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Sportfreund Peter Brugger: "Wir können es nicht jedem recht machen"

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In Stellenanzeigen wird von Bewerbern so einiges verlangt: Teamfähig sollen sie sein, flexibel und zuverlässig. Doch wie wichtig sind Schlüsselqualifikationen im Job wirklich? Wir fragen bekannte Menschen. Folge 8: Sportfreund Peter Brugger über Authentizität. jetzt.de: Am 22. Mai erscheint euer Album „MTV Unplugged in New York“. Ist Unplugged die authentischste Form von Musik? Peter Brugger: Es gibt kein Effektgedöns und es wird nichts drübergestülpt. Insofern kann man schon sagen, dass Unplugged authentisch ist. Das war auch das Ziel: Unsere Lieder noch einmal so zu arrangieren, dass sie am besten aussagen, was in ihnen drin steckt. Manche sagen: Die Sportfreunde von heute sind nicht mehr jene Sportfreunde, die wir von früher her kennen. Sie vermissen die Authentizität eurer frühen Jahre. Kann Authentizität durch beruflichen Erfolg verloren gehen? Natürlich hat Erfolg oder Scheitern Einfluss auf die Entwicklung einer Band. Das hat aber meiner Meinung nach nichts mit fehlender Authentizität zu tun. Außerdem sollte die Qualität von Musik nicht am Erfolg gemessen werden. Ich persönlich gehe danach, ob mir die Musik einer Band gefällt oder ob sie mich berührt und schaue nicht darauf, wie viele Leute auf deren Konzerte rennen. Aber ich kenne diese Problematik natürlich: Da gibt es Leute, die waren schon auf unseren Konzerten, als wir noch vor zwanzig Zuschauern gespielt haben. Als der Club dann plötzlich voll war, haben sie sich aufgeregt, weil wir nicht mehr ihre Band waren, nicht mehr so wie früher und deshalb nicht mehr echt. Aber bei uns kommen drei Typen zusammen und machen gemeinsam Musik. Da stellt sich schon von vorne herein die Frage: Wie kann das überhaupt hundertprozentig authentisch sein? Dann frage ich anders: Seid ihr denn noch die gleichen Sportfreunde Stiller wie am Anfang eurer Karriere? Natürlich nicht. Wir machen jetzt seit über zwölf Jahren zusammen Musik und haben eine Menge erlebt. Sowohl mit der Band als auch privat. Da wäre es doch schlimm, wenn wir sagen würden: Wir sind noch genau die gleichen. Ist eure Musik noch so authentisch wie früher? Bei der Frage nach authentischer Musik ist das ja so: Wenn sich ein Künstler aus einem inneren Beweggrund heraus auf eine bestimmte Art auf der Bühne inszeniert, dann kann er genauso beeindruckend sein, wie jemand, der sich total gehen lässt und mal schaut, was passiert. In der Kunst gibt es eben unterschiedliche Herangehensweisen. Wir sind vielleicht eher jene Musiker, die sich so geben, wie sie gerade drauf sind. Jeder bringt das ein, was seine Persönlichkeit ausmacht. So entsteht dann unsere Musik.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Sänger Peter Brugger, 36, veröffentlicht mit seinen Bandkollegen am 22. Mai das neue Sportfreunde-Stiller-Album "MTV Unplugged in New York". Wenn ihr so viel von eurer Persönlichkeit in die Musik steckt, muss es euch doch wahnsinnig ärgern, wenn euch jemand fehlende Authentizität vorwirft. Nein, jeder kann von mir aus sagen was er will, solange ich mit mir und wir mit uns im Reinen sind. Das heißt, dass wir uns nicht verbiegen lassen oder irgendwas machen, was wir gar nicht sind. Ärgerlich ist nur schlecht argumentierte Kritik. Wir betrachten selbst sehr kritisch, wo wir als Band hingekommen sind. Insofern ist Kritik von außen wichtig, weil sie uns dazu bringt, uns weiterhin permanent selbst zu überprüfen und in Frage zu stellen. Aber andererseits: Man kann es nicht jedem Menschen recht machen. Wir können nicht immer wieder dieselben Lieder schreiben und den gleichen Auftritt hinlegen. Das geht nicht. Es muss doch eine Entwicklung stattfinden. Welche Entwicklung siehst du in eurer Musik? Für das Unplugged-Album haben wir mal alle unsere Platten durchgehört, jedes einzelne Lied. Es war wirklich schön zu sehen, was so über die Jahre passiert ist. Ich kann schon Entwicklungsstufen feststellen: Am Anfang war uns irgendwie alles scheißegal, wir haben einfach reingeholzt und rausgeschrien. Vielleicht ist es genau das, was viele als authentisch empfunden haben. Aber ich glaube, es hätte die Menschen schnell gelangweilt, hätten wir immer wieder die "gleiche" Platte aufgenommen. Wir haben mit der Zeit verschiedenste Sachen ausprobiert und es ist stetig musikalischer geworden. Jeder von uns hat sich musikalisch und menschlich weiterentwickelt. Beim Unplugged haben wir mit vielen anderen Musikern zusammen gespielt, auch das hat unsere Musik sehr berreichert.


