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Macht

| 24.06.2009 18:30  

Wann sprechen wir von Krieg, Herr Münkler?

Text: petra-ebenschwanger  Fotos: dpa
In Afghanistan nehmen die Auseinandersetzungen zwischen Taliban und Bundeswehr zu, deutsche Soldaten fallen den Gefechten zum Opfer. Ist das nun "Krieg"? Vier Fragen an Politikprofessor Herfried Münkler
Immer massiver werden die deutschen Soldaten im Norden Afghanistans angegriffen und sie lassen sich auf Gefechte ein. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte unlängst: "Wer uns angreift, wird bekämpft." Während sich Jung vehement sträubt, die Gefechte als "Krieg" zu bezeichnen, ist für den Wehrbeauftragten des Bundestages Reinhold Robbe (SPD) die Sache klar: "Ich frage mich: Wo bleibt das klare Wort der Kirchen, der Gewerkschaften, der Wirtschaft. Ein klares Bekenntnis zum Krieg wäre ein Zeichen menschlicher Zuwendung." Wann werden "Kampfhandlungen" zum "Krieg"? Und was würde es bedeuten, wenn der Nato-Einsatz als "Krieg" bezeichnet würde? jetzt.de sprach mit Herfried Münkler*, Politikprofessor an der Humboldt-Universität in Berlin.



Ein deutscher Soldat in Kabul.


jetzt.de: Herr Münkler, Herr Jung nimmt vehement Abstand davon, bei den Vorkommnissen in Afghanistan von Krieg zu sprechen. Warum?
Herfried Münkler:
Die Tradition des deutschen Verständnisses von Krieg ist bei uns in hohem Maße mit der Erinnerung an den Ersten und Zweiten Weltkrieg verbunden. Auch wenn man die Kriege selbst nicht miterlebt hat, ist die Fülle der Bilder und Erzählungen präsent. In diesem Sinne kann man in Afghanistan nicht von einem Krieg sprechen. Es ist deshalb wichtig, mit dem Begriff nicht zu hausieren, sondern auf Ausweichbezeichnungen wie "Kampfhandlungen" zurückzugreifen. Würde man das unter dem gegeben Umstand unserer Assoziationen in Deutschland nicht tun, wäre die Reaktion noch viel stärker als bisher diese: "Dann lasst uns nachhause gehen." Das heißt: Jung möchte die politische Unterstützung für den Afghanistan-Einsatz nicht noch mehr schwächen und außerdem bestimmte Assoziationen beim deutschen Volk vermeiden.

Wie definiert man in Deutschland Krieg?
Nicht einheitlich. Ich habe zum Beispiel vorgeschlagen, den Begriff der "neuen Kriege" einzuführen und damit eine Abgrenzung zu unserer herkömmlichen Vorstellung zu ziehen. Damit könnte man eine moderne Art der Kriege bezeichnen, bei denen es kein Aufeinandertreffen größerer Gruppen mehr gibt, sondern sich alles in kleinen Hinterhalten und Scharmützeln abspielt. Der "große Krieg" ist schließlich ein historisches Auslaufmodell.

Warum spricht Herr Robbe von Krieg?
Sagen wir mal so: Herr Robbe ist nicht gerade ein Experte für präzise Begriffsverwendung. Und da man Krieg entweder als Sammelbegriff für jede Form der kämpferischen Auseinandersetzung oder eben eine bestimmte Form von Krieg, ähnlich der beiden Weltkriege, verwenden kann, hat er sicherlich ersteres gemeint. Wenn man bei ihm nachfragen würde, was er denn gemeint hat, käme bestimmt: "Sicherlich nicht so was wie den Zweiten Weltkrieg."

Handelt es sich bei dem, was gerade in Afghanistan passiert, um Krieg?
Man kann es als Kleinkrieg bezeichnen - in unterschiedlichen Gebieten und mit unterschiedlicher Intensität. In meinem Sinn wäre es ein neuer Krieg, aber kein klassischer Krieg, wie man ihn in Deutschland versteht. Wenn wir uns aber darauf einigen, dass Krieg eine Form des Aufeinandertreffens von bewaffneten Akteuren ist, die vom Hinterhalt bis zur großen Schlacht reichen kann, dann kann man auch hier von Krieg sprechen.



Herfried Münkler leitet den Lehrstuhl für Theorie der Politik am Fachbereich Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen Schwerpunkten zählen neben der Politischen Theorie und Ideengeschichte die Politische Kulturforschung und die Theorie und Geschichte des Krieges.


