12.06.2009 - 18:45 Uhr

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Zum Beispiel: Aktiv werden

Text: klaus-werner-lobo - Foto: dpa

Er hat das "Schwarzbuch Markenfirmen" geschrieben, in "Uns gehört die Welt!" erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Globalisierung plastisch. Heute die letzte Folge mit der Aufforderung: Jetzt du!

Vor einigen Wochen habe ich vier Vorschläge gemacht, was jeder ganz persönlich tun kann. Die letzte Folge dieser Kolumne soll nun ein paar konkrete Beispiele für Aktionen zeigen – als Anregung und zur Ermutigung für eigene Ideen: In vielen Städten veranstalten junge Menschen so genannte Globalisierte Stadtführungen: Mit der gemeinsamen „Besichtigung“ von H&M, McDonald’s und anderen Läden klären sie zum Beispiel Schulklassen vor Ort über ökologische und soziale Missstände in den Produktionsketten der großen Markenfirmen, aber auch über Alternativen wie den Fairen Handel auf. Sie informieren dort mitten im Geschäft über das, was nicht auf den Etiketten steht: Kinderarbeit, Niedrigstlöhne und andere Formen globaler Ausbeutung. In England gibt es eine Gruppe junger Menschen, die den Spaß noch weiter treibt: Sie pilgern in die großen Shoppingcenter und knien inbrünstig betend vor den dort angebotenen Markenartikeln nieder. Damit wollen sie auf satirische Weise öffentlich machen, wie sehr sich diese Einkaufstempel längst zu den Heiligtümern der modernen Konsumgesellschaft hochstilisiert haben.
Eine meiner Lieblingsaktionen fand statt, nachdem ich mit einer Gruppe Jugendlicher im Saarland einen Workshop gehalten hatte. Ich hatte ihnen von westafrikanischen Kindersklaven in der Kakaoernte für Firmen wie Kraft, Nestlé und andere erzählt. Die Kids waren stinksauer. Und sie wollten was tun. So entstand die Idee, KonsumentInnen über die Zustände in Afrika zu informieren. Wir kauften Klebeetiketten, auf die wir folgenden Text druckten: „Verbraucherinformation der Schokoguerrilla: Der Kakao für dieses Produkt wurde von Kindersklaven geerntet. Weitere Infos: markenfirmen.com. Auf diese Homepage stellten wir kurzfristig detaillierte Hintergrundinfos. Dann schwärmten die Jugendlichen aus, um die Aufkleber in allen örtlichen Supermärkten auf jedes Kakao- und Schokoladeprodukt zu kleben. In einem Geschäft wurde die selbsternannte „Schokoguerrilla“ vom Kaufhausdetektiv erwischt. Doch sie waren gut vorbereitet: Wir hatten diesen Fall bereits vorher in Rollenspielen geprobt. Die Kids hielten dem erstaunten Wachmann einen Kurzvortrag über die Produktionsbedingungen an der Elfenbeinküste, worauf dieser sagte: „Eigentlich habt ihr recht“. Am nächsten Tag klebte die „Verbraucherinformation“ noch immer auf allen Milka- und KitKat-Riegeln. Natürlich ist es nicht legal, Produkte zu bekleben und damit das schöne Image glücklich weidender lila Kühe zu zerstören. Aber ist es denn legitim, sechsjährige Kinder für die Profite der Schokoladenkonzerne auszubeuten und sie an Hunger qualvoll sterben zu lassen, nur weil diese Ausbeutung mangels global gültiger Gesetze legal ist? Im deutschen Gorleben versuchen AtomkraftgegnerInnen regelmäßig, den Transport von Atommüllbehältern zu blockieren. Umweltgruppen wie Greenpeace besetzen Ölplattformen, Chemiefabriken oder Kraftwerksgelände. Da AsylwerberInnen oft unschuldig verhaftet werden, nur weil sie im „falschen“ Land zur Welt gekommen sind, bemühen sich AktivistInnen Greenpeace, ihre Abschiebung zu verhindern. In ärmeren Ländern besetzen landlose Bauern und Menschen aus den Elendsvierteln ungenutzte Ländereien von GroßgrundbesitzerInnen, um dort Landwirtschaft zu betreiben. Und auch bei uns finden manchmal Besetzungen leerstehender Häuser statt, etwa wenn die nur zu Spekulationszwecken dienen. Bei Aktionen, die die Grenzen des gesetzlich Erlaubten überschreiten, ist es besonders wichtig, auf Verhältnismäßigkeit und gute Kommunikation zu achten, um die Unterstützung der Bevölkerung nicht zu verlieren. Der Managementforscher Bernhard Mark-Ungericht erklärt, dass „begrenzte Regelverletzungen, Gesetzesbruch also, beim Durchschnittsbürger keineswegs emotionale Abwehr erzeugen“, wenn es um übergeordnete Ziele – also etwa Menschenrechte oder Umweltschutz – geht. Als in Frankreich infolge der Wirtschaftskrise Konzernmanager von den Belegschaften kurzfristig als Geiseln genommen wurden, um Massenkündigungen zu verhindern, wurde von rund der Hälfte der FranzösInnen als legitim betrachtet. Wenn die Welthandelsorganisation ohne jegliche demokratische Legitimation entscheidet, in der EU den Anbau gentechnisch veränderter Lebensmittel zu gestatten, obwohl dies von der Mehrheit der europäischen Bevölkerung abgelehnt wird, dann wird es von vielen auch als legitim angesehen, wenn AktivistInnen auf Gentechfelder gehen und dort Setzlinge ausreißen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Organisationen wie Attac oder Greenpeace, aber auch Gewerkschaften, Schulen, Vereine und kurzfristig gebildete Initiativgruppen lassen sich immer mehr und immer kreativere Ideen einfallen, wie man die Öffentlichkeit über die katastrophalen Auswirkungen unseres ausbeuterischen Wirtschaftssystems informieren kann. Da kann man einfach mitmachen oder sich für spontane Initiativen mit dem eigenen Freundeskreis inspirieren lassen. ***
Klaus Werner-Lobo ist Autor und Clown. Sein neuestes Buch heißt „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“, seine Website ist unsdiewelt.com


