29.05.2009 - 18:30 Uhr

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Zum Beispiel: Das gute Image der Konzerne - und wie leicht es leidet

Text: klaus-werner-lobo - Foto: ap

Er hat das "Schwarzbuch Markenfirmen" geschrieben, für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo die Probleme der Globalisierung plastisch. Heute: Wie Ikea gerade in die Kritik geriet

Es war keine gute Woche für Shell: Ein US-amerikanisches Gericht will nun endlich die Mitschuld des Ölkonzerns am Tod des nigerianischen Menschenrechtsaktivisten Ken Saro-Wiwa prüfen. Egal wie der Prozess ausgeht: Er ist eine Gelegenheit, alle Welt an die schmutzigen Geschäfte mit korrupten Diktatoren zu erinnern. Auch Adidas trug diese Woche ein paar Imagekratzer davon. Das deutsche Unternehmen kam nicht nur wieder mal wegen ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse in asiatischen Zulieferbetrieben ins Gerede, sondern ausgerechnet wegen einer Party in einer Nazi-Villa in Rio de Janeiro. Schön blöd. Und auch IKEA kriegte dieser Tage ein Imageproblem. Deren Österreich-Sprecherin Barbara Riedl hat die Mailbox gestrichen voll. Und die Schnauze offenbar auch. „Ich kann mich vor E-Mails kaum erwehren. Wir kommen da völlig unschuldig zum Handkuss“, beschwert sie sich mir gegenüber am Telefon. Hunderte Protestmails haben ihr Postfach zum Überlaufen gebracht. Beschert haben ihr das die AktivistInnen der „Clean Clothes Kampagne“, die dann zu allem Überfluss noch bemängelten, dass Ikea nicht auf die Proteste reagiere – dabei hatten die doch selbst das Mailsystem lahmgelegt. Wenn Menschenrechtsgruppen wie die „Kampagne für Saubere Kleidung“ loslegen, ist in den PR-Abteilungen großer Konzerne die Hölle los. Vergangene Woche hat das internationale Aktionsbündnis zum Protest gegen das schwedische Möbelhaus, den OTTO-Versand und andere Firmen aufgerufen.
War in der Vergangenheit häufig Ziel von Kritik, die in der Folge zu Imageschäden für Hersteller führte: Sportschuhproduktion in Vietnam. Die Unternehmen lassen in der türkischen Zuliefererfabrik Menderes Tekstil unter anderem Bettwäsche produzieren. Aufgrund von Sicherheitsmängeln kam es dort in den letzten Jahren zu zahlreichen Unfällen. Zudem behindere die Geschäftsführung Gewerkschaften und gehe gezielt gegen ihre VertreterInnen vor. „Die Arbeit bei Menderes Tekstil ist gefährlich, da internationale Sicherheits- und Gesundheitsstandards nicht eingehalten werden“, sagt Julia Thimm von der Menschenrechtsorganisation INKOTA. Am 20. November 2008 verunglückte ein Arbeiter tödlich, als er in den Lüftungsschacht eines Kohleheizers fiel. Ingesamt starben in den vergangenen Jahren vier Arbeiter nach Unfällen in der Fabrik. Die Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück. „Wir prüfen das seit einem Jahr. An den Fällen dürfte nichts dran sein“, sagt IKEA-Sprecherin Barbara Riedl. „Und wenn, dann hätte das Konsequenzen für den Lieferanten.“ Auch OTTO will zuerst einmal prüfen – und seinem Lieferanten gegebenenfalls auf die Zehen steigen. Falls überhaupt jemand schuld sei, so die Message, dann der türkische Zulieferer. Immerhin haben heute alle großen Markenfirmen Verhaltenskodizes, die ihre Lieferanten zur Einhaltung menschenrechtlicher Mindeststandards verpflichten. Gleichzeitig drücken sie die Preise. Würde die türkische Fabrik nämlich tatsächlich unabhängige Gewerkschaften akzeptieren, Sicherheits-, Umwelt-, Arbeitszeit- und Gesundheitsstandards einhalten und faire Mindestlöhne zahlen, dann könnte sie kaum so billig liefern, wie das von ihren Auftraggebern verlangt wird. Die ziehen im Fall des Falles einfach weiter, zur nächsten Fabrik, nach Indien, China, Vietnam. Dafür müssen sie zur Verantwortung gezogen werden. Zum Beispiel dort, wo sie am empfindlichsten sind: beim Image. Drohender Imageverlust schlägt sich in sogenannten Konfliktkosten nieder. Das ist eine betriebswirtschaftlich messbare Größe: Schlechter Ruf, weniger Kohle. Das ist die einzige Sprache, die in den Konzernzentralen verstanden wird. ***
Klaus Werner-Lobo ist Autor und Clown. Sein neuestes Buch heißt „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“, seine Website ist unsdiewelt.com


