dort abziehen würde. Ich meine, dass die Zustände in Afghanistan eher noch schlimmer wären als vor 2001 und die Region noch instabiler würde, so das denn noch geht. Insofern muss man das jetzt schon irgendwie zuende bringen, allerdings sehe ich da weit und breit kein richtiges Konzept, das in irgendwelchen Stufenplänen oder so den Abzug der Truppen regelt. Zumindest wird da nur äußerst wenig öffentlich kommuniziert.
Alle Soldaten sind freiwillig dort. Wir helfen dort, den Menschen, dem ganzen Land.
Aber die deutschen Können ja selber in der EU Frage schon nicht über den deutschen Tellerrand gucken. Schade eigentlich.
Vorallem da alles durch die UN gedeckt ist. Alles.
Ziemlich egoistisch.
25.06.2009 - 20:56 Uhr
Die_Eintagsfliege
Die max. 4.8oo Soldaten sind nicht im Kampf gegen den Terror dort unten.
das is auch immer ein lustiges argument. erst wird ein fragwürdiger krieg angefangen und dann "muss man es zuende bringen" und jeder vernünftige bürger soll sich diesem denkmuster anschliessen. wäre man gar nicht erst reingegangen müsste man es auch nicht "zuende" bringen..........
ihnen helfen? sabbel nicht! weist du wie die rote armee nach afgahnistan gekommen ist? weil sie von der afgahnischen regierung um hilfe geben wurde. damals boykottierte D. die olympischen spiele und alle politiker riefen: russe raus aus A. und jetzt wo wir selber da sind ist das gleiche spielchen aufeinmal sauber????? HAHAHA
Die tausenden Schulen, Krankenhäuser, Straßen, Brunnen, Wasserversorung, Häuser ect. haben sich also alleine aufgebaut.
Aber wenn man nicht deiner Meinung ist, kannste ja schonmal den Pfad von Fakten verlassen, hast du ja oft genug gezeigt. Und populistische Forumlierungen al la "sabbel nicht!" kannst du auch lassen, damit disqualifizierst du dich nur selber mit.
Mal ganz davon abgesehen das selbst EDF vollkommen durch die UN gedeckt ist.
Alle Nachbarstaaten Afghanistan, selbst der Iran und etwas weiter weg, Russland, unterstützen den Einsatz, sowohl ISAF als auch Enduring Freedom.
Wie gesagt, nenne mir einen Grund, warum wir den Afghanen nach 30 Jahren Krieg nicht helfen sollten? Vorallem von Soldaten, die Freiwillig dort unten sind.
Die Argumentation "beim Russen ham wa gejammert" (mal davon ab, dass das nicht im Geringsten vergleichbar ist) ist da ziemlich haltlos.
@ "den Afghanen" helfen ist ja gut und schön - ich frage mich nur: Welcher Afghane hat hier um "Hilfe" gebeten? Abgesehen davon: Die Frauen tragen weiter Burka und werden eingeschüchtert, Frauenbildung hat sich nur gering verbessert (das mal zum Thema "Menschenrechte"), Präsident Karsai hat sehr wenig Rückhalt und die Eindämmung des Drogenhandels finden die betroffenen Bauern auch nicht so prima.
@ Einsatz überhaupt: Du vermischst hier einiges ganz schön - beim Einsatz der NATO hat es sich eben NICHT um einen "humanitären Einsatz" gehandelt, wie es z.B. die Begründung damals für den Kosovo war, sondern um einen "Krieg gegen den Terror". Deswegen muss ich Dir auch bei Deinem eigenen Text zum Afghanistan-Einsatz widersprechen, wenn Du Afghanistan mit Ruanda und Darfur in einen Topf wirfst: In Ruanda und Darfur passiert bzw. passierte ein Genozid, eine systematische Auslöschung bestimmter Gruppen und Völker - da wäre ein Eingreifen deutlich angezeigter als in Afghanistan. Zumindest von systematischen Morden aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit vor 2001 ist mir jedenfalls nichts bekannt.