Ist eure Musik also nur "anders authentisch" als früher? Es ist so: Wenn ich mich hinsetze, rumklimpere und versuche, ein paar Textzeilen zu schreiben, denke ich mir oft: Hey, das ist eigentlich die gleiche Thematik, die ich schon in einem früheren Lied behandelt habe. Jeder Mensch hat eben so ein paar Themen, die einen besonders berühren oder immer wieder im Kopf rumgehen. Dann sage ich mir: Das brauchst du jetzt nicht nochmal schreiben. Ich möchte mich gerne woanders hin entwickeln und überlege, wie ich das Thema ein bisschen anders behandeln kann. Vielleicht ist das in der Wahrnehmung der Leute dann nicht mehr so pur wie das, was früher in unseren Texten drin war. Ich möchte mich in den Texten nicht wiederholen, aber es ist einfach schwierig, immer wieder eine neue Inspiration zu finden. Warum ist das so schwierig geworden? Um wieder neuen Input zu kriegen, muss man sich ins Leben reinhauen. Das ist manchmal nicht so leicht. Gerade dann, wenn man in einer Band spielt und so ein anderes, durchaus privilegiertes Leben führt. Es fehlt oft der Alltag, der wirklich Inspiration pur ist. Wie ist das denn in deinem Alltag: Gibst du dich authentisch? Die Frage "Gibst du dich authentisch?" ist für mich ein Widerspruch. Entweder "bin" ich authentisch oder ich "gebe" mich irgendwie und so und so. Also gut: "Bist" du im Alltag authentisch? Da spielen viele Dinge eine Rolle. Es kommt auf die Leute an, mit denen ich gerade zusammen bin und auf meine Stimmung - ob und wie weit ich mich öffne. Zur Band kann ich sagen, dass es Phasen gab, in denen wir von einem Push getragen waren und andere, in denen es auf uns eingeprasselt ist. Auch das beeinflusst die Art, wie man sich im Alltag verhält. Du meinst den WM-Sommer 2006, richtig? Naja, wir haben durch das WM-Lied auch viel Schelte bekommen. Einerseits ist es natürlich an jeder Ecke gesungen worden, aber es gab auch Fans, die gesagt haben: Ich habe keinen Bock mehr drauf, ich kann es nicht mehr hören! So etwas hat schon Einfluss auf eine Entwicklung und auch auf das eigene Verhalten. Wie äußert sich das? Niemand wird gerne blöd angemacht, deshalb zieht man sich dann eher wieder zurück. Aber in Zeiten, in denen du im siebten Himmel schwebst, auf Tour bist und dir überall zugejubelt wird, da gehst du natürlich ganz anders unter die Menschen. Es gibt viele Dinge, die einen Einfluss auf die Art haben, wie man sich gibt. Es gibt aber keinen vertraglichen Verhaltenskodex, wie ihr euch in der Öffentlichkeit zu verhalten habt, oder? Ne, das geht gar nicht. Aber ich könnte mir das zum Beispiel so vorstellen: "Artikel 3: Gehe in die Öffentlichkeit mit kleinen Schritten und grinse an jeder zweiten Ampel." Im Ernst: Musikalisch sind wir genauso frei, wie in allen Sachen außen herum. Da hat auch jeder in der Band seinen eigenen Weg gefunden. Der eine feiert gerne in der Öffentlichkeit, der andere geht gerne in den Wald und feiert lieber privat. Suchst du eher die Nähe zu deinem Freundeskreis, weil es dort authentischer zugeht? Wenn ich zuhause in München bin, versuche ich schon, den Kontakt zu meinen Freunden aufrecht zu erhalten. Da ist weder das eine noch das andere mehr oder weniger authentisch. Manchmal entsteht mit einer total fremden Person ein tolles, offenes Gespräch und manchmal geht mit dem besten Freund nichts, weil ich oder er oder sie nicht in Stimmung ist. Das ist aber dann auch echt. Es ist halt wirklich eine verzwickte Angelegenheit mit dieser Authentizität. Wie wichtig ist es denn ganz allgemein im Berufsleben, authentisch zu sein? Also, ich glaube: Wenn du dich nicht so verhältst, wie du bist, dann staut sich halt irgendwas in dir auf oder du hast nicht mehr die Freiheit, dich so zu verhalten, wie du gerne willst. Und dann kannst du deinen Job wahrscheinlich nicht mehr so gut machen, wie du ihn eigentlich gerne machen würdest. Was ist sonst noch wichtig, um im Job erfolgreich zu sein? Ich glaube, wenn man irgendetwas schaffen will, muss man Verantwortung übernehmen, sich einsetzen. Es kommt nicht irgendjemand daher und bringt dich in eine Position, in der du all das umsetzen kannst, was du gerne machen möchtest. Du musst Initiative zeigen! Sonst noch was, um in der Jobwelt zu bestehen? Einen beidfüßig guten Schuss sollte man halt haben. Wenn du nur mit einem Fuß wirklich gut schießen kannst, dann hast du in der heutigen Zeit nämlich keine Chance mehr. Alle bisher veröffentlichten Folgen der Jobkolumne findet ihr hier. Foto: Universal Music

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