Rap-Musik, das bedeutet immer auch Sprache, Austausch, Kommunikation. Aus diesem Grund plaudert jetzt.de jeden Monat mit einem Vertreter aus dem großen weiten HipHop-Kosmos über fünf aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit DJ Craft von K.I.Z. über die Neuerscheinungen von Asher Roth, DOOM, Coolio, Jasmin Shakeri und Tone.
DOOM / BORN LIKE THIS
DOOM ist ein Künstler, dessen Zeug man entweder liebt oder hasst. Wie ist es bei dir?
Liebe wäre vielleicht etwas zu viel gesagt, aber ich finde sein Zeug auf jeden Fall interessant. Der Typ hat Charakter und zieht sein Ding durch, zumindest in Bezug auf diese Platte. Dieses Album stellt ihn jetzt nach all den Jahren im Geschäft auch zum ersten Mal richtig vor. Vorher waren viele seiner Songs überall verstreut, deshalb finde ich es gut, dass er auch ein paar ältere Songs mit auf die Platte gepackt hat. Ich mag auch seinen Kollagen-Style, der ein bisschen nach 90er-Jahre-Revival klingt. Sehr abgedreht. Und ich mag seinen Humor. Auf „Supervillainz“ verarscht er mit Kurious, Slug und Mobonix zum Beispiel T-Pain und dieses ganze Autotune-Pop-Ding auf einem Beat, der mit Absicht total kacke klingt. So etwas feiere ich auf jeden Fall.
Du hast gerade den 90er-Jahre-Sound angesprochen. Ist das denn etwas, das heute trotzdem noch funktioniert oder hätte DOOM da ein gewisses Maß an Modernität gut getan?
Er hat das natürlich bewusst gemacht, zumal es zurzeit ja wieder einen entsprechenden Hype gibt. Es gibt gerade wieder überall 90er-Jahre-HipHop-Partys. Denn die ganzen Leute, die Ende der 90er/Anfang 2000 HipHop gehört haben und dann auf Elektro, Rock oder Metal umgeschwenkt sind, haben jetzt auf einmal wieder Bock, die alten HipHop-Songs aus den 90ern zu hören. Diese 90er-Jahre-HipHop-Partys sind meiner Meinung nach die neuen Ü-30-Partys.
Wie hörst du als DJ denn überhaupt Musik? Steht für dich die Produktion im Vordergrund, achtest du viel auf die Texte oder sind es eher die Songstrukturen?
In erster Linie achte ich auf den Beat. Der muss reinknallen. An zweiter Stelle dann auf die Texte. Bei DOOM sind viele Sachen rough und dreckig, nicht so geil ausproduziert. Ihm geht es vordergründig um den Text. Deshalb habe ich mich mehr darauf konzentriert. Der Typ ist wirklich total abgedreht. Der hat einen Knall. Stellenweise hat der mich von seinem Wahnsinn her an Ol’ Dirty Bastard erinnert.
Du hast eben gesagt, dass du immer auf eine gewisse Catchiness achtest. Die gibt es beim DOOM-Album ja nun gar nicht.
Das stimmt. Bei ihm finde ich aber dieses Abgedrehte spannend. Das ist aber definitiv keine Musik, die ich auflegen würde. Eher etwas für zuhause. Da passiert viel, da ist Abwechslung drin, er benutzt viele Film-Samples, erzählt verrückte Geschichten, hat vollkommen an den Haaren herbeigezogene Punchlines und Vergleiche, die im Kontext aber wiederum absolut Sinn machen. Und wenn man dazu eine schöne Tüte raucht, dann ist das super.