21.04.2009 - 15:50 Uhr

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Meine Computer

Text: OsvanRhein

C64:
Brotkasten nannten sie den Computer verächtlich, und ich durfte keinen haben. Ich weiß nicht, wie viele Weihnachten und Geburtstage in den 80er Jahren ich meine Eltern angebettelt habe, mich mit diesem Wunderwerk der Technik zu beschenken. Mein Nachbar Peter hatte einen und ich verbrachte jede freie Sekunde damit, vor einem alten Fernseher in seinem Wohnzimmer zu sitzen und Decathlon oder Elite zu spielen. Dabei war oft auch egal, ob Peter überhaupt da war, in dem Wohnzimmer hinter dem kleinen EDEKA-Laden saßen immer Kinder, die den Competition Pro Joystick rumreichten und nur dann sprachen, wenn per Datasette ein neues Spiel in den Speicher geladen wurde. „Press Play on Tape“ war wahrscheinlich der erste englische Satz, den ich auswendig konnte. Dann flackerten rote und schwarze Balken auf dem Fernseher und aus dem Lautsprecher kamen Töne, die man heute nur noch von Justice-Alben oder Digitalism-Remixen kennt.

Schneider CPC6128:
Ein gutes Beispiel für die Verlierer der Technik-Evolution ist „mein“ zweiter Computer. Er gehörte meinem Freund Jochen und war wie alles, was Jochen tat und besaß von seinem ehrgeizigen Vater ausgewählt. Noch schlimmer, als keinen C64 von den Eltern geschenkt zu bekommen, musste sein einen Computer zu bekommen, der zwar das Doppelte vom Wunschobjekt kostete, dafür aber so selten ist, dass kein Bekannter das gleiche Modell hat. Nicht mal die 3-Zoll-Disketten, die man umdrehen konnte wie eine Kassette waren normal zu kaufen, sondern mussten bestellen werden. Auf Jochens Schneider liefen also mangels Tauschpartner nur wichtige Programme für Buchhaltung, Mathe-Lern-Spiele und anderer Unsinn, den ein Zehnjähriger nicht machen will. Wir begannen, in der Sprache BASIC, eigene Spiele zu programmieren. Für eine Karriere in der Software-Entwicklung hat es dann aber doch nicht gereicht, weder für mich, noch für Jochen. Vielleicht auch, weil Peter zu Weihnachten das Diskettenlaufwerk 1541 für seinen C64 geschenkt bekommen hatte.

Amiga 1000:
Mein Bitten und Betteln wurde erhört und ich bekam selber einen Computer. Der nächste, logische Schritt nach dem C64 war der Amiga1000 mit eingebautem Diskettenlaufwerk und einer unglaublichen Taktung von internen 32 Bit. Stundenlang saß ich vor der Demo mit dem rot-weißen Ball, der zufällig über den Bildschirm sprang. Oder schob einfach Objekte auf der grafischen Benutzeroberfläche Workbench mit der Maus hin und her, öffnete neue Dokumente und warf sie in den Papierkorb. Warum? Weil man das nun konnte. Und meine Eltern hatten endlich ein Motivationselement für mich gefunden: Schlechte Noten in der Schule führten nicht zu Hausarrest, sondern zu Computerverbot. Ich verbesserte mich in Latein und Mathe um zwei Noten, nur um mehr Zeit mit den Gianna Sisters zu verbringen. Oder halt Elite zu spielen, diesmal in Farbe.

486er PC:
Bill Gates hatte gewonnen und ich brauchte einen Job, um neben der Schule genug Geld für einen Personal Computer zu verdienen. Der Sommer bestand also nicht aus Freibad und Eiscafé, sondern aus Europaletten-Rumschieben und Spätschicht an der Tankstelle. Der Lohn war ein großes, hässliches, zwanzig Kilo schweres Tower-Gehäuse mit selbst ausgesuchter und auf meine Bedürfnisse zugeschnittener Technik. Was damals bedeutete, genug Power um einen gestrandeten Space-Marine aus seinem Albtraum zu befreien. Oder in einem alten Herrenhaus einen Meteoriten und Benzin für die Motorsäge zu suchen. Oder eine leicht bekleidete Archäologin bei ihrer Suche nach, ja, nach was eigentlich, zu unterstützen.

iBook
Der erste Computer, den ich mir für meine Arbeit kaufte, sollte schick, stylisch und anders sein, zeigen dass ich kreativ und flexibel bin, hip und etwas nerdy. Er sollte aussagen: Der Typ meint es ernst, hat ne Menge auf dem Kasten und sorgt sich trotzdem um die kleinen Dinge. Ist intelligent aber bescheiden, etwas sexy, aber auch zuverlässig. Ich brauchte knapp einen Monat um zu realisieren, dass es so etwas nicht gibt und kaufte mir dann ein iBook.


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2 Kommentare

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erbschen
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Mag ich Mag ich nicht

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22.04.2009 - 05:34 Uhr
erbschen

und ... spielst du auch heute noch, oder arbeiteste nur noch mit dem ibook?

OsvanRhein
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.04.2009 - 14:05 Uhr
OsvanRhein

Ich hab noch den ollen PC zu spielen, klaro. :-)


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OsvanRhein

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