Und die NATO ist eben nicht originär eingeschritten, weil es in Afghanistan zu wenig Brunnen, Krankenhäuser oder Schulen gab. Dass die ISAF jetzt auch Aufbauhilfe leistet, ist eher eine Folge als eine genuine Intention, wenn auch löblich,
@UN-Mandat: Das ist sehr idealistisch gedacht von Dir, wenn ein UN-Mandat alles heiligt. Russland findet den Einsatz nämlich auch vor allem aus einem Grund ganz toll: Dadurch werden in Afghanistan weniger Islamisten ausgebildet und finden Unterschlupf, die den Russen dann in Tschetschenien das Leben schwer machen könnten. Außerdem kann es seinen Tschetschenienkrieg seither als ganz noble und den Weltfrieden unterstützende Tat mit dem Namen "Krieg gegen den Terror" verkaufen. Und China kann dann den Kampf gegen den Terror im UN-Sicherheitsrat auch unterstützen und ganz nebenbei im eigenen Land die Rechte der Volksgruppen, die islamischen Glaubens sind, beschneiden. Aber natürlich geschieht das alles nur, weil sie den armen Afghanen ganz doll helfen wollen.
die fortdauernde tötung von zivilisten durch die amerikaner hat erst den boden bereitet für die rückkehr der taliban, weil viele afgahnen uns eben nicht mehr als befreier sehen. auch hat die unheilige allianz zwischen nato und örtlichen warlords dazu geführt das heute 90% des weltweiten heroins aus afgahnistan kommt und sich dadurch kriminelle strukturen verfestigen die die staatsgewalt unterminieren. ganz zu schweigen von der heroinschwemme in west und osteuropa. auch ist das problem afgahnistan nicht ohne das problem pakistan zu lösen , da können und wollen die amis aber nicht ran. weiterhin ist das ein von den USA geführter krieg bei dem wir nur hilfstruppen an den flanken stellen und also eigendlich nicht wirklich was zu melden haben. die BW ist in afgahnistan weil die NATO den bündnissfall erklärt hat und somit ein virtueller angriff auf alle NATO staaten simuliert wurde um u.a. das GG auszuhebeln.
es sind all diese "kleinen" dinge die afgahnistan (trotz UNO deckung) zu einem schmutzingen und moralisch nicht vertretbaren krieg machen und ein schmutziger krieg war auch der der russen dort in den 80ern..........
grams sagte:
die fortdauernde tötung von zivilisten durch die amerikaner hat erst den boden bereitet für die rückkehr der taliban, weil viele afgahnen uns eben nicht mehr als befreier sehen. auch hat die unheilige allianz zwischen nato und örtlichen warlords dazu geführt das heute 90% des weltweiten heroins aus afgahnistan kommt und sich dadurch kriminelle strukturen verfestigen die die staatsgewalt unterminieren.
Nichts von der aktuellen Entwicklung mitbekommen?
NATO-Strategie-Änderung, die genau darauf eingeht? (Auch dank Obama)
Aus Fehler lernt man.
Was war jetzt nochmal der Grund, warum wir nicht unten helfen sollen. Freiwillig?
@sopranina
Wie soll ein Afghane um Hilfe rufen, wenn er massiv unterdrückt wird?
Aber schön, das du zugibst, dass Helfen schonmal gut ist.
Zu den Menschenrechten : Möchtest du sagen, dass es den Afghanen nicht besser geht, als vor 2002 ?
(btw. kann man auch mal unten selbst die Leute befragen, oder die Zivilen Aufbauhelfer fragen, die uns dafür danken, im Schutz der ISAF helfen zu können. Gibt genügend Blogs von (zivilen) Helfern, von unabhängigen (kleinen) Journalisten, von BW-Soldaten und und und. Ansonsten einfach mal Freunde und Kameraden, ggf. Verwandte Fragen, wenn denn einer mal dort unten war)
Zum "Einsatz" und meiner angeblichen "Vermischung" :
Nein, mir ist das alles bewusst, was du schreibst. Vermischt habe ich da nichts.
Die BW ist nicht als Kampftruppe nach Afghanistan gegangen, werte sopranina, (mal von den 100 KSK-Truppen abgesehen) sie ist direkt als ISAF, und damit als Aufbauhilfe und Schutzmacht, hingeschickt worden.
Aufbauhilfe wurde also nicht "jetzt" erst geleistet, sondern wurde schon im Nov.2001 organisiert, beschlossen ect., also unmittelbar nach EDF. Sie ist eben doch eine genuine Intention.
