23.06.2009 - 18:30 Uhr

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Gesichter hinter Gittern

In den Pariser Vierteln mit hohem muslimischem Anteil sind sie besonders gegenwärtig: In tiefschwarze Gewänder verhüllte Frauen. Präsident Sarkozy prangert sie als unfranzösisch an - einige Politiker fordern sogar ein Verschleierungsverbot für Frauen

Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.


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afrirali
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24.06.2009 - 18:15 Uhr
afrirali

@drossel: schön formuliert. :)

Ioana
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Mag ich Mag ich nicht

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24.06.2009 - 18:30 Uhr
Ioana

die burka ist erstmal an sich keine absage an die westliche kultur, sondern ein aus pakistan und afghanistan stammendes traditionelles kleidungsstück. dass es von unserer westlichen zivilisation als absage an unsere kultur oder als mittel zur unterdrückung von frauen gedeutet wird ist die andere sache. inwiefern diese deutung berechtigt ist eine diskussionssache, die sicher nicht mit einem aufgezwungenen gesetz gegen die burka gelöst werden kann.
abgesehen davon hält dich sicherlich niemand davon am mit ner maske auf der straße rumzurennen. deine sache ob du dich zum affen machst. solange du nicht in eine demo, bank oder radarfalle gerätst versteht sich. vermummungsverbot zieht nur bei demonstrationen. und nacktheit in der öffentlichkeit ist bei so ziemlich allen kulturen nicht toleriert.

diedrossel
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24.06.2009 - 19:49 Uhr
diedrossel

die burka definiert eine frau als das eigentum ihres mannes/ihrer familie, welches vor den blicken anderer geschützt werden muss. für mich als frau ist das ein angriff auf das allgemeine selbstbestimmungsrecht und das gleichheitsprinzip. punkt. wer die burka verteidigt, kann auch gleich weibliche beschneidungen verteidigen. es als eine freiwillige kleiderwahl gleich der frage, grüne schuhe ja nein darzuellt, die uns nichts angeht ist meiner ansicht nach blauäugig. solange die burka in der öffentlichkeit im westen akzeptiert wird, unterstützt man das system dahinter. man sagt dann, es ist nicht unser bier, was ihr mit euren frauen macht, es ist uns egal, was für eine parallelwelt ihr euch aufbaut. die burka zu verbieten ist meiner ansicht nach das signal, dass es nicht ok ist, frauen personen definieren, die kein selbstbestimmungsrecht haben und den männern gegenüber rechtfertigungspflichtig sind.
was wäre denn die folge? die hier angeführten argumente, dass man frauen dann gar nicht mehr aus dem haus lassen würde? wohl kaum, oder sollen auf einmal die männer die kinder zum kindergarten bringen? die alten zum arzt? das gemüse kaufen? I don't think so. wer meint, dass die ehre der familie beschmutzt wird, wenn die frau nicht vermummt rumläuft, dann viel spaß bei den alltagspflichten der frauen.

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24.06.2009 - 19:52 Uhr
diedrossel

Ioana sagte:
und nacktheit in der öffentlichkeit ist bei so ziemlich allen kulturen nicht toleriert.


tja, es wird auch in nahezu allen kulturen nicht toleriert, sein gesicht zu verdecken - es gilt als aggressiv und bedrohend.

afrirali
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24.06.2009 - 20:03 Uhr
afrirali

diedrossel sagte:
Ioana sagte:
und nacktheit in der öffentlichkeit ist bei so ziemlich allen kulturen nicht toleriert.


tja, es wird auch in nahezu allen kulturen nicht toleriert, sein gesicht zu verdecken - es gilt als aggressiv und bedrohend.


und in *unserer* kultur wird es nicht toleriert. und dabei mag es bitte bleiben.

Ioana
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25.06.2009 - 00:22 Uhr
Ioana

ich glaube ihr versteht nicht ganz: es geht an keiner stelle um die burka. das ist eine klamotte, die berechtigter oder unberechtigterweise mit ablehnung von menschenrechten assoziiert wird. ich persönlich würde es nicht mit beschneidung gleichsetzen, weil dass diese scheussliche praktik verharmlosen würde und weil die burka auch ein zugehörigkeitszeichen sein kann, aber gut, geschmackssache.
und darum geht es ja auch nicht. es geht um die art, wie zweitklassige politiker mit nutzlosen gesetzen die gesellschaft zu polarisieren, in eine minderheit, die immer noch dem toleranzideal hinterherschwelgt und der mehrheit, der alles genug ist und die jetzt hämisch grinsend zusieht wies den ganzen islamistischen machos mitsamt ablehnung der westlichen kultur an den kragen geht. ganz abgesehen davon, dass sarkozy mir nicht vorzuschreiben hat wie *unsere* kultur auszusehen hat, ist so ein "verbietet die burka!"-gesetz sicherlich auch ein toller weg die versäumnisse der integritätspolitik der letzten jahre zu kaschieren. denn so eine neue integrierung ist komplex und sensibel und in erster linie auf begriffen basierend, die ausgelutscht klingen. wie bildung. arbeit. dialog und diskussion. denn um die "armen frauen" gehts ja eh nie in der debatte. bis jetzt bekamen die ja von ihrer familie die burka aufs auge gedrückt, jetzt reisst sie ihnen halt der staat vom leib. was solls, die werden ja eh nie was zu sagen haben.

