05.06.2009 - 18:30 Uhr

0 75 Über Twitter weiterempfehlen

Zum Beispiel Rinderzucht: Kühe, die subventionierten Klimakiller

Text: klaus-werner-lobo

Er hat das "Schwarzbuch Markenfirmen" geschrieben, in "Uns gehört die Welt!" erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Globalisierung plastisch. Heute: Was unser Fleischkonsum mit dem Hunger der Armen zu tun hat

Was haben Adidas, Aldi, BMW, Carrefour, Clarks, Gucci, Honda, IKEA, Lidl, Makro, Nike, Reebok und Timberland mit Kühen zu tun? Und was mit dem Klimawandel? Sie alle wurden diese Woche von Greenpeace beschuldigt, zu einem erheblichen Teil mitschuld an der Abholzung brasilianischer Regenwälder zu sein. Der Grund: Sie alle profitieren in der einen oder anderen Form von der Viehzucht im Amazonasgebiet. Und die ist, so Greenpeace, einer der größten Klimakiller der Welt. Vor allem, weil dafür – meist illegal – Tropenwälder für Weideflächen gerodet werden. Bis vor kurzem war es vor allem McDonald’s, der als weltgrößter Fleischverbraucher zuerst wegen der Rinderzucht und später wegen der Futtermittelgewinnung für Rinder in Form von Sojaplantagen für die Abholzungen verantwortlich gemacht wurde. Durch öffentlichen Druck konnte Greenpeace die Fastfoodkette dazu zwingen, wenigstens in den ökologisch sensibelsten Gebieten auf Rodungen zu verzichten. Aldi, Lidl und Makro hingegen verkaufen laut Greenpeace noch immer Fleisch von illegalen Farmen im Amazonasgebiet. Und der Rest der genannten Firmen profitiere vom Leder der dort gezüchteten Tiere, so die Umwelschützer in ihrem aktuellen Bericht Slaughtering the Amazon. Das werde nämlich zum Großteil nach China, Italien und Vietnam. Und dort lassen die großen Marken dann auch für den europäischen Markt produzieren. Brasilien ist nach China, den USA und Indonesien der viertgrößte Treibhausgas-Emittent der Welt. Drei Viertel der brasilianischen Emissionen sind auf die Zerstörung des Amazonas-Urwaldes zurückzuführen. Bis zum vergangenen Sommer wurden 74 Millionen Hektar komplett vernichtet - fast ein Fünftel der ursprünglichen Fläche. 80 Prozent davon werden für die Viehzucht genutzt. Auf vielen Farmen herrschen sklavereiähnliche Arbeitsverhältnisse. Allein 2008 wurden in Brasilien 1.600 SklavInnen befreit. Im Vorjahr exportierte Brasilien Rindfleisch im Wert von 5,1 Milliarden und Leder im Wert von 1,9 Milliarden Dollar – Tendenz steigend. Die Rinderzucht – und damit auch der Fleischkonsum bei uns – ist aber nicht nur wegen der Waldvernichtung problematisch. Ein Fünftel der brasilianischen Ackerfläche wird bereits für den Anbau von Tierfutter für die EU-Länder verwendet. „Die Rinder der Reichen essen das Brot der Armen“, lautet deshalb ein Spruch, der die Situation realistisch beschreibt. 1,3 Milliarden Rinder werden auf der ganzen Welt für die Fleischgewinnung gemästet. Rund die Hälfte des weltweiten Getreideanbaus ist der Viehfutterproduktion vorbehalten - das sind jährlich 600 Millionen Tonnen. Würde man dieses Getreide nicht für die Fleischgewinnung, sondern als Lebensmittel nutzen, könnten damit zehnmal soviele Menschen ernährt werden. Man bräuchte also lediglich ein Zehntel der landwirtschaftlichen Fläche, um genauso viele Menschen täglich satt zu machen. Der Fleischkonsum in den reichen Industrieländern ist also die Hauptursache für den Hunger der Armen. Außerdem tragen die Viecher auch selbst zum Klimawandel bei. Der Grund: Rinderfurze. Also das Methangas, das den Mägen der Wiederkäuer während der Verdauung entweicht. Man schätzt, dass das von Nutztieren ausgeschiedene Methan gemeinsam mit überdüngten Feldern für 18 Prozent der Treibhausemissionen verantwortlich ist. Rechnet man die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Nutzflächen hinzu, steigt der Anteil sogar auf über 30 Prozent. Etwa 85 Prozent der Klimabelastung durch die Landwirtschaft entfallen auf die Fleischproduktion. Jedes Tier stößt pro Tag rund 100 bis 200 Liter Methan aus, was über 4.000 Gramm Kohlendioxid entspricht. Das wiederum ist ungefähr so viel, wie ein durchschnittlicher Geländewagen auf einer Strecke von 70 Kilometern verursacht. Die EU fördert diese Entwicklung noch mit hohen Subventionen: zwei Euro werden täglich für jede Kuh ausgegeben, also mehr Geld, als der Hälfte der Weltbevölkerung zum Leben zur Verfügung steht. ***
Klaus Werner-Lobo ist Autor und Clown. Sein neuestes Buch heißt „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“, seine Website ist unsdiewelt.com


