06.04.2009 - 18:30 Uhr

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Erzbischof Reinhard Marx: „Rebellion ist ein Privileg der Jugend“

Text: philipp-mattheis - dirk-vongehlen; Foto: ddp

In der Woche vor Ostern spricht der Erzbischof von München und Freising über negative Schlagzeilen und die frohe Botschaft.

Sie sind jetzt seit gut einem Jahr in München. Sind die Menschen hier anders als in Trier, wo Sie vorher als Bischof tätig waren? Marx: Das Erzbistum ist ja größer als die Stadt München, es reicht bis nach Berchtesgaden. Aber München hat sicher eine ganz eigene Prägung. Mit großen Unterschieden, es gibt ja nicht nur die echten Münchner, die hier geboren sind und auch bairisch sprechen . . . . . . sprechen Sie auch schon bairisch? Marx: Ein paar Worte kenne ich schon. Doch es wäre affig, wenn ich damit jetzt anfangen würde. Aber ich verstehe das Bairische, denn ich habe es schon immer sehr gerne gehabt. Und die Mentalität im Erzbistum kommt meiner westfälischen Heimat sicher entgegen: Etwas bodenständig, es wird nicht zu viel geredet, aber doch in einer offenen, herzlichen Weise.
Gibt es eine Eigenschaft, die Sie typisch für München empfinden? Marx: (überlegt) Vielleicht das Grantln? Marx: Nein, das scheint mir eher eine typisch großstädtische Eigenschaft zu sein, dass die Menschen grantln. Und da ist mir in München eher eine gewisse Freundlichkeit aufgefallen, ich werde jedenfalls immer sehr freundlich angesprochen, wenn ich beispielsweise mit der U-Bahn fahre. Die Leute sorgen sich eher. Wie müssen wir uns das vorstellen: Sie steigen dann an der Münchner Freiheit aus und gehen an den Saufkneipen in der Feilitzstraße entlang zu ihrem Wohnsitz in Schwabing. Nicht gerade die Gegend, wo man einen Erzbischof erwartet . . . Marx: Ach, das ist doch harmlos hier. Und natürlich erkennt einen auch nicht jeder. Da habe ich kein Problem. Wenn man ein wenig in Ihrer Biografie liest, erfährt man, dass in Ihrem Jugendzimmer Bilder von Mutter Theresa an der Wand hingen. War Ihnen tatsächlich schon in der Jugend klar, dass Sie mal einen geistlichen Beruf ergreifen möchten? Marx: Ich wusste das schon sehr früh. Im Alter von drei oder vier Jahren habe ich gebetet und eine Beziehung zu Gott entdeckt. Spätestens als Kommunionkind wusste ich: Was der Pfarrer tut, das will ich auch machen. Natürlich ist das noch mehrmals hinterfragt worden, aber ich habe es nie grundsätzlich in Frage gestellt. Auf der nächsten Seite verrät Erzbischof Marx, ob er seinen Entschluß gegen Widerstände verteidigen musste und wie er zur Finanzkrise steht.
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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.