Hommage an Brandon Flowers
Text: ally1983
Ein schwarzes Rechteck: mein Fernseher.
Der Sender: MTV [als dort noch Musik lief.]
Das Lied: 'Somebody Told Me' von den Killers.
Dieser Kontrast vor meinem Fenster, neonfarbene Energie, eine gewisse Melodie. Diese Stimme. Eine unterschwellige Sehnsucht.
Lethargisch auf meinem Bett hörte ich sie zum ersten Mal.
Wie man sich an so etwas erinnert, wie man alles andere vergisst.
Das Jahr, das sich dem Ende zuneigte und zuviel Schmerz, zuviel Trauer, zuviel Einsamkeit in den Armen hielt, schwer wog all das auf 2004. Es ging unter, a sunset on the eastside.
Ich hielt das Album in der Hand, es hatte ein blaues Cover, hellblau mit Hochhäusern darauf, nur die oberen Stockwerke konnte man sehen, größtenteils den Himmel. Und so begann ich, mich auf den Himmel zu konzentrieren.
2005 war ich 21. Es war immer noch dunkel, es war Winter.
Ich saß im Auto und wir fuhren in die große Stadt, wir wollten tanzen, um nicht reden zu müssen und es war kalt, so kalt in meinem Herzen.
'Jealousy,
turning saints into the sea,
swimming through sick lullabies,
choking on your alibis...'
Der Junge sagte, er sei Mr. Brightside.
Aber das glaubte ich nicht.
Brandon Flowers sang, und nur er hielt mich davon ab, schlimme Dinge zu tun.
Später tat ich schlimme Dinge und er war immer noch da und jetzt sang er:
'And I won't forget you
at least I'll try
And run, and run tonight
everything will be alright'.
Und das, das glaubte ich.
So unmöglich es auch klang, ich war überzeugt davon, dass es stimmte.
I never knew, I never knew.
Etwas später saß ich mit Simone am Bahnhof an einem drückend heißen Sommertag, wir hatten uns verloren und wieder gefunden. Hör dir das an, zur Hölle, sagte ich.
Es war eine b-seite, die ich eben entdeckt hatte.
'I gotta tell ya
I'll make it better
but I know there's something I needed to say...'
Wir schwiegen. Nach so einem Lied konnte man ja nur schweigen.
Ich dachte: 'Dieses Gefühl, ich muss los und es suchen gehen.'
Viel später lief ich durch Rom, es war Spätsommer, ein Spätsommer der nie zuende ging. Meine Gedanken nahmen den falschen Bus, wie immer wie immer. Ich wusste also nicht wo ich mich befand, aber es war okay. Denn ich brauchte keinen Plan.
Es war eine warme Nacht und ich stand in einem Club. Ich war alleine mit allen, aber ich liebte jeden Einzelnen von ihnen, als das Glück, das ich spürte, von ihren Gesichtern reflektiert wurde, als über allem, den Jungen und Mädchen, dem DJ, den Insekten, der Hitze seine Stimme erklang, hoch bis in den Himmel, mindestens.
'You sit there in your heartache...'
Und ich weiß noch, dass ich dastand mit einem warmen Bier in der Hand und einem viel zu teuren Gin Tonic im Blut und mich in diesem Moment unendlich jung fühlte. Mindestens.
Ich war arm und brauchte die Musik,
mehr als Sauerstoff vielleicht und ich ging Tag zu Feltrinelli's, um dort in der CD-Abteilung zum ersten Mal 'Sam's Town' zu hören.
'Nobody ever had a dream round here,
but I don't really mind that it's starting to get to me...'
Diese atemlosen ersten Zeilen, ich fiel beinahe um und in den Stapel mit den Billigangeboten. Nein, das wollen wir doch nicht, hoch hinauf muss es gehen.
'I've got this energy beneath my feet
like something underground's gonna come up and carry me,
I've got this sentimental heart that beats...'
'ARRGH!!', schrie ich fast. Woher wusste Brandon Flowers das nur?
Es zerriss mich beinahe, es war zuviel. Ich kam bis zur Hälfte von
'For Reasons Unknown', dann musste ich fliehen, ich floh vor der Musik und diesen unglaublichen Wahrheiten, sie verfolgten mich aber und quetschten sich gerade noch mit mir in die Linie 87.
Verdammt!
Natürlich kam ich zurück.
Jeden Tag drückte ich mich dort herum, jeden Tag zog es ein bisschen mehr an meinem Herzen. Da wusste ich, dass es für immer war. Es tat weh und es ließ mich verzweifeln und hoffen und durchhalten.
Ich vergab Brandon Flowers ALLES.
Naja, außer seinem Bart.
Vor einiger Zeit lief ich mit Judith durch Köln.
Ich fühlte so viel und sagte nur Unsinn, aber niemals werde ich es vergessen. Wir, die einzigartigen Idioten.
Wir tranken Bier, zerschlugen Flaschen und riefen laut in die Nacht:
'Away,
away,
oh run,
under the heat of the southwest sun'.
Wir waren nicht allein. Ich sah in den Himmel, an dem die Sterne kitschig funkelten, fast so kitschig wie 'Day & Age', aber Kitsch, dachte ich, hatte mich schon immer ruiniert.
Und ich stand in dieser Halle, letzten Monat, ich stand da und ich sang, es war ein Lied mit Tausenden von Strophen, die alle ineinander übergingen und meine Gedanken tanzten im richtigen Bus, und sie fielen nichtmal um. Ich tanzte mit dem Jungen, mit Simone, mit Judith, mit Luca, mit Doreen und mit Anna.
Ich war im Auto, auf MTV, in Italien, auf der Straße, in meinem Bett.
'When there's nowhere else to run
is there room for one more song...'
Danke.
Whatever happens-
'it's not so bad
it's not so bad.'
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1
15.06.2009 - 22:43 Uhr
tatjana_traurig