05.06.2009 - 18:30 Uhr

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Die Elektronische. Heute mit Bodi Bill, DJ Hell, Lazarus, Freeland and many more!

Text: friedemann-karig

Friedemann Karig erzählt von minimalem Techno, maximaler Disco und noch mehr geilem BummBumm.

Bodi Bill
Auch wenn jetzt einige Hipster schreien: „Kenn ich schon, is doch voll alt, hab ich auffer Dachterrasse vom Weekend (s. Bild) gesehen, schon letztes Jahr, Alta!“ Mir ganz egal. Bodi Bill könnte schon in der Phase ihrer Karriere sein, wo sie auf voll bestuhlten Festivitäten zusammen mit DJ Ötzi der Kaffeefahrt-Community einheizen, ich würde ihren Elektro mit Stimme trotzdem empfehlen, als hätten sie gerade erst den Zettel „Geile Band sucht Proberaum“ ans schwarze Brett gepinnt. Denn die drei Berliner machen so etwas wie die minimale, weniger schwüle Ausgabe von 2Raumwohnung, und hier mögen ob des Vergleichs wieder alle schreien; aber die Kombination von avantgardistischer Produktion und eingängigem Songwriting kennt man in Deutschland sonst nicht. Das Album „Next time“ stammt von 2008 (die Tour ist auch gerade vorbei, schade!) und enthält neben einer ganzen Reihe von schön geschriebenen Songs eine dermaßen intelligente, einschmeichelnde typisch Berliner Produktion, dass der herzzerreißend deutsche Akzent des Sängers sich fast schon wieder wie Kalkül ausnimmt. Setzt man hier auf die im Ausland sicherlich effektive Trumpfkarte „Techno made in Germany“? Für mich jedenfalls ist Bodi Bill die Definition des „Next Big Thing“, bald sicher auch international. Perfekter Einstieg für alle, die BB noch null kennen, ist das folgende Video, in dem gleich vier der besten Songs hintereinander dargeboten werden. Auf eben jener Terrasse vom Weekend, Alta. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Damian Lazarus - Smoke the monster out
Ich hatte ja keine Ahnung, wer dieser glatzköpfige Lazarus ist. Also hatte ich auch keine Erwartungen. Aber schon das blendende Titel-Intro „Smoke the monster out“ war ein Aperitif nach Maß, der gespannt aufhorchen ließ. Und der großartige, elegische zweite Track „Moment“ - Klavier und Beat und Mann-Frau-Dialog inklusive - wurde schlagartig zur ultimativen Aufforderung, diesem Stück Musik besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn solch ein Sammelsurium an eloquenten Melodien und verschrobenen Sounds, wunderbarem Gesang und eigensinnigen Einfällen, verdient ein paar Zeilen. Damian Lazarus beschäftigt verschiedene Sänger und Sängerinnen, agiert mit polyphonen Vocal-Sequenzen, verzerrt und verfremdet Stimmen und erlaubt den Songs bei aller Produktion und Programmatik doch, ihre jeweiligen Eigenleben zu entwickeln. Er traut sich etwas, riskiert Kitsch und Kommerz und steppt dabei auf der Rasierklinge zwischen diesen Polen, wie vergleichsweise es sonst nur der große Beck schafft. Die wichtigere Gemeinsamkeit: Lazarus weiß in jeder Sekunde, was er tut, während er jeden Track geschickt so klingen lässt, als hätte er einfach nur drauflos musiziert. So zum Beispiel als mitten in „Diamond In The Dark“, einer Flanger-Gitarren Ballade, eine Text-to-Voice Stimme anfängt zu pöbeln und die Stimmung zu kippen droht. Dann aber setzt der Song wieder ein, mit einem Akkordeon heimeliger anmutend als je zuvor. Wahnsinn (so wie seine Podcasts). „Neverending“ wiederum klingt fast ein wenig nach Boyband-Bonustrack. Doch keine Angst, Lazarus weiß virtuos mit Erwartungen zu spielen, selbstironisch zu biegen und zu brechen, was unsere Hörgewohnheiten einst ausmachte. Schon der nächste Track „Lullabies“ wechselt schneller von opulentem Spinett zu minimalem Beat, als ich „vielseitig“ schreiben kann, um dann in einer technoiden Kindermelodie-Atmosphäre zu enden, die Alpträume triggert wie eine alte Clownsmaske. „Spinning“ führt diesen Bogen orchestral weiter, eine verfliegende Gitarre malt die Beatles und „And I love her“ an die Innenwände meines musikalischen Gedächtnis. Und das alles nur, damit „Bloop Bleep“ die kleinen Luftsprünge eines albernen Abganges mit Marsch-Rhythmus und Bläsereinwürfen unterlegen kann. Ein großes, geniales Album. Dessen Gestalter, optisch ganz elektronischer Billy Cobham, erzählt von seinem Album und lässt auch ein wenig davon hören: Das absolut passende Video zu „Neverending“:

Damian Lazarus - Neverending from David Terranova on Vimeo.

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