14.04.2009 - 18:30 Uhr

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Vier Vorschläge, was jeder ganz persönlich tun kann

Text: klaus-werner-lobo

Letzte Woche habe ich zehn Vorschläge für eine solidarischere und nachhaltigere Politik gemacht. Heute will ich darüber reden, was jeder und jede einzelne dazu beitragen kann. Ich muss gestehen, dass mir das besonders schwer fällt. Denn ich kann und will niemandem sagen, wie er oder sie zu leben hat. Wir alle haben unterschiedliche Bedürfnisse und Möglichkeiten, und das ist auch gut so. Tatsache ist aber, dass – entschuldigt die Ausdrucksweise – die Scheiße am Dampfen ist: Wirtschaftskrise, Energiekrise, Demokratiekrise, Rassismus, Klimawandel, Armut, Hunger, Umweltzerstörung und so weiter und so fort – all das verlangt danach, dass wir politische Entscheidungen nicht mehr den Mächtigen überlassen, sondern uns selbst an der Gestaltung unserer Zukunft und der Zukunft des Planeten beteiligen. Jeder und jede von uns hat unterschiedliche Möglichkeiten „was zu tun“. Wir können uns im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, in Vereinen, Organisationen wie Greenpeace oder Attac, Parteien und Gewerkschaften etc. engagieren, im beruflichen Umfeld, in Erziehung und Bildung, auf lokaler und globaler Ebene. Wir können bewusster konsumieren, also zum Beispiel regional, ökologisch oder „Fairtrade“ oder einfach mal weniger einkaufen, weniger fliegen, weniger Autofahren, weniger Fleisch essen. Doch all das lässt sich nicht über einen Kamm scheren, eben weil wir so verschieden sind. Mich interessiert daher vor allem, wie wir unsere Möglichkeiten vergrößern können. Und mir sind dazu vier Punkte eingefallen, die ich hier zur Diskussion stellen möchte: 1. Lebe deine Träume! Die meisten von uns lernen von Kindheit an, die Erwartungen anderer zu erfüllen: Du sollst nicht widersprechen, du sollst nicht frech sein, nicht auffallen, mehr arbeiten, reich und erfolgreich sein, keine Schwächen zeigen, nicht traurig sein, aber auch nicht soviel lachen, du sollst, du sollst … Warum fragt eigentlich keiner, was wir gerne tun würden und wie wir gerne wären, und zwar ganz unabhängig von dem, was angeblich möglich ist und was andere erwarten? Jeder Mensch hat eigene, ganz unterschiedliche Träume und Wünsche. Doch viele wissen irgendwann gar nicht mehr, was sie eigentlich wollen. Zu oft hat ihnen jemand gesagt: Das geht nicht, hör auf zu träumen, vergiss es. Irgendwann vergessen wir es tatsächlich und versuchen, so glücklich zu werden, wie wir es gelernt haben: mit Ellbogentechnik, nach fremden Vorbildern, nach den Versprechungen der Werbeindustrie, durch Konkurrenz und Egoismus. Doch erst wenn wir uns zugestehen, mitsamt unseren Eigenheiten, Träumen und Schwächen akzeptiert zu werden, sind wir bereit dafür zu kämpfen, dass auch unsere Mitmenschen in Würde leben und ihre Träume verwirklichen können. 2. Informiere dich und andere! Immer in der Geschichte waren es gut informierte Minderheiten, die etwas zum Positiven verändert haben. Egal ob das der Kampf für die Abschaffung der Sklaverei, für Demokratie, Frauenrechte, Arbeitsrechte, Minderheitenrechte, Umwelt- oder Tierschutz war. Informationen sind nicht neutral, fast immer stehen Interessen dahinter. Je genauer wir diese Interessen erkennen, desto besser können wir Informationen kritisch nutzen - egal ob sie aus Büchern, Massenmedien, dem Internet oder persönlichen Gesprächen stammen. Wenn wir nicht wollen, dass die Welt wie eine Ware gehandelt wird, wenn wir uns nicht verkaufen lassen wollen, dann dürfen wir uns vor allem nicht für dumm verkaufen lassen. 3. Gemeinsam und lustvoll handeln! Allein geht gar nichts. Natürlich kann jeder seinen persönlichen Privatboykott gegen irgendein böses Unternehmen starten. Nur: Das kratzt niemanden. Wer versucht, seine eigene kleine Weltrevolution gegen das Böse da draußen anzuzetteln, endet meist frustriert. Die Kinder, die für die Profite von McDonald’s oder Nestlé in Asien oder Afrika bis zum Umfallen schuften, haben überhaupt nichts davon, wenn wir hier deprimiert dasitzen und sagen „Ogottogott, wie schrecklich!“ Sie haben viel mehr davon, wenn wir uns gemeinsam mit anderen engagieren und zum Beispiel kreative Aktionen organisieren, mit der wir öffentliche Aufmerksamkeit für diese skandalösen Zustände erzeugen. Denn nur diese öffentliche Aufmerksamkeit zwingt Politik und Konzerne dazu, etwas an der heutigen Situation zu ändern. 4. Zivilcourage zeigen! Die Verletzung von Menschenrechten ist nur möglich, wenn alle zuschauen und niemand eingreift. Deshalb müssen wir schon im Alltag beginnen, laut und deutlich „Nein!“ zu sagen, wenn Menschen diskriminiert werden oder Machtmissbrauch stattfindet. Bei rassistischen, sexistischen oder homophoben Äußerungen und Übergriffen, bei Mobbing in der Schule oder am Arbeitsplatz – überall dort, wo jemand unsere Hilfe und Solidarität braucht. ******
Klaus Werner-Lobo ist Autor und Clown. Sein neuestes Buch heißt „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“, seine Website ist unsdiewelt.com


