01.05.2009 - 18:30 Uhr

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"So etwas wie die Bar 25 wird es nicht noch einmal geben"

Text: wlada-kolosowa - Foto: neo.n/photocase.de

Christoph Klenzendorf und Juval Dieziger, Betreiber der Berliner Bar 25 sprechen im jetzt.de-Interview über Feiern in der Hauptstadt, Party-Touristen und den letzten großen Sommer

In welchen Club ziehen denn die Berliner Hedonisten um? Juval: Keine Ahnung. Es soll sich nicht großspurig anhören, aber ich glaube tatsächlich, dass es so was wie die Bar25 nicht noch einmal gibt. Wir sind mehr als ein Club, nicht nur Technobummbumm. Wir verkörpern ein Lebensprinzip. Manche unserer Stammgäste sehen uns fast als ihre Familie und wir haben jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn wir am Montag oder Dienstag schließen müssen. Christoph: Normalerweise ist das in Berlin so: Ein Club geht, ein anderer kommt. Auch unsere Tanzfläche wurde aus Überresten eines Rockschuppens und einer Schwulenkneipe gebaut. Das Kunststück Bar25 lässt sich aber nicht wiederholen. Wir haben damals etwas Neues angefangen, die Natur in die Clubs geholt und die Leute raus aus den Kellerdiscos. Es ist eine besondere Ecke geworden, ein Pilgerort für Freaks, Selbstdarsteller und Leute, die einfach frei sein wollen. Frei? Manche werfen euch vor, die Bar25 sei zu kommerziell geworden, die Tür zu streng. Christoph: Ja, in letzten Jahren haben wir selektieren müssen. Wir lassen unseren Gästen extremen Freiraum und müssen daher besonders aufpassen, dass das Publikum stimmt. Es standen auch schon Psychopathen mit Axt vor der Tür. (lacht) Ansonsten haben bei uns Leute gute Chancen, mit denen wir selbst gern feiern würden. Keine verkrampften Clubkids, sondern Menschen, die über sich selbst lachen können. Juval: Als die Autonomen gegen Mediaspree protestiert haben, haben sie die Nase vor der Bar25 gerümpft - wir haben eine Modenschau mit Adidas veranstaltet, wir waren zu käuflich, zu genussorientiert. Inzwischen ist es aber besser geworden. Einmal kam eine Gruppe in Kapuzenpullovern her und sagte: Wenn ihr Hilfe braucht, wir brennen auch ein Auto für euch ab. In der Bar geht es vor allen Dingen um Kreativität und Selbstbestimmung, das haben auch die Linken erkannt. Die einzigen, die das nicht verstehen, sind Politiker. Sie wollen das Grundstück unbedingt frei räumen. Und das, obwohl es nicht einmal einen Käufer gibt. Dann ist es ja doch gut möglich, dass ihr länger bleibt. Christoph: Nein. Die Stadt will das Projekt Mediaspree vorantreiben und das Gelände säubern. Das ist das Ende. Definitiv. Aber wir gehen mit Pauken und Trompeten unter. Juval: Wir gehen mit einem großen Knall ab. Am Ende soll eine brachliegende Fläche bleiben.
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.