Schocktherapie für Online-Junkies
Fragwürdige Heilmethode: In China werden internetsüchtige Jugendliche mit Stromschlägen behandelt und gegen ihren Willen in einer Klinik festgehalten
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die sind ja nicht ganz dicht.
19.05.2009 - 21:27 Uhr
MorbusBahlsen
1. "Ort Linyi" - Naja, der Begriff "Ort" ist im Deutschen ja durchaus recht beliebig verwendbar. Aber sagen wir es doch einfach mal, wie es ist: Linyi ist eine Millionenmetropole mit rund 11-12 Millionen Einwohnern.
2. "Wie der Reporter herausfand, werden die meisten der derzeit rund hundert Patienten gegen ihren Willen in der Klinik festgehalten." Und insgesamt hat der Arzt 3000 Kinder so behandelt. Nichts für ungut: Ich habe große Zweifel, dass es eine solche Geschichte in Deutschland überhaupt zum überregionalen Aufmacher schaffen würde, wenn es von den Größendimensionen runtergerechnet wird. Vielleicht nochmal zur Erinnerung: Allein in Linyi leben über zehn Millionen Menschen. Das heißt wohlgemerkt nicht, dass es deswegen gut sei, was da passiert. Es wirft aber die Frage auf, warum überhaupt darüber berichtet wird - wegen der Relevanz? Mit Blick auf die Zahlen doch eher unwahrscheinlich. politische Hetze, Sinophobie, etc. scheinen da wohl eher die treibenden Kriterien gewesen zu sein.
3. "Die Überforderung vieler Eltern könnte ein Grund für solche Exzesse sein. Manche Kinder beißen oder schlagen um sich, wenn sie von ihren Computerspielen weggezerrt werden sollen." Tja, stimmt. Die Kinder in Deutschland sind vermutlich viel friedlicher. Und die deutschen Eltern sind natürlich auch überhaupt nicht überfordert. Gut, dass das der Supernanny noch keiner gesagt hat. Bei uns werden Kinder in die Wüste geschickt, in sonderbaren Fernsehformaten therapiert oder eben gleich in ein Heim gebracht. Wenn sich überhaupt jemand um sie kümmert. Aber da in Deutschland alle Eltern Superpädagogen sind, müssen wir uns um unseren Nachwuchs ja vermutlich überhaupt keine Sorgen machen.
4. "...schreibt der Blogger Hu Yong über Yangs Methoden." Es lebe die Internetgeneration, wo jeder ein Fachmann für alles ist. Hauptsache Wikipedia kann es bestätigen.
5. Wenn man hier zwei Dinge auseinander halten kann, wäre schon vielen geholfen. Auf der einen Seite jener Fall, dass die Kinder mit Elektroschocks zum Unterschreiben gezwungen worden sind. Auf der anderen Seite die "Behandlung" der Kinder.
6. Therapieverfahren mit Strom sind auch im Westen üblich. Die Frage ist halt, was da konkret abgelaufen ist. Wenn es sich hier nämlich nur um die elektrische Stimulation von bestimmten Gehirnregionen handelt, dann ist das ein Verfahren, das bei anderen Erkrankungen auch hier zum Einsatz kommt - unter anderem übrigens bei Alkoholsüchtigen.
7. keos schrieb: "wo zum teufel bleibt der beweis dafür, dass elektroschockbehandlungen internetsucht heilen?!"
Wo zum Teufel wird mal genau erklärt, wie diese Behandlung abläuft? Strom zur Stimulation von Gehirnregionen bei Internetsucht einzusetzen, ist keineswegs vollkommen abwegig. Zumal z.B. auch Alkoholiker mit Hilfe von Elektroimpulsen behandelt werden.
Mal wieder fragt man sich am Ende, was eigentlich von dieser Geschichte bleibt:
Ein Therapieverfahren, das keineswegs total abwegig ist, von dem aber wiederum zu wenig beschrieben wird, als dass es noch konkreter bewertet werden kann. Ein Therapieansatz, der auch in Deutschland durchaus Anwendung findet - eventuell technisch allerdings anders durchgeführt, was sich aber eben aufgrund der Darstellung gar nicht verifizieren lässt. Ein Internet-Blogger der kein Mediziner, Arzt oder sonstiges ist, jedoch so präsentiert wird, als sei er ein Fachmann für Strom- und Impulstherapien. Ein einziger Journalist, der als Quelle her hält. Eine Zahl der Betroffenen, die im relativen Kontext verschwindend gering ist.
Mir scheinen die Behauptungen in dem Artikel auch noch nicht hinreichend belegt, aber allein die geschilderten Schmerzen, die ja auch der Arzt selber einräumt, sprechen doch wohl stark gegen eine reine "Elektroimpulsbehandlung".
Woraus also ergibt sich für Dich die Relevanz dieser Geschichte? Was macht diese Geschichte so wichtig, dass man außerhalb Chinas über den Fall von hundert Patienten in einer Klinik in einer 10-Millionen-Metropole berichtet? Oder mache den Umkehrtest: Würde sich diese Geschichte mit dem rechnerisch einen Patienten in Deutschland ereignen, wäre dies so relevant, dass es auch in ausländischen Medien groß aufbereitet werden muss?
21.05.2009 - 14:10 Uhr
Meander
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19.05.2009 - 20:31 Uhr
muschikaetzchen
muss man diesen satz immer wieder sagn?!...."die chinesen haben ne macke!"