18.06.2009 - 18:30 Uhr

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Stilogramm: Sie haben die "Bild" geschrumpft

Text: peter-wagner - Foto: Screenshot

In München gibt es seit Montag die "Bild" auf halber Größe. Ziemlich angenehm, weil das Format dem Blatt das Krawallige nimmt

Erst was man aufbläst, kann man sehen. So ist es mit Heißluftballons und der "Bild"-Zeitung. Viele, die den Namen des Blattes mit gespieltem Ekel nicht nennen wollen, reden von der „Zeitung mit den großen Buchstaben“. Das stimmt ja auch, man muss eine Weile suchen, ehe man Drucksachen auftreibt, die ihre Nachrichten auch mit 120 Punkt-großen Überschriften in die Welt blasen. Es ist anzunehmen, dass die "Bild" ihre deutschlandweite Wahrnehmung zu einem erheblichen Bruchteil der massigen Aufmachung verdankt. Die "Bild" liest man, weil sie optisch krass prellt. Vielleicht darf man auch gar nicht so sehr von "lesen" sprechen, man "schaut" sie ja eher. Aber diese Zeiten könnten bald rum sein. Der Springer-Verlag testet seit Montag in München eine neue Version der "Bild"-Zeitung. Sie ist nur noch halb so groß wie die herkömmliche Version und wird vor allem über Zeitungskästen, die sogenannten „stummen Verkäufer“ vertrieben. Das Ganze ist ein Versuch, sagt der Verlag. Das Ergebnis ist eine Zeitung im Tabloid-Format, die man in der U-Bahn auch neben kräftigen Menschen blättern kann. Die Frankfurter Rundschau erscheint zum Beispiel in dieser Größe.
Screenshot von der Website der Bildzeitung: Ein Redakteur mit der selben Ausgabe in zwei Größen. Abgesehen von der Tatsache, dass Bilder und Text einfach herunterskaliert wurden und nun angeblich selbst junge Münchner manchmal Probleme haben, die kleinen Meldungen zu lesen, gibt es zur Umstellung nicht allzuviel zu sagen. Nur eines fällt auf. Es ist sogar sowas wie eine kleine Erkenntnis, die sich nach mehreren Tagen einstellt, an denen man durch das Ding geblättert hat: Das Mini-Format entschärft die "Bild". Die schlagzeilige Wucht scheint sich in Luft zu lösen, einer Zeitung in diesem putzigen Format traut man das Krawallige nicht mehr zu. Fast eine Woche dauert der Verlagsversuch nun und man ist versucht zu glauben, die Verkleinerung des Boulevard-Blatts habe den öffentlichen Raum entschärft. Während einen die Titelzeile früher im Vorbeigehen anfiel wie ein Hund, muss man sich nun aktiv für sie interessieren, muss nah ran gehen. Die "Bild" hatte und hat in ihrer Machart immer etwas Eskalierendes an sich. Nehmen wir an, dass dieses eskalierende Moment nicht nur auf die boulevardesken Inhalte sondern tatsächlich auch auf die Aufmachung zurückzuführen ist, dann ist aus München von einer angenehmen De-Eskalation zu berichten. Es gibt einen Terrier weniger, der einen am Morgen ankläfft. Irgendwie ist das ganz nett und man wünscht sich das neue Format für's ganze Land, nach dem Prinzip: Form follows Inhalt.


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sonnenblumenmaler
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Mag ich Mag ich nicht

4

18.06.2009 - 18:59 Uhr
sonnenblumenmaler

Die Eskalation der Bild auf die Größe zu reduzieren halte ich für falsch.
Nicht die Größe, sondern der Inhalt ist das Problem dieser "Zeitung". Und der Inhalt bleibt auch wenn er kleiner gedruckt ist bestehen.

CommodoreSchmidtlepp
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Mag ich Mag ich nicht

18

18.06.2009 - 19:26 Uhr
CommodoreSchmidtlepp

Ach, das geht doch noch kleiner, vielleicht so klein, dass man sie nicht mehr lesen kann. Das würde ich begrüßen.

getupkid
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Mag ich Mag ich nicht

8

18.06.2009 - 20:25 Uhr
getupkid

CommodoreSchmidtlepp sagte:
Ach, das geht doch noch kleiner, vielleicht so klein, dass man sie nicht mehr lesen kann. Das würde ich begrüßen.


die BILD auf einem reiskorn!

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

4

18.06.2009 - 20:29 Uhr
ThomasCrown

ich stimme beiden vorpostern zu. ist es für einen journalisten etwa schon ausreichend, wenn die schlagzeilen kleiner werden, damit es nicht so krawallig wirkt? das foto oben zeigt doch schon das problem der boulevardzeitung bild. oder besser: das problem, das die boulevardzeitung bild darstellt. "mädchen, 13, angefahren und verwaltigt." vermutlich mit interviews des mädchen oder zumindest der eltern, vielleicht noch einem leider nicht verfremdeten oder gekürzten namen des opfers und darunter die obligatorische tittentussi mit frauenfeindlichem kommentar.

@autor: nochmal zum mitschreiben:
"Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun."

max goldt 2001, und es ist nicht ein wort davon seitdem unrichtiger geworden.

sonnigerdonnerstag
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Mag ich Mag ich nicht

1

18.06.2009 - 20:44 Uhr
sonnigerdonnerstag

weniger klopapier. shit.

kleinerheiner
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.06.2009 - 20:53 Uhr
kleinerheiner

"Irgendwie ist das ganz nett und man wünscht sich das neue Format für's ganze Land, nach dem Prinzip: Form follows Inhalt."

Den Schluß des Artikels verstehe ich dann gar nicht mehr. Die Form followt dem inhalt ja gar nicht. Das alte Format war doch viel passender für diese Art von "Inhalt". Und wie soll das ganze Land folgen? Für ein Deutschland, das von Marseille bis Novosibirsk reicht? Oder nur von Passau nach München? Fragen über Fragen zu diesem missglückten Artikel. Aber eins muss man dem Autor lassen: Die Headline ist ganz ok. Fang doch einfach bei deiner neuen Lieblings-Zeitung an, Peter!

TomJones
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Mag ich Mag ich nicht

-6

18.06.2009 - 21:05 Uhr
TomJones

Max Goldt ist doch nur neidisch, dass er seine Zielgruppe nicht so groß ist wie die der Bild, denn ähnlich krawallig ist er doch auch. Braucht nur länger, um aufn Punkt zu kommen.

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

1

18.06.2009 - 21:08 Uhr
ThomasCrown

ein polemischer, sprachlich wohlbedachter stil ist etwas anderes als menschenverachtender krawall.

rotfront
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Mag ich Mag ich nicht

8

18.06.2009 - 21:14 Uhr
rotfront

wie man zu soner schlagzeile sooo blöd grinsen kann, wird mir ein rätsel bleiben...

arunda
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.06.2009 - 09:40 Uhr
arunda

rotfront sagte:
wie man zu soner schlagzeile sooo blöd grinsen kann, wird mir ein rätsel bleiben...


mir auch. schlimm schlimm.

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peter-wagner unbekannt

peter-wagner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


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