Zehn Glückwünsche zum zehnten Geburtstag: Die Nuller-Jahre
Text: jetzt-redaktion
Vor lauter Debatte über die Frage, wie man die Nuller-Jahre korrekt bezeichnen soll, sind sie schon fast vergangen. Zehn Glückwünsche zum zehnten Geburtstag
Studieren in Berlin
Es war nie ganz egal, wo wir in Deutschland studieren. Aber irgendwann wurde es so wichtig, dass sich die Menschen in drei Kategorien einteilen ließen. Die einen, denen ihre berufliche Zukunft wichtiger war als ihr Studentenleben, gingen nach Karlsruhe, Tübingen oder Gießen. Die anderen wollten mehr, aber wussten, dass Leben auch Kompromisse bedeutet. Sie landeten in München, Hamburg oder Köln. Die dritte Gruppe ging nach Berlin, logierte für wenig Geld in riesigen Altbauwohnungen, feierte bis 10 Uhr morgens und strafte die anderen beiden Fraktionen mit dem Gefühl, nicht das Beste aus dem eigenen Leben gemacht zu haben. Den Beginn des Berlin-Hypes zu fixieren, ist schwierig. Aber der Umzug des Bundestags von Bonn nach Berlin vor zehn Jahren hatte etwas damit zu tun. Seitdem nämlich konnten unsere Eltern mit Stolz über den Nachbarszaun sagen: Unser Sohnemann studiert jetzt in Berlin. Seit dem Umzug der Politik halten die elterlichen Nachbarn den Nachwuchs nicht mehr für einen arbeitsscheuen Herr Lehman, der sich vor dem Bund drücken will. Die Ankunft der Politiker hat das Studentenleben in der Hauptstadt geadelt. Kommen die Eltern, besichtigen wir mit ihnen abermals den Reichstag und können dann wieder in Ruhe bis zum nächsten Mittag in der Panorama Bar versacken.
Napster
Im Frühjahr 2008 konnte man Shawn Fanning dabei beobachten, wie er mit einem Auto sprach. Der Mann, der im Juni 1999 die Musiktauschbörse Napster erfunden hatte, war fast zehn Jahre später zur Werbeikone geworden. In dem Spot für einen Autohersteller versuchte der mittlerweile 28-jährige Programmierer einen Pkw davon zu überzeugen, umweltfreundliche Dieselmotoren einzuführen. Darauf entgegnete das sprechende Auto: „Ach Quatsch, Du hast der Welt die freie Musik geschenkt. Das ist viel wichtiger.“ Der Spot endet damit, dass Shawn sich von der Illegalität von Napster distanziert und den Autohersteller für dessen saubere Motoren lobt. Allerdings erscheint Fannings Werk dann doch revolutionärer: Napster hat die Art und Weise, wie wir mit Musik umgehen grundlegend verändert. Auch wenn die Musikindustrie die Plattform erst mit öffentlichkeitswirksamen Klagen bekannt machte und anschließend abschalten ließ, Napster war der Beginn einer Entwicklung, die sich nicht stoppen ließ: Es folgten Gnutella, Kazaa, Bit-Torrent, RapidShare und es werden andere folgen. Allen ist eines gemeinsam: Sie fördern den Tausch von Musikdateien im Netz. Der einzige Unterschied: Mit jedem Entwicklungsschritt lassen sie sich schwerer kontrollieren. Diese Lawine zu stoppen, ist komplizierter als mit Autos zu sprechen.
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