Deinen sarkastischen, ironischen letzten Beitrag kann ich nichts abgewinnen.
Natürlich ist das Realpolitik. Das weiß ich auch.
Dennoch darf man die Augen nicht verschließen und sich um Kopf und Kragen schreiben, wenn man behauptet : Den Afghanen wird geholfen.
Dank der Bundeswehr, dank der ISAF!
Oder ist es nicht so?
So, auch hier nochmal die Frage : Warum sollen wir den Afghanen nicht freiwillig helfen?
durch die präsenz ausländischer soldaten geschieht mehr schlechtes als gutes in diesem land!
Zum Thema Menschenrechte und den Leiden der afghanischen Zivilbevölkerung, vgl. grams 25.06.2009 | 23:28 . Das muss ich nicht alles nochmal ausführen.
Und den Frauen geht es dort nach einer kurzen Erholung zu Beginn mittlerweile fast wieder so schlecht wie vorher, mit dem Unterschied, dass die kriminellen Strukturen und die nicht funktionierende Staatsgewalt die Lage eher noch verschlimmern. Abgesehen davon, dass die beste Friedenstruppe nichts gegen die innerfamiliäre Gewalt ausrichten kann, der die Frauen tagtäglich ausgesetzt sind (oder warum sonst versuchen so viele junge Ehefrauen, Selbstmord zu begehen oder werden von den Familien ihres Mannes gequält?). Frauen haben nach wie vor wenig bis keinen Zugang zu Bildung. Die Burka ist nicht ausgestorben und die Frauen, die arbeiten dürfen, kannst Du an einer Hand abzählen. Abgesehen davon, dass gerade Mädchenschulen hohem Druck ausgesetzt sind und immer wieder Ziel von Anschlägen werden. Und das Wiedererstarken der Taliban macht die Lage auch nicht besser. Abgesehen davon, dass ich da bei den westlichen Verantwortlichen auch kein Konzept sehe, wie sie das alles in den Griff kriegen wollen. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes, was da läuft, und deswegen ist die Mission zum Scheitern verurteilt und richtet mehr Schaden an, als sie nützt.
Und auch die "100 KSK-Truppen" sind Truppen, und wie Du schreibst: Aufbauhilfe wurde unmittelbar NACH den ersten Kampfhandlungen beschlossen. Also dazu, dass man, nachdem man das Land bombardiert hat, jetzt der Zivilbevölkerung helfen muss, damit die Taliban nicht gleich wieder kommen. Aber man ist eben NICHT nach Afghanistan gegangen, weil man helfen wollte. Sonst würde das ganze von Vornherein unter "Humanitäre Intervention" laufen und Schröder hätte den Einsatz nicht als "Verteidigung UNSERER Freiheit" verkauft. Es ging darum, dass die Taliban mit dem 11. September UNSER Grundgesetz angegriffen haben, nicht darum, dass Frauen dort Burka tragen und es zu wenig Krankenhäuser und Schulen und Brunnen gibt. Die gibt es anderswo auch nicht, übrigens, da könnte man dann genauso "helfen". Wenn Schröder den Afghanen nur hätte helfen wollen, hätte er die gleiche Argumentation wie im Kosovo hernehmen können und was von "Menschenrechten" und "Gewalt gegen Zivilisten" und "Flüchtlingsströmen, die eine ganze Region destabilisieren könnten" erzählt. Da hätte er sich wahrscheinlich sogar manche Kritik erspart, by the way. Aber genau darum geht es eben in diesem Krieg nicht!
aber kriege sind nun einmal sehr komplizierte dinge, und wenn man sich entschließt, einen zu führen, kann man scheitern. das ist bitter, und im nachhinein lässt sich dann leicht sagen, dass der krieg mehr schadete als dass er nutzte. gleichwohl, aufgeben kommt im moment in keiner weise in frage. sondern eher wesentlich konsequenter vorgehen.
Natürlich sollten wir den Afghanen helfen, und wenn dafür Wasserleitungen nötig sind, finden sich bestimmt exzellent ausgebildete Techniker vom THW oder anderen Organisationen, die das können.
Soldaten, die in erster Linie Eigensicherung betreiben und "aufklären", helfen jedenfalls nicht.
