Herbergsmutter: "Gegen Stress, Lärm und Trubel resistent sein"
Er war mal eine Institution: der Jugendherbergsvater, der abends seine Runden durch das Haus zog und die letzten tollenden Schüler zur Ruhe mahnte. Ein Interview mit Petra Weckerle über Schein und Sein einer Jugendherbergsmutter. Sie leitet die Bildungsstätte Dachau.
jetzt.de: Frau Weckerle, sehen Sie sich selbst als "Herbergsmutter"? Petra Weckerle: Nein, nicht wirklich. Ich glaube, das liegt an dem Alter der Gruppen die hier übernachten. Die sind normalerweise zwischen 16 und 25 Jahren alt und wünschen sich natürlich keine Herbergsmutter mehr, die Ihnen Gutenachtgeschichten vorliest. Zwar muss man schon manchmal die Funktion einer Autoritätsperson einnehmen, beispielweise wenn die Gruppe zu laut ist und die Gruppenleiter nicht greifbar sind, aber das war es dann auch schon. Im Großen und Ganzen würde ich deswegen eher sagen, dass ich einen Beherbergungsbetrieb leite, mit allem was dazugehört. Ich glaube, die Zeiten der Herbergsmütter sind - zumindest in den Stadthäusern - vorbei. Sie sprechen von einem "Beherbergungsbetrieb". Klingt sehr ökonomisch und gar nicht mehr nach Jugendherberge. Natürlich, schließlich müssen auch wir wirtschaftlich arbeiten und zusehen, dass am Ende des Tages etwas übrig bleibt. Klar arbeiten wir als gemeinnützige Organisation nicht in erster Linie gewinnorientiert, aber die Jugendherbergsführung hat sich schon sehr verändert. Die Ansprüche an die Professionalität sind von allen Seiten sehr viel höher geworden.
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