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
klaus-werner-lobo
Mehr Texte zum Label
Zum_Beispiel
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
75 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

MorbusBahlsen
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

-1

08.06.2009 - 01:26 Uhr
MorbusBahlsen

okka, da du den drüberstehenden Beitrag explizit nochmals ganz zitierst, muss ich annehmen, dass du dich in deiner Antwort nur auf diesen beziehst. Was du hättest rauslesen sollen, ist, dass der elitäre Kreis, zu dem du dich rechnest, den anderen wider besseren Wissens ihre Unwissenheit vorhält, wenn auch nicht explizit, sondern hauptsächlich dadurch, dass eben gesagt wird, die einfache Lösung zu allen Problemen (und das auch noch gleichzeitig) sei Radikalismus in einer bestimmten Weise, zu dem die Mehrheit ja gar nicht fähig sein kann. Das enge Spektrum der Vernünftigkeit hast du dir allerdings selber damit aufgebürdet, dass du der Mehrheit die Vernunftsfähigkeit absprichst, gerade auch weil sie den Radikalismus nicht akzeptieren will. Ob diesem meinem eigenen Vernunftsempfinden genügt, habe ich in diesem Kommentar in keiner Art gesagt. Auf meinen Kommentar bzgl. Extremismus bzw. Radikalismus bzw. meine Einstellung dazu habe ich dann abschließend noch verwiesen.

okkasionalsozialist
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

08.06.2009 - 01:34 Uhr
okkasionalsozialist

ich habe das wort mainstream nicht im sinne einer vermeintlich blöden masse verwendet, von der ich mich als elite abheben würde.

auf den allermeisten gebieten bin ich auch blöd, einfach weil ich mich nie mit ihnen tiefergehend befasst habe. es geht nicht darum ob die masse nun blöder oder klüger ist als ich, das ist mir schlichtweg unbekannt. im allgemeinen halte ich die leute für viel klüger als unsere eliten annehmen.

Luftveraenderung
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

-1

08.06.2009 - 21:27 Uhr
Luftveraenderung

Mich macht das alles wieder mal einfach nur Sauer. Was soll man dazu noch sagen. Ich bin ja ehrlich seit einem halben Jahr fällt es mir verdammt schwer auf Fleisch zu verzichten ,da vor war ich 2 1/2 Jahre Vegetarier ,ein halbes Jahr sogar Veganer. Das klingt für einige sicher bescheuert ,aber euch sei gesagt probiert es einmal einen Monat man fühlt sich wirklich besser. Ja verdammt trotzdem bin auch ich im letzten halben Jahr wieder dem Fleischessen verfallen. Ich werde einen neuen versuch wagen,weil ich weiß man fühlt sich besser!!!

fuerTiere
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

-1

13.01.2011 - 08:21 Uhr
fuerTiere

Ein Deutscher isst ungefähr 200 Gramm Fleisch pro Tag. Macht jährlich etwa 80 Kilo Fleisch pro Kopf und rund 6,5 Milliarden Kilo Fleisch für das ganze Land. Eine solche Masse an Fleisch kann man aber nur bereit stellen, wenn man die Tiere in Massen züchtet und im Akkord tötet. Diese Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sie ist auch schlimm für unsere Umwelt, für das Klima und für die Gerechtigkeit auf der Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer...!

TomJones
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

13.01.2011 - 09:29 Uhr
TomJones

fuerTiere sagte:
Ein Deutscher isst ungefähr 200 Gramm Fleisch pro Tag. Macht jährlich etwa 80 Kilo Fleisch pro Kopf und rund 6,5 Milliarden Kilo Fleisch für das ganze Land. Eine solche Masse an Fleisch kann man aber nur bereit stellen, wenn man die Tiere in Massen züchtet und im Akkord tötet. Diese Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sie ist auch schlimm für unsere Umwelt, für das Klima und für die Gerechtigkeit auf der Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer...!


Nein.

Zurück Seite 1 ... 6 7 8

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

klaus-werner-lobo unbekannt

klaus-werner-lobo

ist jetzt-User und hat diesen Beitrag verfasst.

Klaus Werner-Lobo

Hat Beiträge verfasst zu