Schussel-Mädchen 2.0: Übers eigene Scheitern schreiben
Mädchen sind anders im Netz aktiv als Jungs. Aber sie wiederholen beim Bloggen eine Schussel-Attitüde, die man schon aus der echten Welt kennt
In der vergangenen Woche wurde in der Wochenzeitung Freitag die Frage erörtert, ob Frauen anders im Web aktiv sind als Männer. Es ging um Blogs, um Twitter, ums Schreiben im Netz. Die Autorin stellte fest: "Während bei Männern durchaus beobachtet werden kann, dass sie beim Bloggen gerne Punkte sammeln und Siege erringen, steht bei Bloggerinnen der Dialog, aber auch die visuelle Darstellung im Vordergrund." Selten habe ich eine so gute Beobachtung dessen gelesen, was mir bei der Lektüre von Mädchenblogs und -Feeds seit ein paar Wochen auffällt - auch wenn der entscheidende Punkt in dieser Beschreibung noch fehlt: Den Bloggerinnen geht es nicht ums Punktemachen, es geht ihnen sogar bewusst ums Scheitern, um die eigenen Unzulänglichkeit, um ihr wortreich ausgebreitetes Versagen.
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Den gibt es allerdings auch in männlicher Form.
Ich würde es geschlechterunabhängig einordnen; es hat vielmehr mit dem eigenen Charakter zu tun, wie man sich selbst im Internet und auch im realen Leben darstellt/darstellen möchte.
doesitoffendyou sagte:
in der überschrift fehlt ein D in "Mächen"!
Schussel-Junge.
Ab und zu mal schmunzeln ist doch was wert.
Einiges finde ich auch bei mir,darum mein schmunzeln.
Ich denke Frauen wollen ihre Meinung sagen
ohne von anderen unterbrochen zu werden,wie so oft.
Frauen wollen mitteilen und austauschen und nicht auf einem erhöhten Treppchen stehen.
Also Männer,nicht auf mich treten weil ich mich heute freue.
Der Prokrastinier-Text ist ein Klassiker des Web2.0, sowohl hier auf jetzt als auch bei neon, und ich habe den mindestens ebenso oft von männlichen wie von weiblichen Usern gesehen.
Vielleicht sind die Mädels bisher eher weniger für dieses Gehabe kritisiert worden, gerade weil man das eher von den Jungs erwartete, und nun, da sie vermehrt auch damit durchkommen und somit auch vermehrt auf die loveable loser-Karte setzen, siehst du auf einmal gewissen Kritikbedarf. Soll sein.
Ich sehe das aber nicht unbedingt als Rückschritt der Emanzipation.
Ich bin für mehr Posen zur freien Wahl für alle.
aha...interessant
03.05.2009 - 22:39 Uhr
muschikaetzchen
übrigens begegnet einem das ja nicht nur im netz, das sind diese mädchen, die alles total im griff haben, aber um zu zeigen, dass sie eigentlich gar nicht so strebsam sind, sondern entspannt, stellen sie sich so dar. man muss dann ganz schön aufpassen, dass man ihnen nicht die richtig peinlichen geschichten erzählt, die einem so passieren, darauf reagieren sie sehr pikiert.
das ist mir aber noch nie bei jungs aufgefallen. vielleicht bin ich da aber auch weniger kritisch.
du nennst es kokettieren, aber auch menschen, die auf den ersten blick ein erfolgreiches und scheinbar perfektes leben führen, haben schwächen und selbstzweifel, die sie beschäftigen. und das finde ich tausendmal sympatischer und auch interessanter als das "punkte machen" (ist web 2.0 ein wettbewerb?!), das du den männern zuschreibst.
und dass diese "Mädchenblogs" nun auch noch erfolgreicher sind als die pure selbstbeweihräucherung, ist ja wohl ein banaler mechanismus. scheitern ist immer spannender als glatte erfolgsverkaufe. und besonders dann, wenn ausreichend fallhöhe da ist. lies mal dramentheorie, bevor du damit nen geschlechterdiskurs aufmachst.
denke schon: schusselmädchen 2.0 passt in's bild! :-)
könnten ja die hier kommentierenden weiblichen user auch mit ein wenig selbstironie nehmen, denn DAS ist dann wahre größe ;)
04.05.2009 - 07:53 Uhr
Freiheitsliebe
Was mich auch interessieren würde ist wirklich wo männliche Blogger den Punkte sammeln können.
suesswarenabteilung sagte:
"ich bin sowas von indie, ich höre mir nur noch leere kasetten an"...
