Piraten nehmen Kurs aufs Parlament
Eine junge schwedische Partei könnte bei der Europawahl überraschen – sie fordert kostenlose Downloads
An Samstagen war Jonas Lyckegård, 21, eigentlich am liebsten mit seinem Rennrad unterwegs. Jetzt steht er am Wochenende in der Fußgängerzone von Göteborg und verteilt Flyer für die „Piratparti“, wie die Piratenpartei auf Schwedisch heißt. Jonas hätte nicht gedacht, dass er mal politisch wird. Doch Ende März ist er Mitglied bei den Piraten geworden und jetzt hat Jonas ein Ziel. „Filesharing sollte gratis sein, weil einfach alle Menschen davon profitieren.“ Und schnell schiebt er hinterher: „Sogar die Künstler haben etwas davon, weil viel mehr Leute auf sie aufmerksam werden und auf die Konzerte gehen.“ Freier Zugang zu Informationen, ein angepasstes Urheberrecht und die Abschaffung von Software-Patenten – das Programm der Piratparti unterstützen viele Schweden, vor allem die jungen Männer unter 30 Jahre. Alle aktuellen Wahlumfragen deuten darauf hin, dass die Piraten bei der Wahl Anfang Juni die Vier-Prozent-Hürde knacken werden und damit einen Sitz im Europaparlament erobern: Das schwedische Meinungsforschungsinstitut Novus Opinion sagt der Partei aktuell 5,6 Prozent der Stimmen voraus. Damit würden die Piraten locker einen Sitz in Straßburg erobern. Britsche Wahlforscher haben in einer Umfrage sogar einen Stimmanteil von 8,5 Prozent ermittelt. Diese hohe Zahl wäre gleichbedeutend mit zwei Sitzen für die junge Partei im europäischen Parlament.
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Ich selbst bin mittlerweile recht verzweifelt, was ich denn wählen soll und denke mir immer mehr, dass die Piraten mir vielleicht am besten passen würden (und das obwohl ich kein Filesharing betreibe und mir diese Thematik von daher völlig egal ist). Der Grund ist, dass die derzeitige Regierung mit ihren "Internetausdruckern" vom Internet keine Ahnung hat und das Internet bekämpft.
Nur als Beispiel: Im Rahmen der Debatte um Internetsperren hat unsere Zensursula gesagt, dass alle Menschen, die wissen, wie man eine DNS Sperre umgeht 'pädo-kriminell' sind. Das sind dann alle, die ein Youtube-Video von grade mal 27 Sekunden Länge ansehen und das dort gezeigte dann umsetzen können. Also auch zum Beispiel auch ich. Mir fällt kein Kraftausdruck ein, den ich auf so eine Beleidigung entgegen könnte...
Dann bekommt man heute in Bayern ne Hausdurchsuchung wegen 3 gesharter MP3s die weniger als 5 Euro kosten, es werden alle unsere Internetverbindungen per VDS gespeichert, unsere Mails durchsucht, das BKA darf auf unsere Platten zugreiffen, am Flughafen kommen die Nacktscanner und Satire-Seiten (wie z.B. dubistterrorist.de) werden per Urheberrechtsgesetzen aus dem Netz geklagt, während eine erfolgreiche Online-Petition mit über 90.000 Mitzeichnern von unseren Politikern ignoriert wird.
Ich fühlte mich mal bei einer der größeren Volksparteien sehr gut aufgehoben und habe sogar bei deren Wahlkampf mitgeholfen. Ich verdiene sehr gut, habe eine gesettelte familiäre Situation und ein gutes Netz an Freunden und Kollegen, ich würde mich in keiner Weise als 'radikal' bezeichnen und sollte von daher genau in der Mitte sitzen. Aber nachdem, was die Grosse Koalition in den letzten Jahren verbrochen hat rege ich mich einfach nur noch über die unfähigen Politiker der grossen Parteien auf.
Am schlimmsten ist, dass die FDP, die eigentlich für Bürgerrechte einstehen könnte (sollte??) nur 'Steuern' schreien kann und keinerlei zukunftsfähiges Konzept aufweist.
ScheissPflichtRegisterunf sagte:
Liebe Internet-Ausdrucker bei der Süddeutschen. Auch in DE gibt es eine Piratenpartei. Die kommt zumindest im Internet auch ganz gut an. Auf dem Wahlzettel ganz weit unten, nach der Wahl vielleicht ein Achtungserfolg.
Immerhin die Empfehlung des Wahlomaten für mich.
25.05.2009 - 02:15 Uhr
cougarten
fraeuleiningeborg sagte:
Immerhin die Empfehlung des Wahlomaten für mich.
Bei mir sind "fie Frauen" noch davor, aber ich glaub die haben andere Schwerpunkte als ich...
Zur Europawahl ist sie schon zugelassen, aber für die Bundestagswahl braucht sie noch Unterschriften.
ScheissPflichtRegisterunf sagte:
Liebe Internet-Ausdrucker bei der Süddeutschen. Auch in DE gibt es eine Piratenpartei. Die kommt zumindest im Internet auch ganz gut an. Auf dem Wahlzettel ganz weit unten, nach der Wahl vielleicht ein Achtungserfolg.
Vielen Dank! Meine Stimme haben sie.
Filesharing habe ich übrigens auch noch nie gemacht - aber was da in Bezug aufs Internet gerade abgeht von Leuten, die noch nicht mal wissen, wie man Proxy schreibt, übersteigt jede Toleranzgrenze.
nu fühl ich mich auch verpflichtet :)
(und der wahlomat sagt auch: piraten!!)
etoi sagte:
Wo kann ich die in Bayern wählen? Warum sind die nicht auf meinem Stimmzettel?!?
also auf meinem, in bayern, waren sie drauf. gestern meine briefwahl abgeschickt (nein, nicht für die piraten, auch wenn sie mir nicht unsympathisch sind).
Was inzwischen sogar bei den Linken angekommen ist -- dass man jedes Argument mit Arbeitsplätzen unterlegen muss -- ist bei den Piraten noch nicht so recht gelandet.
Irgendwie ist das Ganze auch eine "Diskussion hinterher". Zuerst hat sich jeder mit einem Flatrateanschluss versorgt, weil es eben der Anschluss an die moderne Welt, dem Mitmach-Web ist, wo Up- und Download gleichberechtigt stattfindet. Die Infrastruktur wurde enorm erweitert, viele tausend Arbeitsplätze wurden geschaffen, und dann kamen die Verbote.
Konsequenterweise müsste man jetzt argumentieren, dass die Arbeitsplätze bei den Providern gefährdet sind, wenn Sharing immer strenger verboten wird, aber wer gibt schon seinen Flatrateanschluss wieder her, wenn er sich mal dran gewöhnt hat?
Ich nehme die Abwesenheit der Arbeitsplätze in den Argumenten der Piraten als Aufrichtigkeit. Wo findet man die denn sonst noch bei den Parteien?
Dort ein Interview mit den PIRATEN. Ist zwar eine Ein-Themen Partei, aber es ist ein sehr wichtiger und umfassender Themenkomplex.
etoi sagte:
Wo kann ich die in Bayern wählen? Warum sind die nicht auf meinem Stimmzettel?!?
Bei der Europawahl Liste 29.
Für die Bundestagswahl fehlen noch Unterschriften, damit sie überhaupt antreten darf: http://deine-unterschrift.de/








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24.05.2009 - 22:03 Uhr
etoi