01.04.2009 - 16:42 Uhr

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Wirtschaftskrise: Wie schlimm ist es ?

Text: Digital_Data

Eines vorweg: Es geht nicht darum schwarz zu malen. Es geht darum möglichst früh zu erkennen, was uns erwartet, denn nur dann könnten wir angemessen reagieren. Gestern ging die Meldung über die Ticker: Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnung der Arbeitslosenzahlen seit 1928 gab es einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen von einem Februar auf einen März. Was zunächst nicht so tragisch klingt, entfaltet seine tragische Dimension erst, wenn man es etwas umformuliert. Selbst in der dramatischsten Wirtschaftskrise 1929 - 1933 (oder teilweise bis 1939) war es nicht passiert, dass die Arbeitslosenzahlen von Februar auf März stiegen. Also rein auf den Arbeitsmarkt betrachtet erscheint die Situation schlimmer als damals !!! Dabei sind auch die Parallelen erschreckend. Die Golden Zwanziger-Jahre, waren so etwas wie die Spaßgesellschaft heute. Der erste Crash ereignete sich am Schwarzen Freitag, also 24. (ein Donnerstag) und 25. Oktober 1929 (bei uns ging es Ende September/Anfang Oktober 2008) los und bei der nächsten Reichstagswahl am 14. September 1930, also knapp ein Jahr nach Beginn der Krise (bei uns wird diese Wahl nach derzeitigem Stand Ende September 2009 sein) gewann die NSDAP über 15 % hinzu. Darüber sollte jetzt jeder nachdenken, der diese Krise noch verharmlost, als beherschbar tituliert oder gar meint, dass man dies aussitzen könnte. Erste Regierungen stehen schon jetzt vor dem aus (Ungarn, Island, Lettland und nun Tschechien, die den EU-Ratsvorsitz haben). Mit Tschechien trifft es zum ersten mal ein Land, das deutlich in unsere Wahrnehmung tritt, auch wenn die Probleme schon länger bestanden. Neuwahlen in einer Krisensituation stellen aber eben immer eine Gefahr für die Stabilität eines Landes dar. Sicher kommen auch deshalb die Vorstöße unserer Regierung nach vorgezogenen Neuwahlen (FDP ist dafür, SPD tut alles um die Koalition aufbrechen zu können etc.) immer deutlicher zu Tage. Auch um die Nachfolge von Mehdorn wird sicher die nächste Zerreißprobe gebaut. Uns muss damit endlich klar werden, dass mit der Wirtschaftskrise nicht nur unsere finanzielle Zukunft auf dem Spiel steht, sondern vor allem auch unsere freiheitlich politische Zukunft. Das meine ich damit, dass wir riskieren Alles zu verlieren. Schauen wir uns also ein paar versteckte Zahlen an: "Seit Januar haben 50 000 Betriebe für etwa 1,7 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt" Quelle CEPR: Euroraum ist seit Januar 2008 in der Rezession Eine "technische Rezession" liegt nach allgemeiner Auffassung dann vor, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes zwei Quartale in Folge gegenüber dem Vorquartal fällt. Nach dieser Definition befindet sich der Euroraum seit dem dritten Quartal 2008 in einer Rezession. Quelle Im 4. Quartal 2008 lag die Rezession in Deutschland bei 2,1 % in der Euro-Zone bei 6,0 % in USA bei 6,2 % und in Japan bei 3,2% (Japan im Januar -10,2 % und im Februar -9,2 %). Wir müssen nun auch in Deutschland mit 2-stelliger Rezession (-10 % und mehr) rechnen und zwar wahrscheinlich schon für das erste Quartal, spätestens aber für das 2. Quartal). Zusätzlich eine Arbeitslosenquote von 5 Mio. bis in den Herbst bei mindestens zusätzlich 2 Mio. Kurzarbeitern. Außerdem wird, wenn keine weiteren Konjunkturpakete und strukturellen Änderungen kommen, eine Deflation greifen. Dann wird auch Hartz IV seine volle Wirkung zeigen. Wer Angst um seinen Arbeitsplatz hat, wer Angst hat innerhalb einer Jahresfrist auf Hartz IV-Niveau abzustürtzen, wird nicht wirklich konsumieren. Dies wird die Situation zusätzlich verschärfen. Wir sitzen also nicht in einem Land, das etwas milder getroffen wird, sondern in einem Land, das Aufgrund auch des Exportes, härter getroffen wird. Zitat: "50 % Auftrageinbruch in der Paradebranche Maschinenbau !" 50 %-Einbruch !! Andere Branchen können das durch Wachstum nicht auffangen, besonders wenn in stabilen Branchen, wie dem Lebensmittelhandel die Preise im Moment sinken. Wir haben jetzt viele Problembranchen, neben Auto, Reise (Reiseweltmeister, die Branche klagt schon jetzt), Baubranche etc. Selbst ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 25 % (die Hälfte der Branchen sind betroffen, die anderen produzieren kein Wachstum) ist möglich. Was können wir tun ? Das Hauptproblem wird weiter verkannt. Die Arbeitnehmer/Konsumenten haben zu wenig Geld zur Verfügung um die produzierten Produkte ohne Kredite zu kaufen, siehe US-Amerikaner können sich nur 37 % der selbst produzierten Waren leisten. Es hat Lohndumping in ruinösem Masse statt gefunden. Die eingesparten Gelder gingen an Manager, Anleger, Private Equity, Hedge Fonds und andere. Dieser Prozess MUSS rückgängig gemacht werden. Ohne Konsumenten mit genug Kohle in der Tasche, werden wir in ein langes tiefes Tal fahren. Digital_Data