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der_ingenieur
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.06.2009 - 21:28 Uhr
der_ingenieur

>> nur weil diese Ausbeutung mangels global gültiger Gesetze legal ist?

Tja, haetten damals die Aliierten nicht... bzw. haetten wir damals nur keinen 2-Frontenkrieg angezettelt, sondern eine Front nach der Anderen bearbeitet.

fraeuleiningeborg
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Mag ich Mag ich nicht

5

12.06.2009 - 21:49 Uhr
fraeuleiningeborg

Ja super, begeht Straftaten, liebe Kinder, der Herr Lobo zahlt euch dann den Anwalt.

Luftveraenderung
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Mag ich Mag ich nicht

-4

13.06.2009 - 11:05 Uhr
Luftveraenderung

fraeuleiningeborg schrieb:"Ja super, begeht Straftaten, liebe Kinder, der Herr Lobo zahlt euch dann den Anwalt."
--> Warum regst du dich so darüber auf ? Wer entscheidet denn was eine Strtaftat ist? Der Rechtsstaat? Der duldet dann die Ausbeutung unschuldiger Menschen durch Unternehmen, aber wenn ein Greenpeaceaktivist auf einem Genfeld Setzlinge rausreißt ist das hochkriminell oder was?
Etwas verändern heißt auch das wir das System in Frage stellen müssen und manchmal muss man dann halt auch gegen das System handeln und Regeln brechen! Es darf nur ein bestimmtes Maß nicht überschreiten,dass ist ebenso wichtig!!!

TomJones
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Mag ich Mag ich nicht

2

13.06.2009 - 11:11 Uhr
TomJones

Luftveraenderung, wenn ein Aktivist Setzlinge rausreißt ist das für mich nicht hochkriminell, aber kriminell auf jeden Fall. Die Setzlinge gehören nicht ihm und er hat kein Recht, mit denen IRGENDWAS zu machen.
Was würdest du sagen, wenn jemand bei dir einfach was kaputt macht?

