03.06.2009 - 18:30 Uhr

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"Viele wissen nichtmal, dass dieser Aufstand passiert ist"

Text: evi-lemberger - Foto: ap

Ein Mann, eine Tüte, ein Tanz: Ann Katrin Rudorf, 21, koordiniert eine weltweite Performance, die an den aufrechten Mann erinnern soll, der sich vor 20 Jahren auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking den Panzern entgegenstellte

Der Platz trägt den Namen Tien'anmen, Platz des Himmlischen Friedens, und ist als Ort eines Blutbads weltberühmt geworden. Vor zwanzig Jahren hatten sich auf diesem zentralen Platz in Chinas Hauptstadt Peking Studenten zu friedlichen Protesten für mehr Demokratie, Pressefreiheit und gegen Parteiprivilegien versammelt. Begonnen hatten die Demostrationen nach dem Tod des in Ungnade gefallenen Chefs der Kommunistischen Partei, Hu Yaobang. Die Studenten kamen, um am Platz des Himmlischen Friedens Kränze niederzulegen. Aus der Trauer erwuchs eine politische Demonstration, die am 4. Juni 1989 blutig niedergeschlagen wurde. Am Tag drauf, als die Panzer noch immer durch die Stadt rollten, stellte sich auf dem Cangan Boulevard vor einem großen Hotel ein Mann den Panzern in den Weg. Der unbekannte Mann trug eine Einkaufstüte und wurde zum stummen Symbol für den Protest.
Ein unbekannter Man stellt sich alleine den Panzern des Militärs in den Weg. Der so genannte Tank Man auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Juni 1989. Er wurde letztendlich weggezerrt. Wo er heute ist? Man weiß es nicht. Die Künstlerin Deborah Kelly möchte an diesen so genannten Tank Man erinnern. Sie will möglichst viele Menschen dazu bringen, am 4. Juni die Schritte des Tank Man nachzutanzen. Die "Tanzanweisungen" findet man zum Beispiel hier. Mit Hilfe von Twitter und Facebook hat Deborah in den vergangenen Monaten versucht, Menschen auf der ganzen Welt für ihre Idee zu mobilisieren. Momentan haben sich Gruppen aus London, New Mexico, Brisbane und Washington DC. gemeldet, die mittanzen wollen. Eine der deutschen Mittänzer ist Ann Kathrin Rudorf aus Weimar. Die 21-Jährige leitet die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt in Deutschland. jetzt.de: Ann Kathrin, hast du schon geübt für den Tanz? Ann Kathrin: Ich habe noch nicht so viel geübt, aber in der Weimarer Gruppe haben wir eine Tanzlehrerin. Die hat sich den Tanz angeschaut und sie meinte, nach zwei-, dreimal Anleitung sollte man es können. Sagt sie zumindest. Wie bist du darauf gekommen, nicht nur bei der Performance mitzumachen, sondern auch die PR-Arbeit zu übernehmen? Ich habe bei der Kunstgalerie ACC in Weimar mein Freiwilliges Kulturelles Jahr absolviert. In der Zeit habe ich Deborah Kelly kennengelernt. Sie hat selber in der ACC Galerie zweimal ausgestellt. Ich fand sie und das Projekt, das sie uns damals vorstellte, auf Anhieb super interessant. Und so hat sich das entwickelt und jetzt mache ich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, wenn man das so sagen kann. Glaubst du, dass diese Aktion etwas bewegt? Ich glaube schon, dass es was bringt. Alleine nur, dass wir gerade jetzt miteinander reden, zeigt doch schon, dass diese Aktion etwas bewirkt. Wichtig ist, dass man die Geschichte nicht vergisst und das passiert genau in diesem Moment. War es schwierig, die Infos zu eurem Vorhaben in der ganzen Welt zu streuen? Nein, eigentlich nicht. Dadurch, dass Deborah schon Kommunikationsmedien wie Facebook, Twitter und Youtube plus ihre eigene Homepage genutzt hat, konnte sie innerhalb kurzer Zeit viele Leute ansprechen. So haben sich zum einen feste Gruppen gebildet, zum anderen wurde auch eine Unzahl an Einzelpersonen angesprochen - wobei bei denen noch nicht klar ist, inwiefern die auch mitmachen oder nicht. Ich selber fragte dann nur noch bei anderen Institutionen wie der Bauhaus Universität, bei anderen Galerien und lokalen Nachrichtensendern nach. Warum machst du mit? Als es 1989 passierte war ich zwei Jahre alt und ich habe davon nichts gewusst. Umso schlimmer fand ich es dann, als ich zum ersten Mal davon erfuhr, dass eine Regierung gegen die eigene Bevölkerung Waffen richtet - obwohl die nur ihre Menschenrechte einforderten. Sowas ist, glaube ich, noch nicht oft passiert. Und das ist noch nicht so lange her und es hat sich auch nicht viel geändert. So wurde eben diese Filmaufnahme von diesem Mann, der sich vor die Panzer stellte, einfach aus der chinesischen Google-Suche genommen. Es gibt in China keine Information über den Mann und viele junge Leute wissen nicht einmal, dass dieser Aufstand passiert ist. Der Tanz zu Ehren dieses Mannes soll hierbei die Erinnerung hochhalten. Ihr habt die Plastiktüten aus Chinarestaurants ... Zuerst wollten wir Einkaufstüten einfach nur kaufen, haben aber dann festgestellt, wie schwierig es ist, einfache weiße Plastiktüten zu bekommen. Wir sind dann in Weimar zu drei verschiedenen chinesischen Restaurants gegangen. Die hatten auch tatsächlich welche. Wir haben ihnen von der Performance erzählt und sie waren begeistert und haben uns gleichen einen großen Stapel gegeben. Hier noch einmal die Tanzanleitung:


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Met
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Mag ich Mag ich nicht

0

03.06.2009 - 21:26 Uhr
Met

Wenn jeder sich die Mühe machen würde, sich so für seine und auch für die Rechte anderer einzusetzen, würde uns nichts im Weg stehen. Es könnte uns niemand aufhalten.

