17.04.2009 - 18:30 Uhr

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Record Store Day: Braucht man Plattenläden? Ein Fall für Zwei

Text: daniel-schieferdecker

Am Wochenende ist Record Store Day, ein Tag, an dem man den kleinen unabhängigen Plattenladen ehren soll. Muss man das? Ein Fall für Zwei

Contra: Die Zeit des Plattenladens ist vorbei

Ich kann nicht gewinnen. Das, was ich jetzt vorhabe, ist etwa so Erfolg versprechend wie der Versuch, in einen Plattenladen zu rennen, laut „Ihr seid alle arrogante Nerds“, zu brüllen und anschließend Applaus zu bekommen. Geht nicht. Ich tu es trotzdem, weil sich unter „Musikliebhabern“ (vermutlich guter Inhalt, aber schlimmes Wort) ein derart reaktionärer Kulturpessimismus breit gemacht hat, dass es an der Zeit ist, das Unglaubliche zu wagen: nämlich laut und deutlich zu sagen, dass der kleine sympathische Plattenladen an der Ecke der größte Selbstbetrug des Indie-Großstädters ist. Denn 1. gibt es überhaupt keine sympathischen Plattenläden, 2. geht niemand dort hin, um „Schätze zu heben“, sondern 3. lediglich aus dem einfachen Grund, sich seiner eigenen Überlegenheit zu versichern. Was Menschen, die Plattenläden besuchen dort in Massen heraustragen, ist kein Vinyl, sondern Distinktion, also die Unterscheidung von den Doofen. Denn die Doofen, kommen in den Plattenladen ja nur, um was zu fragen. Wie peinlich!

So weit die Geschichte. Jetzt kommt die Zukunft und die heißt MP3-Blog. Jeder kann sich heute das coole Wissen aneignen, nicht mehr nur die dicklichen Gästelisten-Dauerparker, die sich ihre Tage an der Theke des Plattenladens mit Fachsimpeleien vertreiben. Deshalb wird der Plattenladen sterben. Egal, ob das traurig ist (vermutlich schon) oder nicht: Niemand braucht mehr einen Ort, an dem man durch Rumstehen seine eigene Wichtigkeit beweisen kann, das macht man heute im Netz.

Das Merkwürdige daran: Die Totengräber des Plattenladens sind nicht die Durchschnittshörer wie ich, sondern die selbsternannten Coolen von der Theke. Weil sie nämlich nicht darauf warten können, die selten Japan-Fassung eines B-Seitensongs zu bekommen, sind sie die ersten, die ihn aus dem Netz laden – und keinesfalls warten, bis er auf Vinyl gepresst wurde. Wer das nämlich tut, ist hinten dran und damit nicht mehr cool. Und das, ich weiß es aus eigener Plattenladen-Erfahrung, wollen diese Menschen keinesfalls sein.

stefan-winter

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