04.05.2009 - 18:30 Uhr

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Die Rückkehr der Volksmusik

Text: alexandra-graf - Fotos: Andrea Wurm, Markus Mayer

Sie nennen sich „Kofelgschroa“, „Zwirbeldirn“ und „Landlergschwister“ und bringen traditionelle Musik in Münchner Clubs und Bars

Sätze wie „Mit diesen Haaren darf man eigentlich keine Volksmusik spielen!“ hat Sebastian Meier schon häufiger gehört. Der Oberpfälzer ist sich bewusst, dass er mit seiner Frisur die Traditionalisten provoziert. „Volksmusik ist meine Musik“, sagt der 26-Jährige, unter dessen Hut ein Schwall Dreadlocks hervorquillt, „die haben schon mein Opa und mein Uropa gespielt.“
Dass Volksmusik heute sogar im Atomic Café und im Substanz gespielt wird, hat sie unter anderem der musikalischen Begeisterung einer Handvoll Niederbayern zu verdanken. Die stellten im Herbst 2003 beim „30. Herbsttreffen niederbayerischer Musikanten, Tänzer und Sänger“ fest, dass es einige von ihnen zum Arbeiten und Studieren nach München verschlagen hat. Zu später Stunde formte sich daraus ein bierseliger Gedanke: Man könnte sich doch eigentlich auch mal in „Minga“ zum Musizieren treffen. Und das tat man dann auch: Zwei Wochen später war der „Niederbayerische Musikantenstammtisch“ geboren.

[plugin bildergalerie Bild1="Untertitel 1 (Foto: Andrea Wurm)" Bild2="Sebastian Meyer beim Stammtisch im Fraunhofer (Foto: Markus Mayer)" Bild3="Der Niederbayerische Musikantenstammtisch trifft sich einmal im Monat. Wo, erfährt man auf der Website www.wirtshausfreundliche-musikanten.de (Foto: Markus Mayer)"]


Netzwerk Stammtisch
Womit sicher keines der Gründungsmitglieder gerechnet hatte, ist, welche Entwicklung ihre meist monatlichen Treffen angestoßen haben. Denn seit sich der „Niederbayerische Musikantenstammtisch“ durch die Wirtshäuser der bayerischen Landeshauptstadt spielt, ist in München eine einzigartige Situation entstanden: Abseits von aufgesteckten Dirndlbalkonen und Gamsbartträgern hat sich unter den Anfang 20- bis Mitte 30-jährigen eine subkulturelle Volksmusikszene gebildet, in der sich alle kennen, alle mögen und nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Der Stammtisch findet monatlich in verschiedenen Wirtshäusern statt. Er ist Netzwerktreffen und Kapelle zugleich. Hier tauscht man sich aus, empfiehlt sich gegenseitig und stellt neue Formationen zusammen. Oder - um es mit den Worten der Musiker zu sagen: Der Stammtisch ist eine Jamsession. Aber eben mit Zwiefachen, Drehern, Schottischen und Galopp.
Interessanterweise sind die wenigsten Stammtisch-Mitspieler Münchner. Die meisten stammen vom Land. Aber die Stadt ist es, die sie musikalisch zusammenbringt. Michi von Mücke kommt aus Oberammergau und leistet seinen Zivildienst in München ab. Er sagt: „Für mich als Landmensch ist es wichtig, so was wie den Stammtisch in der Stadt zu haben. Alles trifft sich, man lernt neue Leute kennen. Und irgendwo wird immer gespielt.“

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