21.04.2009 - 18:30 Uhr

0 17 Über Twitter weiterempfehlen

Zensursula - der Protest gegen Internetsperrungen hat einen Namen

Text: dirk-vongehlen - Foto: dpa

Sie war für die Presse schon "Vorzeige-Mama" und "Mutter der Nation" - doch seit dieser Woche muss sich Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen einen neuen Spitznamen gefallen lassen: "Zensursula" nennen Datenschützer und Internetaktivisten die 50-Jährige und haben dafür zum Beispiel auch schon die Adresse www.zensursula.net registiert. Dort gibt es eine Todesanzeige zu sehen, die das Ableben des Artikels 5 des Grundgesetzes bekannt gibt. Der vergangene Freitag wird als "schwarzer Freitag des freien Internet" bezeichnet und es wird kritisiert: "Unter dem Deckmantel der Bekämpfung der Kinderpornographie unterzeichnet Familienministerin von der Leyen mit 5 großen deutschen Providern den Internetzensurvertrag. Damit wird zum ersten mal in der Geschichte der Bundesrepublik die bundesweite Zensur eines öffentlichen Mediums eingeführt."
Bild des Protests: Foto von der Antizensur-Demo am vergangenen Freitag in Berlin Um besser gegen Kinderpornographie im Internet vorgehen zu können, hatte von der Leyen mit den Internetprovidern Deutsche Telekom, Vodafone/Arcor, Hansenet/Alice, Telefonica/O2 und Kabel Deutschland ein Vorgehen vereinbart, dass die Sperrung bestimmter kinderpornographischer Seiten vorsieht. Vertreter des Chaos Computer Clubs kritisieren, "dass Kindesmissbrauch mit den geplanten Geheimlisten nicht bekämpft werden kann." Denn - so ergänzt der FoeBuD e.V. - "technisch betrachtet ist die von der Bundesregierung angestrebte DNS-Sperrung wenig sinnvoll, da sie bereits mit wenig Aufwand umgangen werden kann. Pädophile Straftäter mit grundlegendem technischem Verständnis werden daher keinerlei Schwierigkeiten haben, auch weiterhin auf kinderpornographische Inhalte zuzugreifen." Das Vorgehen habe also lediglich symbolischen Charakter und öffne die Möglichkeiten zu einer weiter reichenden Zensur. Denn, weil "die Liste der gesperrten Inhalte nicht öffentlich zugänglich ist, bleibt zu befürchten, dass die Rechtmäßigkeit der Sperrung keinerlei Überprüfung unterliegen wird. Das bedeutet: Allein das BKA entscheidet, was den Filter passieren darf." Und um das zu kritisieren, nennen die Netzaktivisten die Familienministerin nur noch bei ihrem neuen Spitznamen: Zensursula.


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
dirk-vongehlen
Mehr Texte zum Label
Wortschatztruhe
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
17 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

obsidian
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

22.04.2009 - 16:24 Uhr
obsidian

Gockeline sagte: Ich vergleiche das Geschrei über die Freiheit mit den extremen Linken,wenn einem was nicht passt,draufhauen.


Wer also für Freiheitsrechte argumentiert, ist ein extremer Linker, der draufhaut wenn einem was nicht passt?

Gockeline sagte: Wer Verantwortung trägt muß Entscheidungen treffen die nicht jedem gefallen.


50 Cent in den Plattitüdentopf.

Gockeline sagte: Mir sind die Sperren allemal lieber als dass die Pädophilen sich austoben können.


Hast du eine der Antworten über dir oder weiterführende Artikel zum Thema gelesen? Die Sperren bekämpfen nicht die Ursachen von Pädophilie sondern ihre Symptome, sie sind also im Kampf gegen Pädophile gänzlich nutzlos, man könnte sogar argumentieren, schädlich. Die Pädophilen "toben sich" mit oder ohne Sperre aus.


Gockeline sagte: Es werden mit der Zeit andere Länder auch noch nachziehen.
Wollt ihr dann die auch beschimpfen?
Bringts nicht.


