Pille Palle, alle pralle
Text: petra-ebenschwanger - Illustrationen: Katharina Bitzl
High von Bananenschalen und breit von Weihrauch: Welche skurrilen Drogenmythen stimmen wirklich? jetzt.de prüft dubiose Drogengerüchte auf ihren Wahrheitsgehalt.
Es gibt viele Gerüchte zu Drogen. Katzen-Urin schnüffeln soll angeblich total reinhauen - sagen zumindest Leute, die einen kennen, der einen kennt. Bananenschalen erst. Und Weihrauch! jetzt.de wollte wissen, welche Drogenmythen für immer Legenden bleiben werden und an welchen wirklich was dran ist. Geholfen hat uns der Pharmazeut und Drogenexperte Tibor Harrach. Er arbeitet als Lehrbeauftragter für pharmazeutische Chemie an der FU Berlin und hat die Berliner Initiative Drug-Checking Berlin-Brandenburg mitgegründet, die Mitte 2008 aus einer Arbeitsgruppe von Vertretern der Drogenarbeit hervorging. Die Initiative analysiert psychoaktive Substanzen auf ihre Zusammensetzung und Wirkstoffe, um potentielle Konsumenten vor gesundheitsschädlichen Präparaten warnen zu können. Ziel ist es, die Drogenaufklärung vor allem unter Jugendlichen zu verbessern und damit mögliche Gesundheitsschäden, Überdosierungen und Vergiftungen zu vermeiden. Auf den folgenden Seiten zitieren wir, soweit vorhanden, zu jeder vermeintlichen Droge Erfahrungsberichte aus einschlägigen Internet-Foren. Tibor Harrach ordnet anschließend die Wirkung des mythisierten Stoffes ein. jetzt.de rät dringend davon ab, die vorgestellten oder auch andere Stoffe im Selbstversuch zu testen! Tibor Harrach bringt schließlich deshalb Licht ins Dunkel, damit sich kein jetzt.de-Leser die Gesundheit verdirbt.
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Die mythisierte Droge:
Muskatnuss
Die Erfahrungsberichte:
Unbekannt, 18, Nordrhein-Westfalen: 15.30 Uhr: Ab zum Supermarkt und fünf Nüsse geholt. 15.40 Uhr: Drei davon zerhackt und durch die Kaffeemühle geschossen. 16.00 Uhr: Die gemahlenen Nüsse in ein Glas rein, ein bisschen Wasser drüber und getrunken. 16.30 Uhr: Mein Magen wird langsam immer wärmer...kann aber auch nur ein Placebo-Effekt sein. Lenk mich jetzt ein bisschen ab. Ich lese ein paar andere Erfahrungsberichte und chatte. 17.10 Uhr: Ich gehe zu meinem Kollegen, langsam fühle ich mich, als hätte ich mir einen geraucht. 17.30 Uhr: Stehe an der Haltestelle, das Dichtsein-Gefühl ist weg. Danach kam auch nichts mehr...schade. Das nächste Mal werde ich Salvia Divinorum (Aztekensalbei) ausprobieren.
Rene, 22: Im Gewürzschrank fand ich eine 35-Gramm-Dose gemahlene Muskatnuss. Davon hab ich 1/3 mit Wasser runtergeschluckt (ca 12gramm). Den ganzen Abend lang merkte ich nichts, nur kurz bevor ich ins Bett ging wurde mir etwas schlecht. Um zwei Uhr nachts bin ich aufgewacht mit einem wahnsinnstrockenen Hals. In der Küche holte ich mir ein Glas Wasser, ich fühlte mich total benebelt und sah seltsame Ringe vor den Augen. Am nächsten Morgen immer noch. Es war ein Rausch ähnlich dem von Alkohol, nur ohne die Euphorie, ich bekam kaum was mit. Als ich aufstehen wollte, zitterten meine Beine heftig, mir wurde schwarz vor Augen, also zurück ins Bett, aber es wurde immer stärker. Mittags merkte ich auf einmal, wie man Gesicht ganz taub wurde. Der benebelte Zustand dauerte noch bis zum nächsten Tag, das Taubheitsgefühl ging erst nach fünf Tagen weg. Fazit: Ich esse nie wieder Muskatnuss.
Unbekannt, 20: Ich habe bisher dreimal Muskatnuss ausprobiert. Die ersten zwei Male war es handelsübliches Muskatpulver, die Wirkung wahr eher schwach und kaum wahrnehmbar. Gestern habe ich dann bei uns daheim echtes, aber relativ altes Muskatnusspulver gefunden. Davon habe ich mir erstmal neun Gramm gegönnt. Nach etwa einer Stunde hatte ich leichte Probleme beim Sprechen, fühlte mich schwer, faul und gleichgültig, war aber ganz gut drauf und fand jegliche Musik auf meinem PC extrem geil. Nebenwirkungen gab es keine, nur ein schwaches Katergefühl.
Das sagt der Experte: Muskatnuss kann bei einer Menge zwischen fünf und 30 Gramm eine halluzinogene Wirkung hervorrufen. Der Grund dafür sind Abkömmlinge der Myristinsäure, die in der Nuss enthalten sind und einem Inhaltsstoff von LSD ähneln. Abgesehen davon führt der Verzehr von Muskatnüssen oft zu Übelkeit, Schwindel und Erbrechen.