Zum Beispiel CSR: Wie manche Unternehmen "soziales Handeln" vorgeben
Er hat das "Schwarzbuch Markenfirmen" geschrieben, in "Uns gehört die Welt!" erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch. Heute: Warum Konzerne Straßenkinder unterstützen und trotzdem keine fairen Löhne zahlen
Von A wie Adidas bis Z wie Zara bekennen sich heute so gut wie alle großen Konzerne zur „Sozialen Unternehmensverantwortung“, der so genannten „Corporate Social Responsibility“. Abkürzung: CSR. Sie stecken Millionen in Werbekampagnen, die beweisen sollen, dass das eigene Unternehmen zu seiner sozialen und ökologischen Verantwortung steht. Ganze Abteilungen werden beschäftigt, um sich um Menschenrechts- und Umweltangelegenheiten zu kümmern. Da werden Straßenkinder unterstützt, Kinderspielplätze angelegt und manchmal sogar Schulen und Krankenhäuser in ärmeren Ländern gebaut. Große Firmen betonen, „ein verantwortungsbewusster Teil der Gesellschaft“ zu sein, und erklären die „nachhaltige Wirtschaftsweise“ zu ihrem obersten Ziel. Meistens haben sie auch einen „Code of Conduct“, einen Verhaltenskodex. Darin stehen Dinge wie das Bekenntnis zu Arbeits-, Gewerkschafts- und Menschenrechten, zum Umweltschutz und gegen Kinderarbeit. Das klingt gut. Aber was steckt wirklich dahinter? Warum investieren Unternehmen heute Millionen in aufwändige Werbeprospekte und Nachhaltigkeitsberichte, um zu betonen, wie moralisch sie handeln? Die Antwort ist leicht. Durch die freiwillig auferlegte „Unternehmensverantwortung“ wollen Konzerne verhindern, dass man sie mit global gültigen Gesetzen zur Einhaltung menschenrechtlicher Auflagen zwingt. „Wir brauchen keine Gesetze“, argumentieren sie, „wir betreiben CSR.“ Ebenso gut könnte man sagen: „Schaffen wir doch überhaupt alle Gesetze ab. Wir fahren auch freiwillig nicht bei Rot über die Kreuzung und begehen auch keinen Banküberfall.“ Ob das funktionieren würde? Ein anderer Grund liegt bei den KonsumentInnen. Die wollen nämlich heute „mit gutem Gewissen“ einkaufen – und dafür müssen die Konzerne ihr Image aufpolieren. Jeff Ballinger ist einer der ersten, die Ende des zwanzigsten Jahrhunderts globale Konzernverbrechen aufdeckten und an die Öffentlichkeit brachten. Im Oktober 2007 besuchte ich den 53jährigen Amerikaner in seiner Wohnung in Wien. Ich wollte wissen, ob sich seit damals wirklich etwas verbessert hat. „Überhaupt nichts“, sagte der grauhaarige freundliche Mann. „Im Gegenteil: Die Konzerne geben ihr Geld nun für teure CSR-Kampagnen aus, statt endlich faire Löhne zu bezahlen und die Situation in den Produktionsländern zu verbessern. Und für uns ist es schwieriger geworden, diese furchtbaren Zustände zu kritisieren, weil viele KonsumentInnen und Medien den Firmen ihre CSR-Lügen glauben.“ - „Die CSR-Maßnahmen haben unsere Lage sogar noch verschlechtert“, erzählte mir auch eine thailändische Arbeiterin, die Sportbekleidung für große Markenfirmen nähte. „Weil die Konzerne unseren Arbeitgebern für diese Maßnahmen nicht mehr bezahlen, wurden unsere Löhne gekürzt.“ Für einen Sportschuh, der bei uns hundert Euro kostet, erhält eine Näherin in China oder Vietnam rund 40 Cent. „Wenn jede Arbeiterin 75 Cent mehr bekäme, wäre das Problem gelöst“, sagt Jeff Ballinger. „Doch das würde Konzerne wie Nike 210 Millionen Dollar kosten. Stattdessen zahlen sie lieber zehn Millionen, damit ihre CSR-Leute von Konferenz zu Konferenz reisen und ihre Firma als verantwortungsvolles Unternehmen präsentieren können.“ Stellen wir uns vor, ich überfalle einen von euch und raube ihm alles was er hat. Wenn das Verbrechen öffentlich bekannt würde, hätte ich damit zweifellos einen gewissen Imageverlust zu erleiden. Stellen wir uns nun vor, ich zahle meinem Opfer nun mit großzügiger Geste einen Euro - und alle applaudieren. Das, meine Lieben, ist CSR. ******
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Ansonsten: Es gibt nichts Gutes außer man tut es. Sollen sie doch damit werben, ist doch egal.
sowas halte ich für eine sinnvolle aktion:
http://www.tdh.de/content/spenden/restce...
Und wenn die Preise auf Arbeit steigen, huch, ja dann werden die Firmen wohl auch weniger dieser Leute einstellen.
Das ändert wenig daran, das erzwungene CSR-Maßnahmen, die über reine Werbung hinausgehen, eine ziemlich bescheuerte Idee sind.
Da ist es dann eben logisch, dass man eine lieber eine CSR Kampagne aufzieht, anstatt sich mal wirklich Gedanken über die MENSCHEN zu machen, aber egal, ist ja alles weit weit weg.
Mann, Mann, Mann. Wie tief kann das Niveau dieser Plattform noch sinken?
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-1
01.05.2009 - 18:46 Uhr
herzschlag_ins_gesicht
vielleicht verfolge ich deshalb die kolumne nur sehr sporadisch.
csr ist ein marketingtool. frei nach "tu gutes und sprich darüber".
dass es etliche unternehmen gibt, die gutes tun, auch und erst recht für ihre mitarbeiter, findet keine beachtung. klar - passt ja auch nicht rein, in die böse unternehmenswelt.