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der_ingenieur
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Mag ich Mag ich nicht

-1

16.04.2009 - 17:27 Uhr
der_ingenieur

Die 10000 sind geschenkt, aber bitte keine Tausenderpunkte machen.

Wenn Du (DD) noch auf meine Einwaende eingehen wuerdest, waere ich sehr dankbar.

Beru
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Mag ich Mag ich nicht

0

16.04.2009 - 18:51 Uhr
Beru

DagnyTaggart sagte:
nur weil wir gesättigten nordeuropäer und -amerikaner nach 50 jahren wohlstand, erkannt haben, dass 2 autos pro familie, jeden tag fleisch oder 2 bis 3 urlaube im jahr im endeffekt unsere lebensgrundlagen zerstören, können wir doch anderen menschen nicht verbieten so leben zu wollen.


nur weil deutschland zig millionen menschen umgebracht hat im zweiten weltkrieg dürfen wir den anderen doch nicht verbieten auch solche oder ähnliche systeme aufzubauen..

doch. gerade, weil wir daraus gelernt haben, dass das nicht gut geht.

@ingenieur
Und wie siehts mit 1000er-Kommas aus? ^^
Tut mir leid, aber irgendwann werden große Zahlen einfach unübersichtlich...

der_ingenieur
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Mag ich Mag ich nicht

-1

17.04.2009 - 01:08 Uhr
der_ingenieur

dafuer gibt es die "Engineering Notation" :-).
Oder Leerzeichen. Punkte und Kommata hingegen sind zweideutig, wie Dagny bereits anmerkte.

Meander
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.04.2009 - 23:12 Uhr
Meander

Digital_Data sagte:
Die Mär von hundert Millionen Menschen, die AUto fahren in Urlaub fliegen oder mehr Fleische ssen. Der große Teil der Arbeiter in China und Indien verdient gerade so viel um seine Familie auch nur einigermaßen am laufen zu halten, über Auto oder Fliegen dankt da keiner nach. Und selbst die verlieren nun ihren Job. In China sind bis Februar 10.000 Betriebe pleite gegangen und damit haben die "Mitarbeiter" dieser Firmen sogar die Existenzgrundlage verloren. Wer denkt da bitte, dass die Autos kaufen, die wissen nicht, womit sie Reis für die ganze Fasmilie kaufen sollen.

Nehmen wir mal Volkswagen, den größten Auotbauer Chinas. Volkswagen verkaufte 2008 im Asien-Pazifik-Raum 1,2 Mio. Autos und erzielte damit 8,5 Mrd. Umsatz. In Europa erzielte man mit 3,7 Mio. Fahrzeugen 81 Mrd. Umsatz. Also mit einem Drittel der Fahrzeugproduktion gegenüber Europa erzielte man 1/10 des Umsatzes. Das zeigt wie sehr es sich in Asien um ein Billigmarkt handelt. Noch deutlicher wird das beim Gewinn, in China erzielte man 395 Mio. € oder eben auch etwas mehr als 10 % des Konzerngewinnes. Die Ostmärkte sind absolute Billigmärkte und wer denkt, dass sich diese Märkte zu Premiummärkten entwickeln werden, der verkennt die möglichen Entwicklungen der Löhne in diesen Ländern.


Das ist genau diese Einseitigkeit, die ich Dir auch schon an anderer Stelle vorgeworfen habe. Warum fahren wohl nicht so viele Chinesen Auto? Hat ganz verschiedene Gründe: Einer davon ist, dass in Teilen der Volksrepublik (bspl. Hongkong) auf Autos noch einmal rund 100% Steuern kommen. Da siehst Du dann fast nur große Karren auf der Straße, der wer sich da ein Auto kaufen kann, der hat nach jedem Maßstab viel Geld. Hinzu kommt: Auf dem Land haben die Leute oftmals tatsächlich nicht das Geld, sich ein Auto zu kaufen. In den Millionenstädten ist es oftmals schlicht und ergreifend unsinnig. Warum soll man sich in Shanghai, Hongkong oder auch Beijing ein Auto kaufen. Das macht da so viel Sinn wie ein Schirm beim Schwimmen. Aber darüber will ich jetzt gar nicht mit Dir streiten.