Wenn die anderen aus dem Fenster springen... Und beschimpfen tun wir hier gar keinen, wir argumentieren.

eike
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

22.04.2009 - 18:36 Uhr
eike

richtig (kommentar über mir). wir sagen ebenso nur wie du - Gockeline - was wir meinen.
die sperre wird keinen pädophilen an seiner tat hindern.
es wird vielleicht den einen oder anderen "interessierten" abhalten.
die npd will man nicht verbieten, weil man sie sonst nimmer überwachen kann.
komisch, dass man die seiten im netz nicht zur bekämpfung der täter nutz. sperren ok, wenn eine auftaucht. das blose klicken strafbar zu machen ist unsinnig. weil der täter nicht seine seite ansieht.
mit dem gesetz geht es um mehr, wenn man ein wenig darüber nach denkt. auf unzähligen seiten - die sich besser für solche themen eignen als jetzt.de - gut nach zu lesen. beispiel: http://netzpolitik.org/ hier speziell: http://netzpolitik.org/2009/gesetzentwur... ist eine abhandlung der eigentlich zu erwartenden gründe sowie zum richtigen verhalten gegenüber der zensursula.
und diverse andere seiten. linkliste folgen.
danke.
wann wird die netzkultur endlich mal richtig verstanden und wann stehen für solche dinge endlich mal mehr leute auf. lobby-arbeit geht auch von der anderen seite aus.

cougarten
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

22.04.2009 - 20:49 Uhr
cougarten

eike sagte:
naja, ganz so leicht kommt man um die sperrung nicht rum. die werden neben der url schon auch die passende ip blocken. [...]

So weit ich weiß wird es nur einen DNS-Filter geben und der funktioniert nur mit Namen, nicht mit IPs.

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

22.04.2009 - 20:57 Uhr
cougarten


Also noch mal: die IP adresse reicht und schon ist man auf der Seite.
ABER: die den namen (z.B. google.com) in die IP zu übersetzen, dafür ist die DNS server da und da müsste man sich einen anderen suchen oder über dritte die IP erfragen.
Der standart DNS server wird alle gesperrten domains in die IP des Stoppschilds übersetzen bzw dahin weiterleiten.

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

22.04.2009 - 21:03 Uhr
cougarten

IP sperren würden sehr viele Unschuldige webseiten mitblocken, da mehrere Webseiten oftmals auf einer IP gehostet sind.

(wer mal selbst irgendwo mehrere domains gehostet hat, konnte vielleicht feststellen, dass alle domains ihr daten dem gleichen FTP Server liegen haben, also irgendwie am gleichen ort sitzen)

eike
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

22.04.2009 - 22:49 Uhr
eike

ok, nehme ich an. alle details kann man nicht im kopf haben. :-)
was aber ja auch spannend ist: die ausnahmeregelungen mit providern unter 10.000 teilnehmern. na, wenn sich da mal keiner findet. von den anderen wegen eben mal abgesehen. ach ja: unis, bibs und sowas sind auch ausgenommen. ab in die institute!! wahnsinn. ein müll ist der gesetzesentwurf. nur um was durch die hintertüre einzuführen.
gutes interview: http://www.zeit.de/online/2009/17/netzsp...

stevieboy
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

07.05.2009 - 11:58 Uhr
stevieboy

@Gockeline:

Lies doch bitte mal meinen Artikel und die enthaltenen Links.

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...

Weiterhin gibt es auf Youtube die Debatte des Gesetzesvorhaben. Wenn Du Dir die Stimmen der Opposition mal anhörst, dann weißt Du, welche berechtigten Bedenken mit dem Vorhaben verbunden sind (welche die Regierungsparteien in der Debatte nicht einmal versuchten zu beantworten).



Ich hoffe, wir sprechen uns danach noch einmal.

Zurück Seite 1 2

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

dirk-vongehlen offline

dirk-vongehlen

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.