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afrirali 24.06.2009 | 20:37
wenn es in einem krieg darum geht, einen politischen willen mit gewalt durchzusetzen, dann sind die tätigkeiten der bundeswehr (und der anderen armeen in afghanistan) wohl durchaus als krieg anzusehen.

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Die_Eintagsfliege 24.06.2009 | 21:11
Boah, als gibt es nicht wichtigeres als sich um einen dämlichen Begriff zu streiten. Ob Konflikt oder Krieg. Wäre es ein gravierender Unterschied, wenn der VMinister nun von Krieg sprechen würde?

Das geht mir derbe auf den Wecker.
Was ist denn mit dem Dafur-Konflikt? Ist das auch Krieg? Oder ein Konflikt? Oder was anderes? Äthiopien? Ach, die Liste könnt' man endlos fortsetzen.

Bei dem schönen, wolkenlosen Wetter so sinnlose Diskussionen.
Ach ja, ich vergas, bin ja hier im Süddeutschen Raum. Da ist das Wetter ja beschissen^^

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Die_Eintagsfliege 24.06.2009 | 21:12
Korrekturblabla : [...]oder ein ANDERER Konflikt[...]

Ob Kampfhandlungen, Konflikt, oder Krieg. Ändert nichts an der Situation.

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yps_ohne_gimmick 25.06.2009 | 01:28
Aus aktuellem Anlass: Herfried Münkler hat sich vor ein paar Tagen in der FR dermassen um Kopf, Kragen und Kompetenz geschrieben, dass ich ihm auch zu seinem Kernthema Krieg kein Wort mehr abkaufe. Siehe Kommentare des jetzt.de-Blogstipendiaten(?) Markus Beckedahl: http://netzpolitik.org/2009/herfried-mue...

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Freiheitsliebe 25.06.2009 | 08:43
tot ist tot. ob "kampfhandlung" oder "krieg" wobei mueckler recht hat: die politik vermeidet diesen begriff krampfhaft, weil er zuviele negative emotionen aufweckt. im grunde genommen augenwischerei.

global war on terror koennte man egtl auch als 3. weltkrieg definieren: globale kampfhandlungen.

und warum meine freiheit am hindukusch verteidigt wuerde, konnte mir bisher noch niemand schluessig erklaeren.

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Freiheitsliebe 25.06.2009 | 08:54
man sollte also nicht die definition "krieg oder nicht krieg" diskutieren, sondern: was will man dort erreichen? für wen? welche (welt-) politischen hintergründe gibt es etc....dies ist, was in der öffentlichen debatte weitgehend fehlt. wie man sieht, macht dort die sz auch keine ausnahme.

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Freiheitsliebe 25.06.2009 | 08:55
bz. jetzt.de, wie ich gerade sehe. ich dachte, ihr habt alle abitur *g*

;)

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__xxx__ 25.06.2009 | 12:36
Mir tun die Soldaten und ihre Familien Leid, da sie nur wegen der Gier einiger machtbesessener Politiker und USA-Arschkriecher ihr Leben lassen müssen am Arsch der Welt wo sie weder was verloren haben noch wissen die wofür sie da genau kämpfen.

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__xxx__ 25.06.2009 | 12:37
"und warum meine freiheit am hindukusch verteidigt wuerde, konnte mir bisher noch niemand schluessig erklaeren."

Das ist ja klar, weil es auch keine plausible Erklärung gibt oder je geben wird.

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riesenherz 25.06.2009 | 13:13
Ehrlich , ich hätte nie gedacht, daß es in diesem Lande wieder solche diskussionen geben würde. Aber zwei kurze Generationen lang Verdrängung und schon wird das gräßliche Antlitz der kriegerischen Gewalt verhübscht. Acid.

Laßt die Kameraden Jung und Co. doch mal ein paar Monate den Aufbaueinsatz selbst mitmachen, dann überlegen sie sich auch das mit den Wörtern noch.

Lieber Herr Professor Münkler, "cui bono?" sollte doch die erste Frage sein, die politikinteressierte Menschen zu stellen lernen. Wem nützt die Einführung des Begriffes "neuer Krieg"? Gestorben wird imemr noch auf die altmodische Art, ziemlich erbärmlich. Durch friendly fire, durch schlechte Ausrüstung und völlig sinnlos. Aber dann tauchen schnell die demokratischen Totengräber auf und erklären den Fortgang ihres Treibens zum Sinntuning des Obsoleten. Erbärmlich auch diese Haltung.

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