22.04.2009 - 18:30 Uhr

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Zum Beispiel Konsum: Lohas werden die Welt nicht retten

Text: klaus-werner-lobo

Er hat das "Schwarzbuch Markenfirmen" geschrieben, in "Uns gehört die Welt!" erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch. Heute: Warum Lohas blauäugig sind!

Seit Organisationen wie Greenpeace die Kampagne für saubere Kleidung und Publikationen wie das Schwarzbuch Markenfirmen auf Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, globale Ausbeutung und Umweltzerstörung durch multinationale Unternehmen hinweisen, wollen immer mehr Menschen ihre Konsumprodukte aus ethisch und ökologisch „korrekter“ Herkunft beziehen. Häufig erhalte ich Anfragen, ob man diese oder jene Marke denn mit reinem Gewissen kaufen könne. Verlage drängen mich, doch endlich ein „Weißbuch Markenfirmen“ zu schreiben, also sozusagen eine Liste ethisch „unbedenklicher“ Marken. Auch wenn ich damit womöglich viel Geld verdienen könnte: Eine solche Liste wird es von mir nicht geben. Weil es erstens unmöglich ist, weltweit agierende Konzerne mit Tausenden Zulieferbetrieben so umfassend zu kontrollieren, dass man sie „freisprechen“ könnte. Zweitens hat jeder Multi, der seine Profite auf Basis der Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern erwirtschaftet, ein systematisches Interesse daran, diese Unterschiede aufrecht zu erhalten: Das liegt nicht an „bösen“ oder unwilligen ManagerInnen, sondern an einem Wirtschaftssystem, das Ausbeutung ökonomisch belohnt und so zur Geschäftsgrundlage macht. Natürlich gibt es Hunderttausende kleine und mittlere Firmen, denen eine ökologisch und sozial nachhaltige Wirtschaftsweise wichtiger ist als die schnelle Rendite. Doch ein „Weißbuch“ über meinen Lieblingsschuster oder die Fahrradhändlerin ums Eck würde Leserinnen und Leser in Frankfurt, Budapest oder Buenos Aires relativ wenig interessieren. Dennoch suggeriert eine Fülle aktueller Buchtitel, wie man mit „Shopping die Welt verbessern“ oder nur ein paar einfache Einkaufstipps beachten muss, um „die Welt zu retten“. Mit den LOHAS gibt es sogar einen von der Werbeindustrie umworbenen Konsumtrend, der auf gesunde und nachhaltige Lebensweise setzt. In den USA sollen 30 Prozent der VerbraucherInnen diesem Typ entsprechen, in Deutschland etwa 15 Prozent. Das ist schon ganz nett: In einer Marktwirtschaft bestimmt die Nachfrage zumindest zum Teil das Angebot, und je mehr Menschen Bio, aus Fairem Handel, vegetarisch oder aus der Region einkaufen, desto mehr wird sich der Markt diesen Bedürfnissen anpassen. Wenn aber nun einige dieser Lohas glauben, ihren Teil zur Rettung des Planeten beizutragen, indem sie sich ein Hybridauto zulegen, halte ich das für ziemlichen Unsinn. Fahrrad und Bahn belasten nämlich die Umwelt immer noch weniger, aber vor allem können sich diese Art reinen Gewissens nur die leisten, die genug Geld dafür haben, und das gilt in geringerem Maß leider auch für die immer noch relativ teuren Öko- und Fairtradeprodukte. Wenn dann manche sogar meinen, demokratische Entscheidungen würden heutzutage an der Supermarktkasse getroffen, dann heißt das nichts anderes, als dass die Reichen in dieser „Konsumentendemokratie“ mehr mitzubestimmen haben als die weniger Wohlhabenden. Und damit wird genau das vorangetrieben, was wir eigentlich bekämpfen sollten – die Ökonomisierung und Privatisierung von Demokratie und Gesellschaft. Denn eine Hartz-IV-Empfängerin oder ein afrikanischer Kleinbauer haben kaum die Möglichkeit für solcherlei Gewissenspflege. Ein Beispiel für die Blauäugigkeit vieler Lohas ist auch das deutsche „Internetportal für strategischen Konsum und nachhaltigen Lebensstil“ Utopia. „Kaufe dir eine bessere Welt“, heißt es da, als ob es nicht im Gegenteil darum ginge, die Welt vor ihren Verkäufern zu retten. Weil man „nicht von Spenden oder anderen gemeinnützigen Zuwendungen abhängig sein“ will, finanziert sich Utopia „durch das private Engagement der Gründer und erste Kooperationen“. Darunter auch Konzerne wie OTTO und Henkel. OTTO stand 2006 im „Schwarzbuch Markenfirmen“ noch für „Ausbeutung, sexuelle Belästigungen und andere Missstände in Zulieferbetrieben“, die Kampagne für Saubere Kleidung vermutet, dass China, die Türkei und Indien die Hauptlieferländer für Textilien sind. Überall dort sind desaströse Arbeitsbedingungen die Regel. Im Dezember 2006 wurde einem OTTO-Lieferanten sogar Kinderarbeit vorgeworfen. Immer mehr Utopia-User beklagen sich übrigens, dass ihr Account wegen kritischer Bemerkungen gesperrt worden sei. Wenn wir für unsere Handlungen wirklich Verantwortung übernehmen wollen, dann dürfen wir uns nicht nur, wie das die Werbeindustrie gerne hätte, als KonsumentInnen sehen. Wir müssen wieder Menschen - und aktive Mitglieder der Gesellschaft - werden. ******
Klaus Werner-Lobo ist Autor und Clown. Sein neuestes Buch heißt „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“, seine Website ist unsdiewelt.com


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synthie_und_roma
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Mag ich Mag ich nicht

10

22.04.2009 - 18:38 Uhr
synthie_und_roma

ob ivy, utopia oder wie die alle heissen oder hiessen: lohas gehen gar nicht.

das ist en einfall einer industrie wie die blumen zum valentins- oder muttertag.