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Wer hat denn nach den Erfahrungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts noch den Bedeutungsgehalt von Krieg als "zwei Heere, die gegeneinander auf dem Platz sich tummeln" im Kopf? Außer ein paar ewig Gestrigen, die meistens eine Uniform tragen.
Die haben dafür auch guten Grund, weil sie ihr schändliches Treiben heute angesichts veränderter Kampftechniken nicht mehr in gleicher Weise verbrämen können wie in früheren Jahrhunderten.
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Was soll eine solche vermutete Erklärung für die Verteidigung von Freiheit, wie Du, sopranina sie hier auf der Basis eines Dictums von Schröder angebotsweise postest? Man stelle sich vor, wir würden die interessengeleiteten Aussagen von Politikern zur Maßgabe der Deutung des Geltungsbereiches unseres Grundgesetzes machen. Gute Nacht, könnte man da versucht sein zu sagen.
4
Ihr seid - im Gegensatz zu den meisten maßgeblichen Politikern und Militärs - Angehörige einer Generation, die die neuen Medien un dihre Möglichkeiten von kleinauf auslotet. Und auch Euch fällt nichts Besseres ein, als mit den Denk- und Handlungsstrukturen von anno dunnemals Krieg zu führen, diesen dann als Fortsetzung von Politik zu deklarieren und so diesen Verstoß gegen die Menschenwürde (für die vorgeblich dies alles ja geschieht) als ein lediglich "anderes Mittel" zu deklarieren?
Schon die "humanitäre" Aktion auf dem Balkan hätte leicht mit den Möglichkeiten PC, Computern, web und wirtschaftlicher Zielrichtung ihr Ziel besser erreichen können.
grundsätzlich bin ich auch nicht gegen eine militärische intervention um eine unhaltbare situation zu verbessern, in afgahnistan war und ist es aber nicht so, der krieg ist verlogen, schmutzig und falsch. in europa wird sich auch in 100 jahren keine mehrheit in der bevölkerung dafür finden. selbst wenn die taliban "robust" besiegt werden würden, bleiben immer noch die drogenbarone und warlords. afgahnistan ist 1:1 vergleichbar mit columbien. solange illegale drogen märchenhafte gewinne in europa und den uSA bringen, solange werden columbien und afgahnistan instabile staaten bleiben.
afgahnistan dient den USA als trittbrett für zentralasien um wenn nötig an den iran rannzukommen und um aufjedenfall näher an den resourcen zentralasiens zu sein, einen scheissdreck kümmert die die lage der frauen oder der drogenhalndel dort.
und solange es genügend arme junge männer gibt in den USA , solange werden sie auch in der lage sein diesen kleinkrieg weiterzuführen, 10-20 oder auch 30 jahre.....
Mir fällt auf, daß die Argumentation derjenigen, die für die Intervention im Falle Afghanistans sind (und auch in manchen anderen Situationen einem militärischen eingreifen das Wort reden), erstens selbst noch keine Kriegsteilnehmer gewesen sind; zweitens genau jene Argumentationsversuche bemühen, die seit ewigen Zeiten bemüht werden ("ja, aber jetzt müssen wir"). Im alltäglichen Privat- und/oder Berufsleben ließe kaum jemand solche Argumentationen in dieser Wiederholung durch. sie wären als das gebrandmarkt, was sie sind: Ausreden und die Verschleierung der Absichten. ("Ja, Herr Richter, der Diebstahl war ein Fehler, aber wo ich das Geld nun schon mal hatte, mußte ich es doch auch ausgeben.") Intellektuell unredlich und einer Wissens- und Informationsgesellschaft unangemessen.
Und im Ergebnis immer inhuman. Ich muß mit dem Nachbarn, der Kinder quält, keine positiven Deals abschließen, weil sie für mich vielleicht günstig sind. Und ich muß auch nicht unter Verweis auf Nachbarn C, der noch Deals mit dem Kinderquäler tätigt, meine eigenen Vorteile handelnd zu wahren versuchen. Aber eine solche Haltung als Staat an den Tag zu legen, erforderte zuallererst auch, den ökonomischen Preis einer ethischen und humanen Haltung zu nennen. Und diese Bereitschaft ist deutlich unterentwickelt oder bildet sich zurück, wenn man erst einmal ein Amt innehat.








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24.06.2009 - 20:37 Uhr
afrirali