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Shorebilly
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Mag ich Mag ich nicht

3

30.05.2009 - 19:57 Uhr
Shorebilly

"Es war keine gute Woche für Shell:"

wti schliesst ueber 66.60$. es WAR eine gute woche fuer shell, ganz unabhaengig von irgendwelchem pr-klimbim.

der_ingenieur
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Mag ich Mag ich nicht

3

30.05.2009 - 20:06 Uhr
der_ingenieur

Ein Freund von mir produziert in Indien Textilien und Teppiche, unter Anderem fuer den Otto Versand. Seine Fabrik wird immer mal unangekuendigt kontrolliert, ob er die vertraglichen Mindeststandards erfuellt, und vor allem keine Kinder dort arbeiten. Die arbeiten nun bei den Teeverkaeufern/Snackbuden gegenueber, aber er achtet peinlich genau darauf, dass die Kinder den Arbeitern in der Fabrik ihr Essen nicht an den Arbeitsplatz bringen (was sie sonst tun wuerden).

Man mag sich sein Urteil darueber bilden. Vor allem werden solche Vertraege schon praktiziert, die Mindeststandards garantieren.

m0n0
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Mag ich Mag ich nicht

-2

31.05.2009 - 00:33 Uhr
m0n0

soylentyellow sagte:
diedrossel sagte:
pft. wenn die leute von der 2,95 sandale ausschlag bekommen, dann klagen und jammern sie, aber mal darüber nachdenken, wie es zu solchen preisen kommt ist anscheinend nicht drinne.


Ich fage mich immer wieso die Sandale die 2,95 Euro in der Herstellung kostet dann nicht 29,90 Euro hier im Laden kostet sondern 99,90 Euro?! Skandalös ist da wohl eher die Gewinnspanne...


Ja, auch der gemeine Europäer wird hier ausgebeutet, wenn auch nur finanziell ;).

Aber Scherz beiseite, die eigentliche Frechheit gegenüber dem Endkunden ist, tatsächlich, dass man außer dem Markennimbus für den X-fachen Preis gegenüber dem Discountprodukt oft keinerlei Gegenwert mehr bekommt. Wenigstens etwas mehr Haltbarkeit o.ä. wären bei der 5-fachen Gewinnspanne doch drin, oder?

Sprich: Nur die Firmen sind in jedem Fall die Gewinner des internationalen Lohngefälles.

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

2

31.05.2009 - 15:27 Uhr
DagnyTaggart

m0n0 sagte:
Sprich: Nur die Firmen sind in jedem Fall die Gewinner des internationalen Lohngefälles.


Das stimmt halt nicht. Wenn Du die selbe Kostenkalkulation machst, aber die Personalkosten mit einem Faktor 100 belegst, dann kannst Du dir den Schrank schlicht nicht mehr leisten.

grams
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.05.2009 - 19:29 Uhr
grams

ich kanns mir bei meinem einkommen leide rnicht leisten woanders als bei plus oder ikea einzukaufen, sogerne ich würde.........

fraeuleiningeborg
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Mag ich Mag ich nicht

3

31.05.2009 - 23:50 Uhr
fraeuleiningeborg

grams sagte:
ich kanns mir bei meinem einkommen leide rnicht leisten woanders als bei plus oder ikea einzukaufen, sogerne ich würde.........


Bravo! Und erzähl das jetzt bitte noch allen deinen Freunden, die es für verwerflich halten, wenn man gerne viel Geld verdienen möchte.

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

0

03.06.2009 - 12:57 Uhr
__xxx__

DagnyTaggart sagte:
m0n0 sagte:
Sprich: Nur die Firmen sind in jedem Fall die Gewinner des internationalen Lohngefälles.


Das stimmt halt nicht. Wenn Du die selbe Kostenkalkulation machst, aber die Personalkosten mit einem Faktor 100 belegst, dann kannst Du dir den Schrank schlicht nicht mehr leisten.


Stimmt nicht ganz, die Ansicht ist genauso überzogen wie die gegenteilige. Wenn das so wäre, würde man im westen schon lange gar nichts mehr produzieren.

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