Die "Ausbeutung unschuldiger Menschen durch Unternehmen" ist ein ziemlicher Allgemeinplatz. Dazu kann man nix sagen eigentlich. Was hat Schuld oder Unschuld mit Arbeitsverhältnissen zu tun? Und naja, streng genommen, niemand wird zur Arbeit gezwungen...

Luftveraenderung
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.06.2009 - 11:29 Uhr
Luftveraenderung

Ja da hast du ja auch recht, es ist kriminell. Genauso wie das bekleben von Schokoriegeln. Aber zum Beispiel das Bekleben von diesen Riegeln hat für mich auch etwas ehrliches. Schon klar das man das beim Rausreißen von Setzlingen nicht soeinfach sagen kann. Ich meine nur das man wenn man etwas verändern möchte manchmal auch an die Grenzen der Kriminalität gehen muss. Meiner Meinung nach kommt aber das bekleben von Schokolade mit seinem Kriminellen Potential nicht an das Kriminelle Potential von Schokoklladenfirmen heran! Wir müssen manchmal ein wenig kriminell sein um dadurch das große Kriminell aufzudecken.
Achso ja und zur Ausbeutung unschuldiger Menschen durch Unternehmen könnte ich dir ziemlich viel sagen zu viel sogar um es hier aufzulisten ,daher diese sehr starke Verallgemeinerung.Aber was hier alles gemeint ist müsste dir eigentlich klar sein.

Was willst du eigentlich damit sagen keiner wird zur Arbeit gezwungen? Das ist mir echt zu gutgläubig. Es ist nimmlich falsch. wenn Kinder verschleppt werden und wie Sklaven zur Arbeit in Steinbruchen, Nähereien oder wo auch immer ,auch hier gibt es wieder tausende zu nennende Beispiele , gehalten werden dann können sie nicht aufhören dann ist das Zwang oder nicht?

TomJones
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Mag ich Mag ich nicht

2

13.06.2009 - 12:00 Uhr
TomJones

Was meinst du denn mit dem kriminellen Potential von Schokoladenfirmen? Die Kakao-Mafia? Hehe.

Ich finde die von dir angedeutete Selbstjustiz nicht akzeptabel. Wieso sollten sich Leute über das Gesetz hinwegsetzen dürfen, bloß weil ihnen was gegen den Strich geht? Das sehe ich nicht so ganz ein.

Deine Sozialromantik was Arbeitsverhältnisse angeht ist mir doch etwas zu einfach, ehrlich gesagt.

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Mag ich Mag ich nicht

1

13.06.2009 - 12:00 Uhr
TomJones

Wobei Zwangsarbeit selbstverständlich nicht zu tolerieren ist.

fraeuleiningeborg
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Mag ich Mag ich nicht

3

13.06.2009 - 12:21 Uhr
fraeuleiningeborg

@luftveränderung: Nur für den Fall, dass es dir entgangen sein sollte: Der Rechtsstaat sind [i)wir.
Außerdem finde ich es etwas merkwürdig, zum Zerstören fremden Eigentums aufzurufen, ohne gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass man sich dadurch eine Haufen Ärger einhandeln kann. Das findet nämlich nicht jeder "legitim".

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

6

13.06.2009 - 13:14 Uhr
JoergAuch

Der Autor spricht einige Dinge an, die tatsächlich anklagenswert sind, wie z. B. Kinderarbeit und Ausbeutung. Fragt sich nur, ob es besser ist, wenn er selbst auch Kinder für seine Zwecke einspannt und sie zu Straftaten auffordert.

Und natürlich ist es ein Verbrechen, Setzlinge aus Feldern rauszureißen. Das wird auch nicht dadurch gerechtfertigt, dass man Gentechnik als "böse" ansieht. Mit dem gleichen Recht könnte ich auch Bio-Apfelbäume vom Bauern im nächsten Dorf absägen, weil ich vielleicht denke, Demeter-Landwirtschaft sei eine esoterische Schweinerei und deswegen "böse".

nordzucker
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Mag ich Mag ich nicht

1

13.06.2009 - 19:09 Uhr
nordzucker

@fraeulein: vielleicht sind die kinder ja noch keine 14 jahre alt...

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