15.06.2009 - 18:30 Uhr

0 20 Über Twitter weiterempfehlen

Zu Besuch beim Löwen

Text: evi-lemberger

Seit fast 15 Jahren übersetzt die Website dict.leo.org kostenlos Wörter

Schweinegrippe heißt auf Spanisch „gripe porcina“ und „burbuja inmobiliaria“ bedeutet Immobilienspekulationsblase. Obwohl es diese Wörter erst seit kurzem gibt, lässt sich das ziemlich leicht herausfinden. Dank Xiomara Molina-Romero. „Das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Wörterbüchern“, sagt sie. „Wir reagieren sofort auf Wortneuschöpfungen.“ Die 23-jährige Halbchilenin versorgt zusammen mit einer spanischen Kollegin den Wortschatz mit Neuzugängen wie zum Beispiel „Schweinegrippe“. Xiomara schreibt gerade an ihrer Bachelor-Arbeit, nebenher arbeitet sie Teilzeit bei LEO als Übersetzerin. Außerdem kümmert sie sich seit knapp einem Jahr darum, die Verben des Deutsch-Spanisch-Wörterbuchs von LEO mit Zusatzinformationen zu versehen. Mittlerweile ist Xiomara beim Buchstaben „S“ angelangt.
Überall sitzen Löwen LEO ist ein bilinguales Online-Wörterbuch, das französische, englische, italienische, spanische, chinesische und bald russische Wörter ins Deutsche und wieder zurück übersetzt. LEO wurde 1994 von Studenten und einigen Betreuern als Dienstleistung von TUM, LMU und LRZ (Leibniz Rechenzentrum) ins Leben gerufen, seit 2006 ist es eine GmbH mit Sitz in Sauerlach, einem Vorort von München. Knapp 20 Personen arbeiten hier als Übersetzer und Informatiker. Die Seite gehört zu den erfolgreichsten Online-Wörterbüchern der Welt: Allein für das englisch-deutsche Wörterbuch gibt es im Schnitt zehn Millionen Abfragen pro Werktag. Genutzt wird LEO von Menschen auf der ganzen Welt. „Viele unserer Nutzer leben zum Beispiel in Südamerika“, sagt Xiomara. „Dort gibt es viele deutsche Schulen und irgendwann haben die Schüler angefangen, LEO zu benutzen.“ 565 000 Einträge umfasst alleine das Wörterbuch Deutsch-Englisch. Viele dieser Einträge stammen aus Wortschatzschenkungen von Firmen oder Privatpersonen, andere aus Vorschlägen, die in den Nutzerforen gemacht werden. Die Einträge werden später in den Foren von Usern diskutiert. So verfeinert und erweitert sich das Wörterbuch von selbst mit der Zeit. Es gibt sogar LEO-Stammtische, die sich im Internet verabreden und dann im realen Leben treffen. Die Büroräume der Firma sind nüchtern, weiß mit roten Türrahmen, klare Linien dominieren in dem modernen Bürozweckbau. Insgesamt fünf verschiedene Räume, in denen übersetzt, programmiert, geplant und gekocht wird. Überall stehen Löwen herum, manche sind aus Plüsch, andere aus Plastik, einer ist sogar vergoldet. In dem ersten Raum links neben der Eingangstüre sitzt Kili. Kili, der eigentlich Hans Riethmayer heißt, ist der Chef von LEO. Er hat das Projekt mit aufgebaut. Anfangs hieß LEO „Isar“ (Informationssysteme und Archiv München), doch nachdem es rechtliche Probleme mit diesem Namen gegeben hatte, entschied man sich für das Kürzel: „Link Everything Online“. So kam der Name LEO zustande. Das Wörterbuch sei eher zufällig entstanden, erzählt Kili. Anfangs bestand es aus einem mehrteiligen Softwarearchiv, das Online Guitar Archive (OLGA) und die Internet Movie Database (IMDb). Musik und die Filme verschwanden aus Copyright-Gründen, das Wörterbuch blieb bestehen. Die meisten der in den Anfängen an ISAR und LEO beteiligten Studenten und Mitarbeiter arbeiten mittlerweile in anderen Betrieben. Wörter statt Bilder Seit kurzem bietet LEO sogar Übersetzungen von und ins Chinesische an. Neben der Einspeisung von über 80 000 Wörtern musste auch das Übersetzungsprogramm umstrukturiert werden. Sehr schwierig sei es gewesen, mit den verschiedenen Varianten der Schreibung einer Silbenschrift zurecht zu kommen Die Betreiber wissen, dass man die Zeit nicht anhalten kann und sie sich den aktuellen Entwicklungen des Internets auch in Richtung Layout anpassen müssen. Äußerlich hat sich LEO nämlich in den letzten Jahren kaum geändert: So macht die Website optisch fast einen altmodischen Eindruck. Zwar melden sich immer wieder User zu Wort, die das Layout bemängeln. Gleichzeitig aber loben viele die Benutzerfreundlichkeit und Effizienz. „Schließlich kommen die Besucher nicht zu uns, um mit bunten Bildern unterhalten zu werden“, sagt Kili.


