29.05.2009 - 18:30 Uhr

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Jungsfrage: Mädchen, warum gründet ihr fast nie eine Band?

Text: max-scharnigg

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs, weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen. Ab sofort auch zum Anhören!

Die Jungsfrage zum Anhören wird präsentiert von Süddeutsche Zeitung Audio Tja, da sprichst du einen wahren Missstand an. Es ist ja nicht so, dass wir Mädchen uns weniger für Pop, Frisuren und schwarzmalerische Lyrics interessieren würden. Schon im Kindergarten summen wir Derartiges in den Duschkopf und stellen uns dabei vor, im Abendkleid allein auf einer großen Bühne zu stehen. Ab der ersten Klasse werden wir wöchentlich zum Klavierlehrer geschickt, wir nehmen Mal- und Gesangsstunden, zitieren Rilke, wir stellen die Mehrheit im Schulchor, covern 70er-Jahre-Hits und wollen später alle werden wie Erykah Badu. Kurz: Eltern und Lehrer setzen in unserer frühen Kindheit alles daran, uns zu musischen Wesen heranreifen zu lassen. Währenddessen tretet ihr einem Fußballverein bei, reißt Ameisen die Beine aus und verprügelt auf dem Pausenhof die Jungs, die auf dem Sommerfest in der Aula vor Eltern und kleinen Geschwister vorsingen. Etwa ab dem Zeitpunkt, an dem ihr das erste Mal etwas von einer Band namens Nirvana hört, geht es dann bei euch los: Ihr wünscht euch ein Schlagzeug oder eine E-Gitarre zum 13. Geburtstag und trefft euch im Jugendzentrum oder in einer Garage, um als Kollektiv den einsamen Wolf zu mimen, der das Lied vom Tod spielt. Auch ihr werdet von Eltern und Lehrern darin bestärkt, eine musikalische Karriere zu verfolgen; aber zumeist in Form der besorgten Bitte, doch in Sachen Gewaltfantasie und Lautstärke einen Gang runterzudrehen. Vielleicht ist es ja so, dass ihr eure erste Erfahrung mit selbst gemachten Akkorden daher unweigerlich mit Rebellion und Eskapismus in Verbindung setzt, während für einige von uns Mädchen die musikalische Revolte eher darin besteht, uns endlich vom Zwang des Mondscheinsonaten-Übens zu befreien. Denn in den seltensten Fällen werden aus den vielen Klarinetten-, Klavier- und Geigenschülerinnen eine neue Joanna Newsom oder die neuen CocoRosie – stattdessen kehrt vermutlich irgendwann eine schnöde Einsicht ein: Wir haben einfach die falschen, da uncooleren Instrumente gelernt, um uns noch zu euch in die Menge vor dem Rock’n’Roll-Monument zu schmuggeln. Bleibt also die Frage, was wir tun, wenn wir mal wieder von der Welt im Allgemeinen enttäuscht sind. Denn mit dem Gefühl, mit all den Jungen und Pickeln nicht zu Recht zu kommen, sind wir ja in der Adoleszenz ebenso bestens vertraut. Auch hier fällt die Antwort etwas banal aus. Wir haben einen einfacheren, pragmatischeren Weg gefunden, unseren Schmerz zu kommunizieren. Wir wählen unmittelbare und umfassende Leidlinderung in allen Lebenslagen – die Telefonnummer unserer besten Freundin. xifan-yang
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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

Das Problem ist der Konsens.