Meander
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Mag ich Mag ich nicht

1

04.06.2009 - 07:08 Uhr
Meander

Was ich sehr viel spannender finde als diese Tanz-Geschichte, ist der Umstand, dass man auch zwanzig Jahre später keine Ahnung hat, wer der Mann mit der Plastiktüte war.

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

1

04.06.2009 - 09:34 Uhr
__xxx__

Schritte nachtanzen? Ich will auch was von dem Zeug dass die rauchen.

owen_meany
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Mag ich Mag ich nicht

2

04.06.2009 - 10:19 Uhr
owen_meany

erstmal danke an evi lemberger, dass hier ein artikel über den protest und dessen niederschlagung vor 20 jahren erscheint.
wollte schon selber einen reinstellen....
diese kunstaktion ist allerdings nicht so meines. der bericht hätte lieber mehr inhalt über die hintergründe und begebenheiten haben sollen. oder ein interview mit chin. studenten was die darüber denken.
das hätte mich interessiert. aber so finde ich nur das "ob" und nicht das "wie" des berichts in ordnung.

yabadabaduuu
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Mag ich Mag ich nicht

2

04.06.2009 - 10:41 Uhr
yabadabaduuu

Meander sagte:
Was ich sehr viel spannender finde als diese Tanz-Geschichte, ist der Umstand, dass man auch zwanzig Jahre später keine Ahnung hat, wer der Mann mit der Plastiktüte war.


ja!


owen_meany sagte:
der bericht hätte lieber mehr inhalt über die hintergründe und begebenheiten haben sollen. oder ein interview mit chin. studenten was die darüber denken.
das hätte mich interessiert. aber so finde ich nur das "ob" und nicht das "wie" des berichts in ordnung.


nochmal ja!


..dass eine Regierung gegen die eigene Bevölkerung Waffen richtet - obwohl die nur ihre Menschenrechte einforderten. Sowas ist, glaube ich, noch nicht oft passiert.


nun ja, eigentlich immer wieder. um nur in europa der letzten 60 jahre zu bleiben:
- DDR 17. Juni 1953
- Ungarn 1956
- Prager Frühling 1968
- Januar 1991 Baltikum
- August 1991 Moskau
usw., hab sicher noch einige vergessen. Immer rollten Panzer, mal gabs es mehr, mal weniger Opfer...

wenn man aus europa rausgeht, gibts dann noch so dinge wie kambodscha...
naja. will das in peking gar nicht kleinreden. nur einzigartig ist es leider überhaupt nicht. so ne scheiße gab es immer und wird es immer geben. leider.

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

3

04.06.2009 - 14:04 Uhr
DagnyTaggart

Umso schlimmer fand ich es dann, als ich zum ersten Mal davon erfuhr, dass eine Regierung gegen die eigene Bevölkerung Waffen richtet - obwohl die nur ihre Menschenrechte einforderten. Sowas ist, glaube ich, noch nicht oft passiert.


Doch, doch, in der DDR gab es Schiessbefehl, wenn jemand in den Westen wollte.

Die_Eintagsfliege
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Mag ich Mag ich nicht

2

04.06.2009 - 14:30 Uhr
Die_Eintagsfliege

Beklemmend, wie das noch immer die "selbe Regierung" an der Macht ist in China.
Noch viel beklemmender, dass Politiker mit diesen Handeln und gar unterstützen (Stichwort Schröder und die Aufhebung des Waffenembargos).
Realpolitik leider. Gier gier gier.

China ist sowieso so ein Beispiel. In den (deutschen) Medien hört man nur von "Aufschwung" "bald Supermacht" und und und.
Von anderen Dingen (Demonstrationsverboten und -niederschlagungen; massiver Internetzensur; Umerziehungs- und Arbeitslager; Verfolgung von Minderheiten (Falun-Gong); Hinrichtungen im fünfstelligen Bereich pro Jahr (und anschließender Organhandel mit den Hingerichteten, obwohl eigentlich in China verboten), und und und ) hört man leider nichts.

Aber China ist ja nicht das einzige Land, welches die Menschenrechte so verletzt.
(Dennoch sollte man es aufzeigen!)

strikingback
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Mag ich Mag ich nicht

-5

04.06.2009 - 15:20 Uhr
strikingback

"Viele wissen nicht einmal, dass dieser Aufstand geplant ist..."

http://www.bildungsstreik2009.de/

karrrrrrak
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Mag ich Mag ich nicht

2

04.06.2009 - 15:25 Uhr
karrrrrrak

strikingback sagte:
"Viele wissen nicht einmal, dass dieser Aufstand geplant ist..."

[link=http://www.bildungsstreik2009.de/
]http://www.bildungsstreik2009.de/
wird die bundeswehr während des bildungsstreik im einsatz sein?

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

0

04.06.2009 - 17:43 Uhr
DagnyTaggart

strikingback sagte:
"Viele wissen nicht einmal, dass dieser Aufstand geplant ist..."

[link=http://www.bildungsstreik2009.de/
]http://www.bildungsstreik2009.de/

Es gibt kein Recht auf Leistungen des Staates - Gundrechte sind immer Schutzrechte gegenüber dem Staat.

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