Neue Magazin-Texte:
Textoptionen
Mehr Texte von
evi-lemberger
Mehr Texte zum Label
jetztgedruckt
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
20 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

nelo
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

16.06.2009 - 09:24 Uhr
nelo

soeren_preibusch sagte:
kein Wort über dict.cc?


hab ich mir auch gedacht!

arunda
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.06.2009 - 09:27 Uhr
arunda

synonyme findet man besser unter thesaurus.com (englisch)

alces
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.06.2009 - 09:30 Uhr
alces

Leo ist schon eine tolle Sache, keine Frage. Früher hatte man oft den Eindruck, es sei von Ingenieuren für Ingenieure gemacht, aber das ist jetzt weitestgehend verflogen. Dicker Dank an die Macher dahinter!

der_neue_orhe
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.06.2009 - 11:00 Uhr
der_neue_orhe

ich liebe leo.

soylentyellow
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.06.2009 - 11:40 Uhr
soylentyellow

"Wortschatzschenkungen "

Wie abe ich mir eine solche Wortschatzschenkung vorzustellen?

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

16.06.2009 - 11:43 Uhr
soylentyellow

sehr schön ist auch www.howjsay.com, da kann man sich englische Worte vorlesen lassen, was sehr nützlich ist da Schreibweise und Aussprache im Englischen nicht sehr viel miteinander zu tun haben.

hinez
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.06.2009 - 13:51 Uhr
hinez

Aber imdb gibts doch trotzdem noch...
Wurde denen die Marke abgekauft?

milagro
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

16.06.2009 - 15:05 Uhr
milagro

soylentyellow sagte:
sehr schön ist auch www.howjsay.com, da kann man sich englische Worte vorlesen lassen, was sehr nützlich ist da Schreibweise und Aussprache im Englischen nicht sehr viel miteinander zu tun haben.

kann man bei leo auch.
ich arbeite sehr gerne mit leo, vor allem weil man da alle mir zum. gebräuchlichen sprachen auf einen blick hat.

Nama
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.06.2009 - 16:14 Uhr
Nama

Super ist ja auch, dass das alles nichts kostet und man sich auch nicht registrieren muss, um im Forum zu schreiben.

Aber wie finanzieren die sich eigentlich?

Nemolein
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

28.06.2009 - 17:36 Uhr
Nemolein

Ganz einfach, die Finanzierung läuft über die Werbung auf den Seiten.

Und bezüglich Phrasen übersetzen gibt es bei LEO das Forum, da bekommt man mit etwas Kontext auch direkt die Beste Formulierung, nicht nur eine Maschinenübersetzung.

Diese Kombination aus Online-Wörterbuch und Sprachforum ist meiner Meinung nach die Essenz von LEO und genau das macht dieses Angebot so toll.

Zurück Seite 1 2

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

evi-lemberger offline

evi-lemberger

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.