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2 Kommentare

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DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

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01.04.2009 - 18:14 Uhr
DagnyTaggart

Was ich nicht verstehe, wie kann 1€ Lohn mehr für die Kassiererin beim Aldi an der Kasse die Auftragslage von MAN-Turbinen für den Kraftwerksbau beeinflussen?

Und noch eine Frage: Wenn das Vertrauen in das staatliche Geldsystem schwindet, dann hat eine Lohnerhöhung bei der Kassiererin am Aldi-Schalter erstmal nichts damit zu tun.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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01.04.2009 - 22:44 Uhr
Digital_Data

Die Wirtschaft ist sehr verzahnt, da müssen wir denke ich nicht mehr darüber diskutieren. Es gibt Unternehmen, die leben nur von privaten Konsum, es gibt Unternehmen, die leben von einer Mischung und es gibt Unternehmen, die leben Ausschließlich von gewerblichem Konsum. Caterpillar, die derzeit stark unter Druck sind, leben ausschließlich von gewerblichem Konsum, da sie Baumaschinen (und anderes) verkaufen. Baumaschinen werden aber nur verkauft, wenn gebaut werden, damit sind wir schon im gemischten Feld. Wenn die Verkäuferin bei Aldi zu wenig Geld hat, dann wird die Familie kein Eigenheim bauen oder Renovierung durchführen. Privater Konsum bricht nie zu 100 % ein, da private Konsumenten immer, um am leben zu bleiben, konsumieren. Bei gewerblichen Konsum ist das schon etwas anders. Bricht der Gewinn weg, so wird jeglicher gewerbliche Konsum der gestoppt werden kann, gestoppt. Wird nichts mehr produziert, stoppt dies auch den gewerblichen Konsum, der aus der direkten Herstellung von Produkten entsteht. Das erleben wir gerade.

Es sieht zwar nicht so aus, als wenn der eine Euro den Turbinen-Markt beeinflußt, aber wenn private Verbraucher sparen, dann verbrauchen sie auch weniger Strom, wenn private Verbraucher kein Geld zum konsumieren haben und weniger Produkte kaufen, dann verbrauchen auch die Hersteller weniger Strom. Die Stahlbranche z.B. stellt weniger Stahl zur Herstellung von Kühlschränken, Fernsehern oder Weißblechdosen her. Ergebnis, weniger Stromverbrauch, weniger Bedarf von Turbinen.

Zur zweiten Frage: Du hast mit Deiner Aussage natürlich Recht. Wir müssen aber den originären Grund der Wirtschaftskrise angehen, sonst lösen wir diese nicht. Das dies von Tag zu Tag schwieriger wird, ist auch mir klar. Denn wenn Unternehmen keinen Gewinn mehr erwirtschaften, dann wird es schwierig den Missstand mangelnde Kaufkraft der Konsumenten zu beseitigen, den dazu bräuchten die Konsumenten mehr Geld. Dieses Geld kann auf vier Wegen entstehen:

1. Mehr Lohn durch die Unternehmen. Dies wird derzeit sicher sehr schwierig. Aber weitere Lohnabstriche um damit Unternehmen zu retten wird dieses Problem nur noch mehr verschärfen.

2. Weniger Steuern und Abgaben. Da zeigt sich, dass die derzeitigen Konjunkturpakete in die falschen Richtungen laufen.

3. Deflation in begrenztem Ausmass, denn dadurch werden die Produkte billiger, das erhöht auch die Kaufkraft. Das ist aber hoch problematisch, wenn der Verbraucher durch den Eindruck unendlich sinkender Preise mit dem Verbrauch ewig wartet um noch billiger zu kaufen. Hier könnte man aber durchaus auch steuernd und regelnd eingreifen.

4. Abschaffen von Mechanismen, die Produkte teurer machen, als sie sein müßten. Dazu gehören Zinsen, Gewinne für Anleger etc. Zwar senken die Notenbanken derzeit die Zinsen auf Nahe null, einzig am Markt kommt nichts an, da die Banken Geld brauchen und das Zinsniveau hoch halten. Wenn aber das Bankensystem, das jetzt die Unterstützung vom Staat erwartet, die Unternehmungen der Führung so untergräbt, dann muss man dies notfalls durch Steuern komplett abschöpfen und den Verbrauchern durch Steuererleichterungen zur Verfügung stellen.

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