hahaha
diejodie sagte:
scheitern ist immer spannender als glatte erfolgsverkaufe. und besonders dann, wenn ausreichend fallhöhe da ist. lies mal dramentheorie, bevor du damit nen geschlechterdiskurs aufmachst.
word!
die theorie ist ja wohl komplett krude und basiert doch bloß auf gefühltem wissen. hier auf jetzt.de zB gibt es mindestens genau so viele scheiternde jungs, und auch das tut gar nichts zur sache. das hat doch mit frauen und männern nichts zu tun, sondern vielmehr mit den themen netzidentität, selbstvermarktung und gesellschaftliches rollenverhalten, selbsttherapie und gruppenzugehörigkeit. unterschiede zwischen männern und frauen würde ich da ganz am schluss analysieren, bevor der rest des konstrukts nicht ganz klar ist.
weder hier noch sonstwo?
liebeskummer wird überall breitgetreten, aber das ist ja kein scheitern...also...wo?
christian-berg sagte:
Nur zur Erklärung: Es geht mir nicht um Selbstzweifel. Die sind notwendig und machen Menschen sympathisch. Es geht mir um das Zurschaustellen des eigenen Scheiterns. Das finde ich langweilig. Es scheint aber gerade eine gewisse Mode zu haben
naja, zusammengefasst bloggen dem klischee nach frauen "von babykotze bis iphone" (ums mal mit der republica zu sagen), männer hingegen sind irgendwie der meinung, es interessiert jeden, was genau sie jetzt noch zu den politischen entwicklungen in paraguay zu sagen haben und legen sich dann gleich mal einen eigenen blog an.
so gesehen langweilt mich das eine klischee genauso wie das andere. komischerweise gibts aber genug blogs, die mein rss füllen, die weder dem einen noch anderen klischee entsprechen.
04.05.2009 - 14:21 Uhr
rocket_scientist
rocket_scientist sagte:
wie sie sich verzweifelt wehren, die schusselmädchen v.2.0, in ihren kommentaren *gg*
findeste?
ich finde den artikel ziemlich zu kurz gefasst... tessas originalartikel gibt wesentlich mehr her. wenn man schon meint, dringend drüber reden zu müssen.
ich wüsst nun gerne mal einen blog, in dem ein mädchen erzählt, wie es scheitert. hat da jemand einen link?
rocket_scientist sagte:
wie sie sich verzweifelt wehren, die schusselmädchen v.2.0, in ihren kommentaren *gg*
Was für eine total dämliche Aussage.
insgesamt aber eine nichtige thematik mit nichtigen kommentaren.
also nicht wichtig..also nicht zu wichtig nehmen *g*
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/liste...
(label:"blamiererei")
Dosenknall_mit_Ueberschall sagte:
noch schlimmer sind die typen, die sich in den kommentaren bei der holden weiblichkeit einschleimen (wollen). a la, dieser artikel ist pöse, pöse, das sind doch gar keine schusselmädchen 2.0...etc...gerne verfasst diese fraktion auch "gedichte", betroffenheitslyrik und -prosa, herzschmerzreime etc...
Wow, danke für dieses faszinierende Psychogramm.
Hast du schon mal überlegt FBI-Profiler zu werden?
rocket_scientist sagte:
bitteschön, nur ein beispiel, für alle, die es nicht glauben wollen:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/liste...
(label:"blamiererei")
Literaturtheoretische Faustregel #1: Setze niemals Autor und Erzähler gleich!
kaya sagte:
rocket_scientist sagte: bitteschön, nur ein beispiel, für alle, die es nicht glauben wollen:http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/liste...(label:"blamiererei")Literaturtheoretische Faustregel #1: Setze niemals Autor und Erzähler gleich!
hab mir nun nochmal die ARBEIT *schwitschwitz* gemacht, und aufgrund von frau kayas aussage einen von jollschers texten gelesen. sie ist sowohl autorin, als auch protagonistin in diesen texten. also wohl auch erzählerin, oder, oder?
die meisten haben hier auch bergs artikel in keiner weise verstanden. weia...wenn DAS die studentinnen und studenten von heute sind....pisa goes hochschule, oder was!?
rocket_scientist sagte:
bitteschön, nur ein beispiel, für alle, die es nicht glauben wollen:http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/liste...(label:"blamiererei")
ich hab noch überlegt, ob ichs extra dazu schreibe: gibts auch einen richtigen blog, in dem schusselmädchen scheitern? wenn das angeblich so ein wahnsinns trend ist, dann müsste es ja wohl einiges außerhalb des kosmos geben...
