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Kultur| 29.05.2009 18:30Zehn Jahre Immergut: „Eine Indie-Szene gibt es nicht mehr"
Text: xifan-yang Fotos: Immergut e.V.
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Manche werfen euch bestimmt vor, eure Ideale zu verraten. Das kann sein, ja. Nehmen wir Polarkreis18, die dieses Jahr wieder bei uns sind. Die haben wir schon mal gebucht, als sie noch keiner kannte. Damals hätten wir nie gedacht, dass sie irgendwann soviel Erfolg haben würden. Da gibt’s bestimmt einige, die sie jetzt verteufeln. Die sagen: Die passen nicht mehr dazu. Aber wir müssen auch aus wirtschaftlichen Gründen auf Nummer sicher gehen. Abgesehen davon finden wir Polarkreis18 immer noch großartig. Das Melt! macht übrigens gerade auch diese Entwicklung durch, die haben dieses Jahr Oasis. Hat sich mit der Musik auch das Publikum gewandelt? Festivalgänger sind eher jüngere Menschen, im Durchschnitt zwischen 18 und 25 Jahren, Schüler und Studenten. Das ist bei uns auch nicht anders. Die sind heute mit ganz anderen Bands aufgewachsen als ich. Es laufen nur noch wenige mit Seitenscheitel, Trainingsjacke und Bandbuttons auf dem Festivalgelände herum. Die typischen Tocotronic-Fans eben. Und was trägt man jetzt auf dem Immergut? Übergroße Sonnenbrillen. Klingt so, als wäre das nicht mehr deine Welt. Ist es auch vielleicht nicht mehr wirklich. Das Immergut war mal ein Familientreffen. Die Leute haben sich entschuldigt, wenn sie sich gegenseitig auf die Füße getreten sind. Das ist mittlerweile seltener geworden, denke ich. Auch zu uns kommt immer mehr Partypublikum, Spinner, die schon um 14 Uhr stramm sind und denen es völlig egal ist, wer gerade auf der Bühne steht. Für die ist Musik nur Fastfood, Hauptsache man kann ein bisschen dazu abspacken. Gab es irgendeinen Moment, in dem dir das klar wurde? Da gab es eine Situation vor zwei Jahren. Wir hatten die Auflage vom Ordnungsamt, dass um spätestens halb vier nachts die Musik der Aftershowdisco zu Ende sein musste. Als es soweit war, haben wir sie runter gedreht, wie es verlangt wurde. Die Leute kamen darauf gar nicht klar, ein paar haben skandiert: „Auf die Bühne!“ Dann haben die die Bühne gestürmt, das Zelt wurde besetzt und es ging so weit, dass sie angefangen haben die Veranstalter, also uns, zu beschimpfen. Als würden wir ihnen was Böses wollen. Die Situation war kurz vorm Eskalieren und wir mussten schließlich die Security holen. Das war schon gegenüber uns und allen Helfern ein sehr respektloses Verhalten. In dem Moment war ich sehr enttäuscht. Ich hab mir gedacht: Für solche Leute willst du kein Festival machen. Wurde das Festivalmachen irgendwann zur Gewohnheit? Ein bisschen schon. Ich glaube, das ist wie bei Ärzten, die schon lange im Beruf sind. Am Anfang fühlen sie noch mit den Patienten und irgendwann ist jede Operation nur noch Routine. Was waren im Rückblick deine besten Immergut-Momente? 2006, Yeah Yeah Yeahs. Und als Deichkind 2005 bei uns gespielt haben, bevor sie mit „Remmidemmi“ durch die Decke gegangen sind. Damals sind alle im Forum abgegangen und haben geschimpft: Wie kann bloß eine Hiphop-Band auf dem Immergut spielen? Beim Auftritt von Deichkind sind im Zelt dann aber alle durchgedreht, wie ich es bei uns noch nie erlebt habe. Und welche Bands haben in deinem ewigen Traum-Line-Up gefehlt? Ben Folds, Death Cab For Cutie, Postal Service. Und Buffalo Tom. Bei Buffalo Tom waren wir mal ganz knapp dran. Wir haben denen einen super Slot als Headliner im Zelt angeboten – schön im Dunkeln, und dann haben sie doch lieber nachmittags in Haldern auf der Hauptbühne gespielt. Da war ich schon ein bissl traurig. Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Teste Deutschlands große Tageszeitung jetzt zwei Wochen kostenlos und unverbindlich: hier klicken!
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