KIK! ist immer noch am fairsten - für hartz 4 empfänger die sich die neue ökologisch korrekte top-designermode nicht leisten können.

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

5

22.04.2009 - 18:49 Uhr
DagnyTaggart

Ohe, soviel wirres Zeugs auf einmal.

Man stelle sich aber mal vor, Lobo würde vor 200 oder 150 Jahren leben und die Zustände in England / Wales / Schottland / Nordirland beschreiben. Die Ergebnisse wären ähnlich und Lobo würde fordern, die Gesellschaft müsse von der Industrialisierung Abstand nehmen.

Kein fliessend Wasser, kein elektrischer Strom, Pferde als Individualverkehrsmittel machen zuviel Pferdeäpfel und sind auch Pfui, Baumwolle aus Afrika ist Pfui (damals schon) und überhaupt ist die Welt mit 200 Millionen Menschen eh schon viel zu dicht bevölkert.

alces
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Mag ich Mag ich nicht

2

22.04.2009 - 18:55 Uhr
alces

Und wieder nur Gesülze. Konkrete Schritte. Meßbar!

tachycardia
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Mag ich Mag ich nicht

10

22.04.2009 - 19:12 Uhr
tachycardia

ganz schön vage... wir müssen wieder menschen werden... aha...

sodawasser
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Mag ich Mag ich nicht

6

22.04.2009 - 19:37 Uhr
sodawasser

Wieder enttäuschend.

myTobi
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.04.2009 - 20:04 Uhr
myTobi

Also, ich weiß nicht.
Bisher fand ich deine Artikel immer Super, aber dieser hier geht mir irgendwie in die falsche Richtung.
Mag sein, dass es daran liegt, dass ich selbst ein ganz anderes Umfeld habe, aber ich fände auch alleiniges Konsumbewusstsein schon eine prima Sache. Und meinetwegen können die sich danach auch auf die Schulter klopfen und denken sie hätten die Welt gerettet.

Den größten Anteil den ich erlebe mach rein gar nichts, der ist einfach nur Konsument, und sonst nichts. Interessenlos.

Aus diesem Grund solte doch Utopia und Lohas lieber beworben als angegriffen werden.

klaus-werner-lobo
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22.04.2009 - 20:18 Uhr
klaus-werner-lobo

Lieber myTobi, ich kritisiere nicht das Konsumbewusstsein, sondern die Ökonomisierung und Privatisierung von Politik und Demokratie. Und der durchschnittliche ökologische Fußabdruck eines Lohas ist mit Sicherheit wesentlich größer als der eines durchschnittlichen Hartz-IV-Empfängers, da sollte ein bisschen Kritik schon drin sein.

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22.04.2009 - 20:31 Uhr
klaus-werner-lobo

@tachycardia ok, die menschen-message ist nicht angekommen; "aktive mitglieder der gesellschaft" ok? detaillierter geht's leider hier nicht...

sodawasser
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Mag ich Mag ich nicht

10

22.04.2009 - 21:35 Uhr
sodawasser

klaus-werner-lobo sagte:
Und der durchschnittliche ökologische Fußabdruck eines Lohas ist mit Sicherheit wesentlich größer als der eines durchschnittlichen Hartz-IV-Empfängers, da sollte ein bisschen Kritik schon drin sein.


Eine Bessere Welt also über Angleichung aller an den Lebensstandard eines Harz4 Empfängers ?
Die Umwelt retten durch einfach kein Geld für Auto, UrlaubsFlieger, Steak aus Argentinien ?
Mit Verlaub, mit dieser Art verquerer Verzichtsethik werden sie nicht viele begeistern können.

HaWe57
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Mag ich Mag ich nicht

-1

22.04.2009 - 21:44 Uhr
HaWe57

Abgesehen davon, dass es immer am wenigsten bringt, wenn man anderen vorwirft, sie täten etwas "falsches" - diese LOHAS-Schelte ist doch ein alter Hut.

Klar retten LOHSen durch ihr LOHAS-Sein nicht die Welt, aber im Gegensatz zu anderen (der Mehrheit !), denen alles wurscht ist, haben sie zumindest schonmal angefangen, in die richtige Richtung zu denken. Und wenn dann die Politik dieses neue um sich greifende Denken in aufgreift und in allegemeingültige Regeln gießt - dann werden auch die LOHASen zustimmen (im Gegensatz zur Mehrheit). Ist schon passiert, siehe Euro-BIO etc.

Und: Ob es sich bei den "immer mehr UTOPIA-Usern", die sich darüber beklagen, wegen "kritischer Bemerkungen" gelöscht worden sei, wohl um die Immergleichen handelt, die nach Ausgehen ihrer "Argumente" zum verbalen Prügel greifen?

Würde mich nicht wundern ;-)) Das ist auch sicher hier nicht anders - ein Blick in die Nettiquette genügt.

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