Freiheitsliebe sagte:
hat nicht eine userin hier...wie hieß sie noch...ex-germanistik-studentin. schreibt recht gute texte, allerdings...jedenfalls hat sie, wenn ich mich recht erinnere, gar eine eigene rubrik bzw. label, in dem sie situationen darstellt, in denen sie sich besonders tollpatschig verhalten hat.
....
Sagen wir es so: solage so etwas abgegrenzt und witzig passiert kann das ok sein. Was mich eher nervt sind Frauen, die obwohl sie etwaws koennten (sollten) alle drei Minuten rauslassen dass sie das gar nicht koennen und stolz sind dass sie das jemanden anders machen lassen. (Obwohl das jetzt zu weit fuehrt (weil nicht bezogen aufs bloggen): die Ex eines Freundes von mir war so. Nie ein Problem selbst loesen, immer zu schusselig rumtuen. Da hatte sie dann noch 5-8 Typen an der Hand (von denen sie absolut nichts wollte) die sie mit niedlich schauen und dumm tuen dazu gebracht hat ihr bei allem moeglichen zu helfen.)
04.05.2009 - 15:28 Uhr
drolli
kikuju sagte:
rocket_scientist sagte:
bitteschön, nur ein beispiel, für alle, die es nicht glauben wollen:http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/liste...(label:"blamiererei")
ich hab noch überlegt, ob ichs extra dazu schreibe: gibts auch einen richtigen blog, in dem schusselmädchen scheitern? wenn das angeblich so ein wahnsinns trend ist, dann müsste es ja wohl einiges außerhalb des kosmos geben...
Google sagt nein. Schussel mädchen scheint eine Wortneuschoefung zu sein
http://www.google.com/search?hl=en&clien...
rocket_scientist sagte:
bitteschön, nur ein beispiel, für alle, die es nicht glauben wollen:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/liste...
(label:"blamiererei")
Ich bin kein Schusselmädchen. Da will ich doch sehr bitten.
Und mit Scheitern hat das meiner Meinung nach erstmal nix zu tun, sondern mit (Trommelwirbel) Sich-blamieren. Und das ist eher lustig als traurig, würd ich meinen (und hoffen).
Indie bin ich übrigens auch nicht, genausowenig wie meine Protagonisten (Nochmal und immer wieder: Autor ist nicht gleich Erzähler. Langsam will ich mir ein T-Shirt mit der Aufschrift drucken lassen!).
Selbstironie (des protagonisten, wohlgemerkt) ist angestrebt, kein Kokettieren mit der eigenen Dummheit (und ebenso wenig mit der des Protagonisten). Sicher nicht.
Und sonderlich schusselig ist in den Texten, die hier verlinkt wurden, eigentlich niemand, denk ich. Wundert mich also, wieso man sie mit Scheitern und "Schusselmädchen" (blödes Wort) in Verbindung bringt.
Und seltsam find ich auch, dass hier anscheinend keinem ein signifikantes (zweites) Beispiel für ein "Schusselmädchen" einfällt. Gibt's die am Ende gar nicht?
muss man seine phantasie bissle spielen lassen, um bei google dazu einschlägiges zu finden.
das internet ist groß und menschen gibt es viele. milliarden. wenn hier also "schusselmädchen-texte" sind, findet man die auch in tausenden anderen foren, netzwerken etc..jetzt.de ist nicht ein SOLCHES autarkes soziales feuchtbiotop, dass nur HIER solche texte zu finden sein werden..
04.05.2009 - 16:02 Uhr
Freiheitsliebe
*g*
04.05.2009 - 16:02 Uhr
Freiheitsliebe
04.05.2009 - 16:05 Uhr
Freiheitsliebe
christian-berg sagte:
Nur zur Erklärung: Es geht mir nicht um Selbstzweifel. Die sind notwendig und machen Menschen sympathisch. Es geht mir um das Zurschaustellen des eigenen Scheiterns. Das finde ich langweilig. Es scheint aber gerade eine gewisse Mode zu haben
aha. ich würde jetzt aber immer noch gerne wissen, was das mit männlich oder weiblich zu tun hat.
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...
dann lieber ab und an mal öffentlich darstellen, wie man den Toaster in brand oder das Auto falsch in die Parklücke gesteckt hat. Das tangiert die eigentlichen Kernkompetenzen überhaupt nicht, und weckt Sympathien, vor allem bei den Jungs. Hurra.
