27.03.2009 - 11:22 Uhr

15 7 Über Twitter weiterempfehlen

Über das Vorrecht der Bettler, Gottes Segen zu spenden

Text: melan

Wir fuhren natürlich mit der U-Bahn durch die Stadt und wünschten ganz unten unter jemand drunter zu liegen und salam aleikum in unsere Rotzlöffelgesichter gebrüllt zu bekommen, aber tounge in cheek wie wir sagen, und das sind die alltäglichen Rassismen, sagte die Mademoiselle unserer Gruppe, aber das hat uns eben die Diskursphilosophie eingebrockt, macht aber nix, denn nach der nächsten Haltestelle fährt die U-Bahn natürlich wieder ans Licht, und der Monsignore unserer Gruppe hat noch Stilletto-Abrücke auf den Handrücken, und fantasiert von gewaltigen NaSieWissenSchon, aber da projiziert er auch eine Menge, weiß er aber, weswegen er ja auch abends den Blutzoll zahlt, und die Missis wetzt schon ihre Sohle und von hinten legt ihr die Senora die Hand auf die Schulter und fragt ganz kicherig: Why dost thou whet thy knife so earnestly?, aber da stürmt unsere U-Bahn natürlich schon in die Sonne Berlins und wir sind ganz seelig, das hat uns nämlich die kack französische Schulphilosophie eingebrockt, dass wir das jetzt immer ohne Weiteres sein können, und dass die alltäglichen Erniedrigungen jetzt erst überhaupt ihren Wahrheitsanspruch..., aber weiter kommt die Mademoiselle nicht, und salam aleikum, simsalabim fliegen wir völlig aus der Bahn, aber die Weidekätzchen blühen und daraus bauen wir uns eine fußballfeldgroßes Bett, auf dem wir Liebe machen ohne Codierung, das heißt im Grunde schlafen wir dort nur, bis es vorbei ist, aber den Efeu müssen wir beachten, wenn er von den leerstehenden Cafés aus über die Parkmauern klettert, die Hasen erwürgt und dich und mich an den Sohlen kitzelt, not on thy sole but on thy soul, wir müssen auch die Wolken bedenken, wenn sie brechen, und gelegentlich bin ich sehr viel trauriger, sagt die Mademoiselle, als die französische Philosophie es mir gestattet, verbrennt Foucault, schreit der Monsignor und streckt die Zunge heraus, aber was, wenn die Weidekätzchen voll sind mit kleinen Käfern oder Milben oder anderen Tieren, die sich in die Haut hineinfressen?, noch eine Station und wir sind natürlich da, und da betritt ein Singbettler die U-Bahn, und ich wundere mich noch über das Vorrecht der Bettler, Gottes Segen zu spenden, als wir angekommen sind und von den Demütigungen träumen, die wir uns antun wollen, und von den auf merkwürdige Weise erträglichen Schmerzen, cause if you prick us, do we not laugh?


Neue Texte zum Label 'DieScheissen':
Textoptionen
Mehr Texte von
melan
Mehr Texte zum Label
DieScheissen
Abonniere Kommentare oder Texte von melan
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
7 Kommentare

speichern
AllesOderNichts
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

27.03.2009 - 11:27 Uhr
AllesOderNichts

so heiter heute; hoffe, du hast im lotto gewonnen.

polaroid_android
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

27.03.2009 - 11:52 Uhr
polaroid_android

so ähnliche Gedanken ereilen mich auch oft am Nollendorfplatz.

chippyq
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

27.03.2009 - 17:51 Uhr
chippyq

kack französische schulphilosophie!

amplifythegoodtimes
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

28.03.2009 - 07:04 Uhr
amplifythegoodtimes

Final
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

-1

30.03.2009 - 20:28 Uhr
Final

[...] aber den Efeu müssen wir beachten, wenn er von den leerstehenden Cafés aus über die Parkmauern klettert, die Hasen erwürgt und dich und mich an den Sohlen kitzelt [...]

wunderbar*

yaya
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

31.03.2009 - 12:51 Uhr
yaya

*

rene
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

01.04.2009 - 03:16 Uhr
rene

Vishna in Springtime.


Speichern
Mehr lesen:

Jetzt-Mitglied

melan offline

melan

ist jetzt-User und hat diesen Beitrag verfasst.

Wen Bier hindert, der trinkt es falsch. (Benn)