20.05.2009 - 17:41 Uhr

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Anton und das Danach.

Text: dascory

Als sie seine Wohnungstür aufbrachen, zeigte er keine einzige der möglichen Reaktionen, die er die letzten anderthalb Jahre in unterschiedlichen Szenarien durchgespielt hatte. Er blieb einfach an seinem Schreibtisch sitzen und während Papier, Asche und der Tisch durch das Zimmer flogen, zwang er sich nicht zu blinzeln. Sie waren zu dritt, uniformiert und bewaffnet, wie man es aus Krimis kennt, wie er es sich vorgestellt hatte. Gebrüllte Sätze prallten an seiner bleichen Haut ab und als Metall seine Handgelenke umschloß, hörte er statt des Klickens nur ihre Stimme, die ihn bat nicht zu gehen. Er hatte ihr Blut notdürftig mit Wasser aus der großen Pfütze im Innenhof und einem Taschentuch von seinen Händen gerieben, doch wenn er aus Träumen von besagtem Morgen erwachte, fühlten sich seine Finger immer noch etwas klebrig an. Manchmal sah er sie wieder, zwischen Schatten im Halbdunkeln. Sie tanzte immer mit geschlosssenen Augen, ein leichtes Lächeln auf den leicht bläulichen Lippen. Nach der dritten weißen Linie verschwand sie für gewöhnlich und es blieb nichts, als ein wenig Weltschmerz und das Gefühl, dass er sie vermissen könnte, wenn der Ekel es ihm nicht verbieten würde. Wann der Ekel kam, konnte keiner so genau feststellen. Später, nach der Kindheit, hatte er versucht mit Hilfe eines Therapeuten Gründe und Auslöser zu finden. Die Therapie endete nach einem Schulterklopfen mit der gebrochenen Nase des Arztes. Männer. Männer durften ihm nicht einmal die Hand geben. Das hatte er ihm aber auch schon vorher gesagt. Mit zweiundzwanzig war er für kurze Zeit mit einem Mädchen zusammen, das ihn von einer Party betrunken mit nach Hause genommen hatte. Zusammen für vier Tage, in denen sie nebeneinander lagen, kaum sprachen und Musik hörten. Anton hatte nie zuvor und auch danach jemanden so lange neben sich ertragen. Vielleicht, weil sie nicht mit ihm schlafen wollte. Vielleicht, weil ihre Haut nach reinstem Nichts roch. Das tote Mädchen war hübscher gewesen. Jedenfalls bevor er sie zurückließ. Die Nachbarn standen in ihren Wohnungstüren, während Anton das Treppenhaus hinunter getrieben wurde. Wir haben es immer gewusst, dass mit ihm etwas nicht stimmt, hieß es im zweiten Stock rechts. Und als er auf den letzten Stufen nach vorne fiel und seine Zähne in kleine weiße Scherben zersplitteren ohne, dass er Schmerzen spürte, wusste er es auch.


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8 Kommentare

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kakaoseele
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Mag ich Mag ich nicht

0

20.05.2009 - 21:54 Uhr
kakaoseele

gruselig

louisalou
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Mag ich Mag ich nicht

1

21.05.2009 - 00:08 Uhr
louisalou

nee, schön.

douchebag
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Mag ich Mag ich nicht

-9

22.05.2009 - 11:09 Uhr
douchebag

Wusste gar nicht, dass es in der geschlossenen auch Internet gibt.

lousal
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.05.2009 - 14:59 Uhr
lousal

kurzweilig und sehr gut geschrieben. meine fresse, anton.*

polaroid_android
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Mag ich Mag ich nicht

1

22.05.2009 - 17:28 Uhr
polaroid_android

douchebag sagte:
Wusste gar nicht, dass es in der geschlossenen auch Internet gibt.


scheinbar hast du es inzwischen herausgefunden...

misceloneum
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.05.2009 - 02:52 Uhr
misceloneum

gut

lecker
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Mag ich Mag ich nicht

0

30.05.2009 - 10:30 Uhr
lecker

Super.

__i
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.06.2009 - 21:56 Uhr
__i

wie immer * lady c.


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