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25.06.2009 - 00:25 Uhr
Ioana

integrationspolitik, i´m sorry, zu spät, zu müde :)

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25.06.2009 - 00:33 Uhr
Ioana

afrirali sagte:
diedrossel sagte:
Ioana sagte:
und nacktheit in der öffentlichkeit ist bei so ziemlich allen kulturen nicht toleriert.


tja, es wird auch in nahezu allen kulturen nicht toleriert, sein gesicht zu verdecken - es gilt als aggressiv und bedrohend.


und in *unserer* kultur wird es nicht toleriert. und dabei mag es bitte bleiben.


unsere kultur ist um einiges komplexer als die meisten sich das ausmalen. beispielsweise kannst du heute mit verdecktem gesicht in der öffentlichkeit rumrennen und für den letzten irren gehalten werden, weil das verdecken von gesichtern in unseren kultur nicht gern betrachtet wird, aber du wirst dafür nicht öffentlich bestraft oder kurzerhand niedergeschlagen. wer irre sein will soll irre sein. das ist mittlerweile auch eine errungenschaft unserer kultur. um die frage ob diese vorteile oder nachteile bringt und in welchem masse gehts eigentlich im kern der ganzen diskussion und nicht in erster linie um dein verdecktes gesicht.

okkasionalsozialist
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25.06.2009 - 02:07 Uhr
okkasionalsozialist

Ich bin baff erstaunt, dass hier erwachsene Menschen sind, die anderen erwachsenen Menschen tatsächlich verbieten wollen, ihre Körper nach Lust und Laune zu verhüllen in der Öffentlichkeit – ich möchte mich auch verhüllen können. Was ich übrigens auch im Rahmen von Demonstrationen gestatten würde. Bis zu dem Zeitpunkt, ab dem von irgendwem Gewalt angewendet wird, muss Verhüllung erlaubt sein – ohne Wenn und Aber. Nichts ist eine größere Bedrohung für die Freiheit als ein Übermaß an Prävention.

Und dies mit kulturellen Usancen begründen, von denen in einer dynamischen Epoche wie der unseren keiner weiß, wie beständig sie sind, wäre sogar dann Unsinn, wenn kulturelle Usancen in einer aufgeklärten Gesellschaft überhaupt eine solche Rolle spielen dürften. Meiner Meinung gehört zu einer freien Gesellschaft aber keinesfalls eine Pflicht zur aktiven Anpassung oder gar Integration, sondern nur eine Pflicht zur Unterlassung von besonders unerwünschtem Verhalten. Aber sicher niemals in Hinsicht auf die Bekleidung von Personen, die sich bisher nichts zu schulden haben kommen lassen.

Netterweise ist man da derzeit in Deutschland offenbar liberaler als ihr, und selbst im gelegentlich eigensinnig gestrengen München gibt es noch keine ernsthaften Anzeichen dafür, den schwarzen Frauen ihr Gwand verbieten zu wollen.

Den Verdacht, dass es sich bei solchen Verhüllungen um Symbole der Unterdrückung handelt teile ich übrigens. Aber solange der Zwang dazu ein selbst gewählter oder sehr subtiler ist und physische Gewalt nicht nachgewiesen werden kann sehe ich hier keinerlei gerechte Eingriffsmöglichkeiten, die sich mit einem freiheitlichen Rechtsstaat vereinbaren lassen. Nur solche, die sich mit einem Rechtsstaat vereinbaren lassen, der in einem höheren Sinne auch sehr ungerecht sein kann. Ich fordere keine Toleranz – ich bin selbst nicht sehr tolerant. Aber Menschen müssen das Recht haben, sich zu kleiden, wie sie mutmaßlich wollen, ganz gleich ob wir tolerant sind oder nicht. Das Recht darauf muss so klar sein, dass sie erst gar nicht auf Toleranz angewiesen sind.

In diversen Hotels und Restaurants begegnen mir ja oft Gruppen mit einigen schwarzen Frauen, meist mindestens ein Dutzend Leute. Das Erstaunliche ist, dass einige (mutmaßlich jüngere, der Figur nach zu urteilen) Frauen (auch schon zum Teil Ehefrauen, das ist offensichtlich) in diesen Gruppen sich oft nicht mehr verhüllt zeigen und sie für meinen Geschmack sogar etwas zu betont sexy rumlaufen (aber das ist eine rein stilistische Kritik, von mir aus könnten sie auch nackert sein, geht mich einfach nichts an). Ob man das als Hinweis auf eine schleichende Liberalisierung interpretieren kann weiss ich nicht.

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