Lass mal lieber auf die Mär vom reichen Chinesen eingehen bzw. auf Deine Mär, dass die Chinesen deiner Ansicht nach noch immer alle im Dreck leben. Zwischen 1978 und 2005 stieg das Nettoeinkommen im Monat von Stadtbewohnern von 46 US-Dollar auf 1404 US-Dollar. Das der Landbewohner stieg von 18 auf 436 US-Dollar. Diverse Fabriken werden von China inzwischen in ärmere asiatische Länder ausgelagert, da China längst nicht mehr die niedrigsten Stundenlöhne der Welt bezahlt. Deng Xiaoping sein dank.
1978 haben noch 270 Millionen in China in absoluter Armut gelebt. Heute sind es rund 70 Millionen. Im selben Zeitraum hat sich in China eine Mittelschicht gebildet, die mehrere hundert Millionen umfasst. Von der Oberschicht will ich gar nicht sprechen. Zur wirtschaftlichen Lage von China: Schlechter als in den letzten Jahren, allerdings ist China weitaus besser davor, als die meisten westlichen Staaten, wie Dir jeder Analyst dieser Tage erzählen wird. Ansonsten einfach mal bei Credit Suisse anrufen, die geben Dir das auch schriftlich. 10.000 Betriebe pleite gegangen - so, und? Hast Du eine Vorstellung davon, wie viele Betriebe täglich in China entstehen? Über 2000 Unternehmen werden in China monatlich genehmigt - ach, und bevor ich es vergesse: Dies sind nur die mit ausländischen Direktinvestitionen gegründeten Unternehmen. An die chinesischen Unternehmen ist dabei noch gar nicht gedacht. Noch weniger an die chinesischen Klein- und Kleinstunternehmen. Also vielleicht immer mal schön auf dem Teppich bleiben. Es ist bedauerlich, dass im Westen immer noch das Bild eines Chinas aus Maos Zeiten vorherrscht. Vermutlich ist dies auch einer der Gründe, warum viele in Asien eine Mordswut auf Euch haben.

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Mag ich Mag ich nicht

0

17.04.2009 - 23:49 Uhr
Meander

Digital_Data sagte:
@der_ingenieur und DagnyTaggart

Ihr habt sicher noch nie einen Schreibfehler gemacht, sorry dass sich meine Tastatur von Einfügen auf überschreiben umgeschaltet hat und ich dadurch eine Null unbeabsichtigt gelöscht habe und die Kommentare nicht mehr editiert werden können. Soll ich Dir jetzt jeden Fehler auch zehnmal um die Ohren hauen.



Ah, das hatte ich natürlich jetzt noch nicht gesehen. Wenn ich es also richtig verstehe hast Du von 100.000 Pleiten geschrieben?


Wenn Ihr Euch mit dem Thema befassen würdet, dann wüßtet ihr, dass zu hause Großfamilien mit Eltern und Großeltern, Onkeln etc. warten. Die Versorger sind meistens Männer und Frauen im Alter um die 25 bis 30 Jahre.Die Einkindregel wurde 1979/80 eingeführt, diese heute Erwachsenen haben also Onkel und Tanten.


Und wenn Du dich mit dem Thema befassen würdest, wüsstest Du, dass diese Onkel und Tanten ebenfalls Kinder haben. Und so erklärt sich Dir dann auch, warum Puster eben auf etwas niedrigere Werte beim Rechnen kommt. Was Dein Verweis auf die Einkind-Politik soll, weiß ich nicht.

[Zitat]
Ich kann mich getrost zurücklehnen, da alle Prognosen die ich im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise bisher gemacht habe auch eingetroffen sind. Zwar ist die chinesische Wirtschaft zentralistisch gesteuert, aber sie hängt eben auch von den westlichen Abnehmern ab, da die Chinesen durch die Ausbeutung der westlichen Firmen und durch den Umstand, dass man China als Land ausgewählt hat, weil dort Gewerkschaften verboten sind, sich die selbstproduzierten Produkte gar nicht leisten können. Damit ist China noch viel mehr exportabhängig als Deutschland und Japan und deshalb trifft es China noch viel härter.
Das ist sachlich ganz einfach falsch. Jeder Analyst, den Du dieser Tag befragst, wird Dir sagen, dass China die Krise derzeit besser übersteht als die westliche Gemeinschaft. Einer der Gründe ist, dass China ohnehin vor hatte, seinen Export einzuschränken und die Binnennachfrage anzukurbeln, um sich noch unabhängiger zu machen. Die Finanzkrise hat aus dem "wir sollten mal" ein "wir müssen mal" gemacht. Zudem überschätzen Europäer offenbar gerne ihre Bedeutung als Handelspartner für China. Mit Indien hat China den größten (und künftig wichtigsten) Absatzmarkt direkt vor der Haustür.


http://www.handelsblatt.com/politik/konj...

http://www.aktiencheck.de/artikel/analys...

http://www.rp-online.de/public/article/w...

http://www.welt.de/wams_print/article342...

http://www.welt.de/finanzen/article34221...

http://www.fundresearch.de/index.asp?int...

puster
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.04.2009 - 08:28 Uhr
puster

@meander

danke, danke, danke :)

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