04.05.2009 - 21:34 Uhr
alces
kikuju sagte:
was genau sie jetzt noch zu den politischen entwicklungen in paraguay zu sagen haben
Hömma, Kiku! Jetzt ist gerade raus, daß Präsident Lugo als er noch de jure Bischof (und 54) mit einer damals 24-Jährigen ein Kind in die Welt setzte... und evtl. weitere Geliebte und Kinder haben könnte... das ist alles relevant, v.a. weil der Mann über keine Parlamentsmehrheit verfügt und wichtige Reformen anstehen. Die moralische Autorität schmilzt dahin - gut, daß in Paraguay die Polygynie nicht so stigmatisiert ist...
Wichtige Themen, diese.
Jungs wollen eben imponieren und manche praktizieren das dann auch hier, wie z.B. ein Kulturgut, der in Diskussionen um das Wirtschaftsystem immer wieder einfließen läßt, dass es nur der Neid wäre und er das Recht habe mit einem 600 PS-Wagen zu fahren. Imponiergehabe bis in die letzte Pore, Scheitern wird hier als Fehler interpretiert. Während sich aus dem Scheitern aber eben gerade die lustigen kleinen Alltagsgeschichten ergeben, die aus einem drögen Imponieren eine kurzweilige Angelegenheit machen, wie die Geschichte vom Totalschaden in der Parkgarage oder der fast gescheiterte aber super einfache Anbau eines Spoilers.
Die "zur Schaustellung" des Scheiterns erfordert aber gerade bei Männern einen ziemlichen Weitblick und ein gehöriges Mass an Selbstvertrauen, dass die meisten eben nicht haben. Aber Männern bleibt dann anscheinend eben oft nichts mehr, während eine Bridget Jones noch ihr Aussehen hat.
Insofern ist bei einer gescheiterten Beziehung bei ihm "die dumme Tussi schuld" (das war ein Zitat) während Sie den Fehler bei sich sucht.
Die Gruppe der Frauen, die durch ihr scheinbares Unvermögen ganze Herrscharen von Hilfswilligen-Möchtegern-Drankommern in ihrem Schlepptau führen ist eine andere Spezies ;-).
Digital_Data
Zu Kikuju: Stimmt nicht. http://twitter.com/franziskript/status/1...
christian-berg sagte:]http://twitter.com/franziskript/status/1...
Zu Kikuju: Stimmt nicht. [link=http://twitter.com/franziskript/status/1...
was stimmt nicht? häh?
da schreibt jemand bei twitter "ich glaube, da ist was dran" und verlinkt zu deinem artikel. okay, ein nettes kompliment für dich. glückwunsch.
nach was ich gefragt hatte, waren links zu blogs (also bitte weder jetzt.de noch twitter) in denen haufenweise mädchen ihr scheitern zelebrieren. hast du die?
Sehr schöne Stilisierung in Richtung depressiv-scheiternd und ich-verstehe-die-welt nicht. Lese ich sehr gerne, find ich mich als Mann auch wieder; bloß kenne ich tatsächlich keinen männlichen Blogger dieses Genres. Hättest du da einen?
erstmal danke für den link und fürs verstehen, was ich will ;)
nö, ich hab keine männlichen blogs. ich hab auch nicht behauptet, dass es die gibt. ich zweifele nach wie vor an, dass es dieses "genre" überhaupt gibt.
und ich finde, man hätte aus dem freitag artikel wesentlich mehr raus holen können. da gehts irgendwie um andere sachen.
entweder hättest du, christian, das schusselmädchen als reines jetzt.de phänomen beschreiben können. oder anständig auf tessas artikel eingehen und dann in einem halbsatz von mir aus drauf verweisen, dass das schusselmädchen bei jetzt.de oft anzutreffen ist, der schusseljunge deiner meinung nach aber nicht.
so aber gehst du auf den freitag artikel nicht ein und stellst außerdem eine recht steile these auf, die du immer noch nicht anständig belegt hast.
"wenn frauen bloggen" wird derzeit ja so ein wenig als thema besetzt. mir kommt dieser artikel vor, als wollte da jemand auf einen zug aufspringen, den er dann mit anlauf verfehlt.
Feeling like: Kolibri auf Speed.
Die: http://misscaro.blogspot.com/2005/02/abo...
das ist doch ne kunstfigur!
leolil sagte:
@seeblicker:
das ist doch ne kunstfigur!
... und das ist hier mal wieder die problematik: es werden immer äpfel und birnen zusammen geschmissen und der schreiberling mit dem "ich" im text verwechselt.
aber ich wiederhole mich.
Gut geschrieben und beobachtet. Mädchen sind meist to much oder zu wenig.allgemein.








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03.05.2009 - 18:38 Uhr
alter_hund