Mädchen, wie seid ihr, wenn ihr euch betrinkt?
Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs, weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen. Ab sofort auch zum Anhören!
Die Mädchenantwort zum Anhören wird präsentiert von Süddeutsche Zeitung Audio Zum Glück gibt es die Endspurtdepressive. Denn was wäre Typ Nummer 2, die Umarmerin, nur ohne sie? Ist die Nacht lang und die Spirituosenzufuhr stetig, verändern auch wir sowohl unser verbales als auch unser physisches Kommunikationsverhalten. Unsere Latenzen verstärken sich, wir werden zutraulich, anschmiegsam, albern, rührselig oder auch ein bisschen ätzend. Das hängt natürlich auch immer ein bisschen mit individuellem Charakter und jeweiliger Situation zusammen – die Depressive zum Beispiel hat garantiert schon um halb zwölf angefangen zu überlegen, ob sie ihrer Ex-Affäre eine sehnsuchtsvolle SMS schicken soll. Obwohl ihre coolere beste Freundin ihr wirklich dringend davon abrät, hat sie sich von der lockeren Lissy doch ermutigen lassen. Um drei Uhr morgens tanzen Lissy und die beste Freundin aber mit zwei Typen auf dem Tresen, die Depressive hat keine Antwort-SMS bekommen, eilt aus dem Lokal und jetzt kommt endlich die Umarmerin zum Zug. Sie lebt nach dem Prinzip, dass der beste Trost immer noch ist, einfach mal richtig in den Arm genommen zu werden. Das kommt der Depressiven zugute, die ein bisschen Körperkontakt brauchen kann, und sich gleichzeitig einbilden will, dass sie ihre coolere Beste Freundin gar nicht braucht. Und weil es mit der Umarmerin gerade so nett ist, kann man ja auch darüber mal reden. Für die Umarmerin ist das fast so gut wie ein Ausflug ins Thermalbad: Wohliges Gefuehl, menschliche Wärme und man hat den anderen ein paar Tage lang etwas zu erzählen. Man darf die Umarmerin allerdings nicht mit der Intimitätenschleuder verwechseln. Die hat nämlich gar nichts mitbekommen, nur ein paar Schnapse zu viel. Sie ist beschäftigt, sie redet. Stundenlang, egal mit wem. Sie kennt nur zwei Themen, in chronologischer Reihenfolge: die Angelegenheiten ihrer Freunde und Sex. Die Intimitätenschleuder ist auch bei Tag eine gesprächige Person, ihre Seele aber ist von Unsicherheiten zerfurcht. Sie hat eine Langzeitbeziehung, einen festen Job und nur noch wenige Träume. In größeren Runden breitet sie daher am liebsten ihr Wissen über aktuelle Intimvorgänge anderer Leute aus, auf so genannten Mädchenabenden unterhält sie am liebsten die Runde mit Schwänken aus ihrem privatesten Leben, die sich um Haarentfernungsprozeduren oder sexuelle Vorlieben ihres Partners drehen. Weil die Runde sich irgendwann aber auf den Tresen oder in die Depression flüchtet, sucht sich die Schleuder einfach fremdes, unbesetztes Ohr und kann danach ihrem Freund zu Hause erzählen, dass sie mal wieder jemand Neues kennen gelernt hat. Und so gehen wir alle am Ende des Abends zufrieden nach Hause und finden, dass wir das ganz bald mal wieder machen müssen. meredith-haaf- Mädchen, dürfen wir euch Kumpel nennen? 11.05.2012
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