Feldzerstörerin Mirjam: "Die Gentechnik ist total aus dem Ruder gelaufen."
Am Donnerstag begann der Prozess gegen sechs Gentechnikgegner, die im vergangenen Jahr ein Feld mit gentechnische veränderten Weizen zerstörten. Es geht um 245 000 Euro Schadensersatz
Derzeit ist Gentechnik ein großes Thema in den Medien. Für die 23-jährige Studentin Mirjam Anschütz ist sie das schon länger. Im April 2008 kletterte durch den Zaun des Forschungsinstitutes IPK in Gatersleben, Sachsen-Anhalt. Zusammen mit fünf anderen schlug sie eine halbe Stunde lang Weizenhalme ab und wurde anschließend von der Polizei mitgenommen. Ein Jahr später sitzt Mirjam in einem Gerichtssaal in Magdeburg. Es geht um 245 000 Euro Schadensersatz und um ihre Existenz. Am Donnerstag war der erste Verhandlungstag. Warum hast du damals das Weizenfeld zerstört? Der Weizen auf dem Versuchsfeld war genetisch manipuliert und wuchs nur 500 Meter entfernt von Feldern der wichtigsten deutschen Kulturpflanzenbank. Der veränderte Weizen hätte auskreuzen und das Erbgut der Kulturpflanzen kontaminieren können. Die Forscher vom IPK sagen, der Abstand zwischen Versuchsfeld und Kulturpflanzenfeldern reiche aus ... Wie groß der Abstand wirklich sein muss, ist umstritten. Aber so lange die Gefahr besteht, dass das Genmaterial aus der Kulturpflanzendatenbank geschädigt wird, ist der Anbau dieser Pflanzen so dicht an der Genbank ein unglaublicher Skandal. Wir glauben, dass es auch eine absichtliche Provokation war. Wenn das widerspruchslos durchgegangen wäre, wären alle Tabus in der Grünen Gentechnik gebrochen gewesen. Den Forschern ging es um einen erhöhten Eiweißgehalt, zusätzlich hatten sie den Pflanzen eine Totalherbizidresistenz und einen Antibiotikamarker eingebaut.
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